Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XXXI (1931)
- Issue
- 48 (17.12.1931)
- Date
- 1931-12-17
- Page
- [Seite] (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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31. Dezember 1931. Jiitjisclic VoMi’sstinime Nr 50 tviteten.sich auch liir sit bessetv Tage vor. als. nach dun Tode det Kaiserin. ilir Sohn Josef j.-rliillt von .len Ideen iler Zeit, unbekuntmert um ilas historische Recht oiler " ilas ,1'nrvcht. ilas so gerne gegen eine (>es sere Stellung iler Jmlen ins Felil gefiihft wurde. iles Stimine iler Aufklarung. ilas heilit \ler \Tnuinlt unit Ikimanitat Gehor lieh und tuir die Sorge fiir die l.an- deswohlfahrt bei. Seinen EntschlieBungen w alteji lieB, Diese Hrwågungen loiteten ihn. als er das Toleranz-Pa teni tiir die protejstantischen Untertanen am 13. Oktober 1781, erlieB.. sie ivaren es, die sein Augenmerk auch aui die Juden riehteten, denen da* Toleranz-Edikt vom 2. Jånnet 1782 gespendet wurde. Der leitende Orundsatz dieses so wichtigen Dokumentes. wird in dessen nngang mit folgenden Worteit nusgefiihrt, aus denen iler gan7e Inhalt des Edikts ertaCt iverden kann und der < reist. iler. es ertiillt. ..Alle (•sterreichischen Unterlanen, ulfne l>nlcrseliied der Nation urd Religion, sohald »i« in den . otei 11 ", iii.seiieii Maateii .uitgi •:om - alen und geduldei s’ind. gi i'.i. I-■•i. an dem •tfentlielten W'oiiNt.iad. deti-d . landesinfstliilie Sorgtalt zu ieigi-!ki:t wiinsclie. geuKinsehaitliglieii Amu' ‘nn : gesetzmai’.ige liii'ihi it und s.! , au! jedetu elubarett Wege 7Ur lu ni I d'.iug iilr.s l'nterinltes u’.l W :gi*oi.‘.i u *g ,ie‘ allgemeinen Vmsigkeit ki'i I Hmdi u'N. iiu.iiDa mm mit dieser Absient ,1 tedieNation in sien •-stv: i eiehisen, u Stnati ii u!'-er!;aupt utid. utsl'i sonde; e ru VVa r und NieUer- > st,- r. :eil.!'i t;s'*teU le't (il si Ve U"d soge- ’tatnti •; Ju.ieuo; dmmgi u ni el:: dmeltaus zu v e 71 i' .i r i > ii ueii. '■ »o di ■■ d .'e;deii bie'ipt ge i lde f:Dus Ue::: i' d>, \scliii - ilenhe! del Zeit in’.I l'n’s'.n' u l'.o’ig m.aeke" Es uurdi bei.it' augetid’ri. dal,1, das Toleranz-Edikt durcitaus keine Autliebung aller Besehrankungeii bedeutete, tinter den ’die luden lebten. I til Gegenteilc. Die in deur Edikte ausgespioeltene AuschlieCung der luden von jedein Grundbesitze. gegen die <ie iWn bis tiet i:is Id. Jahrhumiert hinein zu kampten hattvti. wkdersprrcht den zu allen Zeiten von llerr Juden besessenen Rechtén. Anderscits werden sie nach § 10 des Patentes ermahnt: „Da sie in Beziehung aiit dhre Nahrungswege und den (ienuB der h.iusliehen Beipiemlichkiitt-;: an.li-ren frenidett Religionsvi-rwaniltii b e i " a Ile gleicllgi stellt J wurden. SO aueli zltr getiauen Beobachtung iHi-i politiseheit und gerichtlicheii l.andesgiSitze ailgell leSell/’ NirgVt’.ds filldét sidt ni di "i T di: ni/i.ltk:,- ein Wort, dal.’ ifie Ilt.lid . ::i .’jnatsda nsii,' ausgeschlossei: —s, ii - s ab, r aiis'n.-ki iivs angeiiilirt. das d;-e ■ Aumahn’e in .IN-sett ge'tat- -i':e In.led s-'llien. al s „Nebenitteltseiii; ' ei isiiiii und alle Aii'sD.iieitungeii gegi-l Sle leliiueileil llerdell- Der die Jll- ,i, : svhan.iejide l.eihzoll uurdi autgelt ben. V'i 1 de: AufentltaltsbeseItrankung der Juileil v. inde bereits gi-spiellen. Selbst jn Wien uurden 'te n.ur hi: < in Seiiutzgeld (Tohranzi z.igelas-ei; lune ••ttentficlle Svtagoge ti-.i si. in die-er Stadt tiiclit. Abe. de : i.idi-ehe 1 Adeligt n es gab solehe. Ji eiuiiilbe nu du Eauii'ie E-keleu.v.l Ai iMiiiii I ■-u;e .Midi ren liervorra getl.’