Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XXXIV (1934)
- Issue
- 1 (10.1.1934)
- Date
- 1934-01-10
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Kummer I—2. R 10. Janner 1934 Aus Palastina Gine Gruppe jtidischer PflQger des Kibbutz Schlocha auf Wadi Hawarith wurde wahrend der Arbeit von einer siarken Rotte mit Steinen und StOcken bewaffneter Beduinen angegriffen. Vier jiidische Mitglieder des Kibbutz, die den Traktor bedienten, wurden verwundet, davon zwei schwer. Die Verwundéten wurden in die KolOnie Chedera gebracht, xyo ihnen arztliche Hilfe zuteil wurde. Polizei begab sich nach dem Wadi Hawarith, um die Angelegcnheit zu untersuchen. Das bevorstehende Ende des Ran.adanfastens am 16. Januar bringt die Ge-!(alir neuer Araberunruhen in Palastina Alle arabischen Zeitungen, vor allem die mohammedanischen Organe mit Ausnahme des „Falastin", fordern die Bevftlkerung auf, an den geplanten Kundgebangen teilzunehmen. „Falastin" dagegen warnt vor jneuen Abenteuern. Aus zuverlSssiger iQuelle verlautet, daB militarische Verstarkungen aus Ågypten nach Palåstina beordert wurden, um fur den Fail von Unruhen in Bereitschaft gehalten zu werden. I Gine Sonderausgabe des paUstinen- Isischen Amtsblattes bringt ergånzende Be- Istimmungen zum Strafgesetz, durch die iDrohung mit Stdrung der offentlichen Ruhe und Ordnung unter Strafsanktion gestellt wird. Man nimmt an, daB es sich bei der Einfuhrung dieser neuen Bestimmungen um eine Notverordnung im Hinblick auf dje fur den 16. Januar befiirchteten Unruhen handelt. Der Vorstand des Verbandes zur Fbrderung des Fremdenverkehrs in Palastina hielt mif dein ChefsekretSr der PalSstina- Regierung eine Beratung ab und iiberreichte ihm ein Memorandum, in dem auf die den atlgemeinen Touristenverkehr schwer benachteiligenden Folgen des Regierungsdekretes gegen die sogenannten Touristeneinwandercr hingewiesen wird. Der Schefsekretar erwiderte, die Regierung werde demnachst eine -Verordnung erlassen, die „bona fide”-Touristen, die nur zu vorlibcrgehendem Besudl Palastinas eintreffen, allerlei Sicherlieiten und Erleichterungcn gewahrt. Jerusalem. Der sæben verbffentlichte Jahresbericht der Handelskammer von Tel Aviv bringt bemerkenswertes Material uber die Zahl der jiidischen Einwanderer, die mit eigenem Kapital nach Palastina gekommen sind. In den ersten ,neun Monalen des Jahres 1933 sind 2025 jiidische Einwanderer mit einem Eigenvermogen von je mindestens 1000 Pfund ins Land g tkommen; Durch diese Einwanderer wurdon somit mindestens 2 Millionen Pfund noch Palastina gebracht. AuBerdem sind die Gelder zu berQcksichtigen, die durch Ir stitutionen ins Land gesand wurden oder vc n Tourisfen investiert wurden, die spåtedas Land verlassen haben. In den vorar gegangenen Jahren war die Kapitalistenei iwanderung weit schwacher. Sie betraf 15 30 lf 2, 1931 269 und 1932 754 Einwumleror. Man erwartet, daB die noch ni :ht feftiggestellte Statistik fQr das Gesamtjahr 1933 eine Zahl von etvf jiidischen Einwandérern mit eigei tein ergeben wird. a 30001 Mit-1 Leib Jaffe, Dir, des Keren Haj< Jerusalem, nimmf in einer der ji Presse iibergebenén Erklårung gegen die von Rabbi Fishmann in deskonferenz des jMisrachi gemacfi hauptung. Ben G ur ion sei nach di greB in Prag mjt dem Dampfer nach Palastina zuijtlckgereist und Jom Kippur im Speisesaal' des bffentlich rituell verbotene Speisen genommen. Leib| Jaffe versichert, rion hatte wahnenld des Abends Tages des Jom kip betreten. pur derf Speises; al ilus der jiidischen