K.C. Jahrbuch ...
- Journal
- K.C. Jahrbuch ...
- Volume
- 1906
- Article
- Ernst Hochschild: Gabriel Riesser
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 144 (sequence 9)
- Language
- German
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144 Ernst Hochachild. / indem er sieh stolz und selbstbewußt auf den Rechtsboden stellt und den Satz verficht, wer gleiche Pflichten hat, hat auch den wohlerworbenen-Anspruch auf gleiche Rechte. Nicht an die Gnade, sondern an die Gerechtigkeit appelliert er, er ist nicht der Wortführer bittflehender Armen, sondern unterdrückter Bürger, die ihren Platz im Staate heischen. Wie seine Forschungen so ist auch seine Schreibweise, kühn und energisch. „Wohl ist es lobenswert,“ sagt er, „wenn man im Streit persönlicher Meinungen, wo von beiden Seiten mit gleicher Aufrichtigkeit nach dem Ziel theoretischer Wahrheit gestrebt wird, seinem Gegner mit höflicher, freundlicher Schonung entgegen tritt, und seine Ansichten in die Formen bescheidener Zweifel hüllt; aber in einer Sache, bei'der es sich freilich nicht um Tod und Leben, aber nach der Ansicht des Verfassers wenigstens um etwas unendlich ernsteres, um Freiheit und Unterdrückung, um Recht und Unrecht, um Ehre und Schande, um Wahrheit und Lüge, um das rechtliche, vielleicht um das sittliche Sein oder Nichtsein von Hunderttausenden handelt — wäre jedes Verschweigen, jeder Rückhalt, jede Schonung eine Sünde wider den heiligen Geist der Wahrheit und der Menschlichkeit.“ Auch daß er mit der Sache der Juden seine eigene verficht, kann ihn nicht abhalten: