K.C. Jahrbuch ...
- Journal
- K.C. Jahrbuch ...
- Volume
- 1906
- Article
- Ernst Hochschild: Gabriel Riesser
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 143 (sequence 8)
- Language
- German
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r /__ ' Gabriel Riesser. 143 ben zurück. Um die bitterste Erfahrung" reicher gworden, die seinen kritischen Intellekt zum Erwachen brachte, hatte er nun unfreiwillig viel Zeit, über die bestehende Intoleranz und ihre Gründe nachzudenken. Er lebte, wie er selbst sagte, inmitten -treuer Freunde und politischer Studien ein „blumen bekränztes Martyrium“, das’ seine reichen Früchte trug. Wohl mußte ihm in jener Zeit der Gedanke an die Taufe kommen. Aber sein, stolzer Sinn und sein Unabhängigkeitsgefühl ließ ihn diesen schmählichen und schwächlichen Ausweg, der ihm freilich alle ersehnten Berufe plötzlich geöffnet hätte, verachten. Er war von einem anderen, kernigerem Holze, wie die taufelustigen Streber jener Zeiten, die das uralte Familiengespenst ihres Judentums mit dem Weihwasser zu verjagen suchten. Als aber die Julirevolution des Jahres 1830 in Paris losbrach und alle Gemüter aufrüttelte, kam auch bei Rießer der Umnut über die bestehenden Verhältnisse zum elementaren Ausbruch. Der noch nicht- Vierundzwanzigjährige trat mit einer Schrift: „Über die Stellung der Bekenner des mosaischen Glaubens in Deutschland“" auf den Plan. Das waren neue, nicht gehörte Töne, (he er in dieser Schrift anschlug. Er verläßt den Standpunkt der Verteidigung gegen gemachte Vorwürfe, er bittet nicht, um Gnade und Mitleid, sondern geht aggressiv vor,