Weit ssod in ddischen itellung Lan te Be- Kon f ’olonia” håbe am .mpfers zu sich Gui ind des nicht c er I Du Hen Ri mani r in Bukarest abgehaltenen dies ordefttlichen Delegiertenkonferenz ischen Organisation Altrumå 189 Delegierte aller Gruppen milt AuSAahrae der Revisionisten Jabotin sk seber Richtung teilgenommen. Die neuge >ildete Exekutive bestetat aus Mitgtiede n der Judenstaatpartei, der Gruppe der rci ikalen. Zionisten und zweHunabhångigei i Allgemeinen Zionisten. Zum Pråstdenler wurde dér Judenstaatsparteiler Philipp Roienstem gewfihlt. „Financial News” schreiben: „Es ist ein offenes Geheimnis, daB die Bewegung der „Eisernen Garde" in Rumårti en aus det tschen Quellen finanziert wird. Bewei- &e tir die deutsche Unterstutzung der Nazi-l lewegung findet man iiberall dort, wo imr »er hine solqhe apf der Erdoberflåche era heiirt, so z. B. auch auf Kuba... Offcnitar besitzt Deutschland gemigend Mittel, um Propaganda, Spionage und Aufståi ide In frem den Låndem zu finanzieren. Nui wenn es auswårtige Schulden bezahlen soli: versichert es seine Unffihigkeit 7un i Zajhlen." Polen, sch :n Misrachi erklårte Rabbi Fishman vor tier Weltexekutive des Misrachi in Pal Istina, der Misrachi beab^ichtige nicht der Zionistischen Organisation, die er ausbauen half, den Rucken zu kehren und sie den linlfen Elementcn zu ilberlassen, aber er werde uber die religibsen Belange wacheii. Misrachi halte an seinem BeschluB. an dem Keren Hajessod nicht mitzuarbeiten, fest. und lign ite die Schaffuijg einer religiijseu Front vrr. Anders spr^ci der Vorsilzenfle des polnischen Misråc ii. Rabbi S. Brpilt. In den Beziehungep des Misrachi zuj- Zionislischen Weltorganisation sei, so sagte er, eine revolutionåre Wcndung eingetreten. Die mehr als 20.00)jJ<inder, die in den Palåstina-Schulen de- Zionistischen Organisation erzogeh we den; wissen nichts von „Schema Jisrael". Auf den Feldern wird am Sabhath gearbi itet. Wenn’es so weiter geht, werden wir t ie weiigchendsttn Kon séquenzen ziehen und auch nicht yor dem Austritt aus der Zionistischen Organisation zuriickscheuen.-Zum SchluB sprach Rabbi Brodt von der Nolwendigkeit, djtil £Ict Misrachi sich d:n anderen refigiiisen Gruppen im Juder tum, so z. B. dér Agudah, nåhere. Nahum SokolJow, Prasident t|er Zi die. Erfiihrte nistischen Weltorbanisation . und der Jcwish Agency, wo inte der Eroffnting der sechsten Landeske nierenz de? po nischen Misrachi bei. Dal ei kam er auf mordung Ducas; u sprechen un aus: Wir hetrauerji den Hinganå eilies Staatsmannes, det stets eine tiefiTienschli- (ihe Beziehung zu uns gehabt hat Als ich Auf der! Landeskonferenz des politiipm vor einigen J ihren fragte, warum die Begierung nicht energischer gegea die Ju- Senhetze der Stuuentenschait eirschreite, erwiderte er: Wir bedauern tief dijese Hetze, aber was sollin wir machen? ja unsere Kinder, gegen die wir mit ubertfiebener Strenge[svenig ausricht;n werden. So oft ich in der Regierung s un werde, werde ich ajles fiir den Abbau denhasses tun. Als er jetzt wieder <Sin SHTartyrer . Achtzehn Monate hatte der ilte Knlisch gehofft, daB sich die-Unschulp seines Sohnés erweisen werde. Er war unfeåhligemal zii Gericht gelaufen, er hatte Gesucha lieiiti „Oberen Hof" in Briinn eingcreiCht, ja (togar ein Dutzend Bittbriefe jan den Kaisel geschrieben. Es half nichts: Nicht viel hhtfe gefehlt, dafi er selbst, der Melilliåitdlgr _Koli-sch wegen Beleidigung der Behiifile zur Rechenschaft gezogen worden wåre. Ein Gliick nur, daB seine Frau Betti (sit* fuhe in Frieden —• den Jammer nicht mehr erlehfe. Sie starb an dem Tag, da ihr lurige- David, „wegen heimtiickischer Erinordung des Dienstmådchens Franzka Sedlajc" zum Tode durch den Strang verurtcilf wurde. | Ijlamals war es in der Tempelgasse stil) geworden. Die Laden wurden (riihzeitig géschlossen, obwohl es Sommer war, und dBe Juden hielten sich in den Håusern, in de« engen muffigen Stuben, die zuineist auf! den Hof hinåusgingen. Die Tage gin- 'ei( drfickend. Kein jiidischer Håndler wagte den Wochenmarkt zu betreten. Der Topfer Siern blieb zu Hause, der Schuhmaclier Drucker hångte seine Waren an den TQrpfosten auf, und selbst die vielkopfige Familie Jellinek, deren Brannfweinschank mitten in der Tempelgasse lag, stahd nicht mehr drauBen vor ihren F3ssern. Denn in deren Nachbarschaft lag Jie Kirbhe des Ortes, von zwei hohen Linden tlagkiert, in deren Schatten die Marktbesuche|r nach Milfag schliefen: Die Bisenzer (ietnOsew eiber, die Kerzenverkåufer, die Kutscner. die Sclmittwarenhåndler, die Lehfc* ner und ten, und ser ren ti ten Tei: IV lavi -i Lrzahlung yon Oskar Rosenfeld. eltur, die Fipterknechte, die Taglbhundldie Schar halbwfichsiger Jungens Måtlchens, die sich an den SuBigkeiden Zuckerstangen und Honigkuchen aucg an Uem schmutzigen Gurkenwasliclil sattnaschen konnten. Der Markt oh le die Juden voriiber — die Wa- . urtlen aufgepac tt, die Fuhren roilten ii, Staub ilog auf, die Knechtc knallnit Uen Peitschen, wenn sie durch die rpelgasse fuhren, und die Betrunkenen griili IferiT noch lange dort, wo der schmale rusuge Tenlpel Stand, bis alles weggen war, die fremden Handler, die tw eiber und Taglohner, gegen Abend, die jiidischen Håuser schon die Nacht zoeen war mit beklemmeiuler. Stille, jebrocheneri Seufzern und leisen Gei. ' De alte Kolisch war in utr Stube gebliet en, als sie seinen Sohn David mitnahmen Er blieb da lange sitzen, wischte sich die rockenen geroteten Augenlider, und hinti r der messinggefaflten Brille blickte ein Jaar trostlos miider Augen rings um die iVånde, an denen auBer einigen Familic nbildern der „Misrach” hing, und in die M/igkel, wo alte Såcke, Kehrbesen, Ge- Ireidemuster und Papierfetzen herumlagen. Der >taub lag dicht iiberall auf Schrank u. Tisc i, niemand mehr kilmmerte sich um .'•ie Ordnung im Haus. \ Seiin Sohn David? Der schuclfterne, ewig grkibelnde junge, der so zårtlich und kindlichjmii Kindern und Hunden umging, seine Ajtersgenossen mied und kaum ein Wort |iber die Lippen brachte? Es ist wahr: im „Lernen1 war er nre eifri,; sen, Frbmmigkeit hatte er nie bi aber daB er es mitf den Måd.chen hielt u'elcher Irrsir Ve Let r iler irgendeiner Magil, -auch nur zu denkien! Irrsinn daB Gott Davids Geist verwirrt, xier Vater, gestinifigt hatte. Ihn den man urspriinglich zum stimmt hatte, hielt es nicht beii beim Studium; er hatte mehr Fri Herumfahrén von Markkzu Markt, Oetreide unit Mehl.zu handeln g;i man sich an jiidisdhen Schnyrren und sie ilann'zu Hause air. Sabb; abend vor dem T tmpeleingang w zåhlen konnte ... Der Geilanki-, Geist seines David gestort sei. war rade damals geko timen, als Ort in der Tempel;asse zusamme die Juden zu hediohen begann David Kolisch, wir es von Mund ging, Franzka erinordeMiabe. Die chung ging ihren Gang. Franzka Hof. des Mendelsc ten Hauses fast aufgefunden wordrn und an Davids hen und Kleidern klebte Blut, blut. Das hatte die Brunner chungsbehbrde erwiesen. Das måhrisch: Land war in Ei Was_ half es, daB Gelehrte und sogar einige Verfreter der Kirche 6 