K.C. Jahrbuch ...
- Journal
- K.C. Jahrbuch ...
- Volume
- 1906
- Article
- Ernst Hochschild: Gabriel Riesser
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 140 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- section
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/4862473-6377459--165-4862627- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
140 Ernst Hochschild. Er entdeckte bald in seinem Sohne Gabriel hervorragende Eigenschaften und machte es sich zur Lebensaufgabe seine Geistesanlagen zur Blüte kommen zu lassen. Er ließ ihm nicht nur die sorgfältigste Ausbildung in den talmudischen Wissenschaften zu teil werden, sondern in der Erkenntnis, daß die herandämmernde neue Zeit erhöhte Anforderungen an den Geistesjuden stelle, vermittelte er ihm auch die umfassendste europäische Bildung durch den Besuch der Gymnasion in T.iiheok lind TTsmburg. Weitgehende Privatstudien, denen sich Gabriel mit vieler Energie widmete, vertieften seine Gymnasialbildung und er konnte schon Ostern 1824 zur Universität übersiedeln, nachdem er sich mit einer griechischen Rede von der Schule verabschiedet hatte. Seine innerste Neigung trieb ihn zum Studium der Jurisprudenz. Seine Vorfahren waren jüdische Juristen gewesen, er wollte deutscher Jurist werden, und als letztes Zie£ strebteer der Advokatur''zu7"tri>fzdem er mißte, daß dies für ihn als Juden Schwierigkeiten haben würde. Sein jugendlicher Optimismus aber hoffte schon alles überwinden zu können. Er zog nun zunächst nach Kiel und schloß sich dort der Burschenschaft an. In jener Zeit, wo die Verfassungen intolerant waren, herrschte wenigstens auf der Universität ein gleicher brüderlicherGeist. VonKiel wandte er sich nach Heidelberg, jener lieblichen Universitätsstadt, die schon damals das Ideal des deutschen Studenten war.