K.C. Jahrbuch ...
- Journal
- K.C. Jahrbuch ...
- Volume
- 1908
- Article
- Alfred Goldschmidt: Geschichtsunterricht und jüdische Schüler
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 38 (sequence 2)
- Language
- German
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Alfred Ooldschmldt sammenhänge zu erwecken, anstatt ihn zu töten. Was ist Geschichte anders als der Verlauf der Dinge, in denen um die Erhaltung oder Erringung der Macht der Völker und Stande gekämpft wird? Kampf und Sieg, Triumph und Untergang, Tapferkeit und Entsagung muß das jugendliche Gemüt anregen. Wie aber soll das gelehrt werden? Kein Zweifel: Es ist schwer das richtig zu lehren! Darum braucht aber noch nicht der tolle Spuk von Unwahrheit, Heuchelei und Zurechtstutzung zu Recht zu bestehen, der sich in jinseren Geschichtsbüchern findet. Es kann als Richtschnur wohl bekannt werden, daß der Kampf der Völker ein Machtkampf ist, und daß die Mittel zum Ziel häufig brutale sein müssen, daß die größere Macht des Staates aber auch die Fähigkeit in sich trage — auch bei dem Kampf der Stände unter einander — um so eher die Gerechtigkeit innerhalb des Staates zu gewährleisten. Oder ist es besser nur immer von dem sittlichen Gedanken des Kampfes und der Kämpfe des Heimatstaates auszugehen und dann die Erkenntnis des Gegenteiles dem Schüler als Pein offen zu lassen? Wie kann eine ewige Lüge auf die Dauer erhebend wirken? Gewiß: Es ist schwer die Geschichte richtig zu lehren, aber die Wahrheit erkennen heißt auch ihre Lehre fordern. Es ist schwer, sie richtig zu lehren, denn das Kind fragt nur darnach, wer Recht und wer Unrecht hat. Kompliziertheit ist nicht sein Fach.