gegen die Blutliige sprachen! De hatte sich eingefj-essen. Davids blieb gegeniiber der Anschijh stumm, er gab nur ein irres ich getan” yon sich. An einem kalten September! noch bevor es Tag war, wlurile D den Hof des Kreisgerichtes get'Oh t. r lief i Milt schmalen Ende sund unterhalb det richteten Balkens rin Schemel. Dor des Juzur Renppe tfftt wieder epidemisch auf! Beuxen Si« rechtzeitig Krreifer jre Korper dnrcl di« Atmuni zen Sie d aUMpiilen >1 e n t h o h r a n de»h> ler AntleckaKf r. Die G rippe- ■fanffea in den den Mund und iffBwege. Beniitlb zum Mund- Gurgeln den ‘ i id I - F r a n 2 t w e i n ALPA den Sie in jjeringef Menge ‘ dem Wagner IbeiReben. Alpa desinfiziert i- Ansteckung wird varhindert. Berjuen Sie sich mit |hrem Arzte! t gieru:ig kam. wollte Duca scin Wort halten und verbot die getåhrliche antisemiti- $che. Organisation „Eiserne Garde". Er tiel als Opier des Kamptes iggen den radikalet] Antisemitismiis, ebenso wie der fruhefe Pråyident der phlnischen Republik Narulowicz als ein Opfpr’ijeS Slrebens nach mensclilichem FortschrHt und seiner menschlichcii Beziehung zu Jen Juden tiel. Ihr seht, riel Sokolow, daB nicht nur wir Juilen, sondern auch alle Nichtjiideij, die sich miserer annehnien,. in Gefaltr sind. Osterreich. Zu Jahresbeginn vfiuden ur Innsbruck von Hakenkreuzlern gegin einige jiidische Håuser Bomben geschleuderl. Mit ihrer ersten Januar-Nummer tritt die Wiener jiidische Wpchenschritt „Die Wahrheit”, die der- „U|mon (isterreichi- •scher Juden" nahcsleht,|in ihren'fiinfzigsten Jahrgang. - j j . Tt . \ . ■ i i ■ -■ Beim Ministerium des Rnern laufen seit einiger Zeit Berichtéein, daB in den jenscits der Donau gelegenen Orfschatten die Hakenkreuzlcr antisemitisclie Kundgebungen und Ausschreitungen gegen die jiil)ngarn. gewekundet, mit n. das lleicht, weil er. Mendel, er he- Bucli, ude am wo es b. wo 1 gdt/en tii-VoriedererdaB der ihm geganze und - weil .1 Mund Ifntersuwar im blutlos Schudchennlersu- Po regung. litiker, fentlich Wurm Mund digung Nichts hab’ (norgen, avid in Am aufgehin geleiteien ihn die Gesellen. David trug sonderbarerweise keine Stråflingskleider, sondern sein samstagiges Gewand. Aus iler Ferne klang ein zirptyides Glockengelåute, so frenld und verschitfomtnen wie dis Wimmern eijies Kindes. Alan packte^ihn. : griff nach seinem Schultern, riB an seiner Sfirn, um ihm die Kappe abzustreifen. Da geschah etwas Urierwartetes. Den Mund zum Sclirei gefofmt, starrhr David zuerst vor sich hin, dann hinauf zum Himmel. Ein Glanz kreiste demiitig uber die Qual der Augen. Er keuchte. Von Schaudern gerilttelt, fiihlie er, wie seine Lippen nach Wortcn rangen,'und wShrend er mit einer Kraft, die sonst Scineoi zarten Korper versagt war. die Kapp«; aaf den Kopi driickte. schrie er ringepd.; keuehend, sich kriimmend. mit. einer-'Stimmel in der alle Verstooktheit seines'jungen Lebens eingeschlossen war, in dpp Hof ihinaus: i„Sch'ma JisrloJl!" nechte blickten zuerst einander an, die anderén machten unverståpdlichc Beweg tingen,-und gleiph tdarauf, noch io der eiiisetzlichcn StiHé, knarrte etwas, der Balken zitterie, und die-Knechte traten znriick .; ' , wu D diese in ihren stumpe stert verlasse wendef- Ei Holzk IniBte. e Juden in Davids Gemeinde hatten rjlacht nicht geschlzitén. Sie hockten Stuben beisammen, béi Kerzenn und Dochtlicht, kalim daB gefiiirde. Mendel Kolisch hatte den Ørt n, niemand wuBte, wohin er sich inige Wochen spater gestand - ein cht den Mord. Wie er seine Tat ist nirgends verzeichnet. ne 1