-. lu i gesta: - b 1 -la-l: -’ent I .lod i ' u d ja 17sj. lim : I >4je-i* /•-.i t: : K! pst.,,k uti' der jiidisvhc II. i.' i; mal lii'e;;.;, li I I We-Selv III, Wi seil. s o-i d.-ni gliish zu ■ . di, iliu. ein. s E.,:;k;-.-s ,::e!,:ei :<>!' led:. rrhOitetl. k'nd :.l:l. uoiin i;e-gt lii 1 ■' iT.'ie B. JlUpr bi. i i \ktesjv I - kling: gairk- ( I. s- . Z, i:, d. L ia as l ■■ t11 i : ' \ Seite 2 des Al"k'g:. g 1 ■ Cv’k'tk' El’ e,-Le-, ilil :de Kai Se! ■d'-er Ist nrelit Ihka-tni. ii In.ifi.t. man batte den a. b- Jn’m k u.i imi:: g g »i é.iireti k--nu, n ai: n ti.dnaui^. v.elelie I : ieii’e: . le if/u ud.sjie' Ootii sflienstei. Eo.rde! I'nd jetzt libn-n uir v-m der Vergtiustigung. die ihueti das Edikt ii-u Es v.ar iltitvn.beu’illigt. lur ihre Kinder, ein.e e-gene, 'ii o r m a lmalJig eingerichteie. nul judisch.-n l.eltrern besetzte Sclmle. nul iltre Kosten zu errichten. Die hoben Solution zu besuchqn. uar iltrien erfaubt. Auch der Verfasser dimser ..Lebens :.:.tr;ii : s , zu. hal:-.:.. S,i;s Gemeinsame Kampagne von Jewish gencyf Hadassah und Kéren ayemeth in Amerika. Die Nationale Konferenx tritt am 17. Januai Nath einer Reihe von Konferenzen, an ilemfn representative Mitglieder der Zionistitschen Organisation Amerikas und prominente Nichtzionisten sowie das Mitglied dfcr Exekutive der jewish Agency Emanuel Neumann teilnahmen, wurde zwischon der Jewish Agency (Keren Hajessod) der Zionistischen Frauenorganisation Hadassah und der Leitung des Juliisehen Nationaltonds in Amerika ein in New York xutammen. Obereinkorimen getroffen dahingehend, dalJ diese ilrei Gruppen eine gemelnschaftliche Kampagne in den Vereinigten Staaten fiir die jiidische Arbeit in Pallstitta durchtiihren. Zur Durchfiihrung der Kampagne tritt am 17. Januar in New York die Nationale *Konferenz zusammen, in der der PrSsidént der Zionistischen Weltorganisation und der Jewish Agency, Nahum Sokolow, das Flauptreferat halten wird. Natium Sokolow auf dem Wege nadi den Vereinigten Staaten. ■ Norman Angell begleitet ihn. t m 1 laj Der organis, hum Si Reise ti treten. Koret! I lerr det Arh metttsm len V ■ftentlie Komntei Passfiel SO' des We elten erslt bestiege n No: el 1 i lå v ,lti r ln nach Hygien itn^l Sohn d galer S studieri i m Rot|e ilenen dann a Pråsident der Zionistischen Weltition und der Jewish Agency Naikolow hat am 22. Dezember eine ch den V'ereinigten Staaten angeilort den Werbefeldzug fiir den njessodzu leiten. Mit ihm reist rman Angell, fuhrendes Mitglied iterpartei und friiheres Parlatglied, der eine uichtige Rolle in thatKllungen spielte, die der Vertung des MacDonald-Briefes als iptar, bzu. Riehtigstellung des WeiBbuches vorausgingen. olow, Angell und der Pråsident tmisrachi Rabbi Meir Berlin, der aus Siidafrika in London eintraf, in Southampton den Dampfer „Majestic"J zur Reise nach New York. Dr. Nahum Goldmann, Berlin, begibt sich Ende Dezember ebenfalls nach den Vereinigten Staaten, um Sokolow in seiner Kampagne, zu .unterstiitzen. Vor seiner Abreise verbracltte Nahum Sokolow fpst einett ganzen Tag int Kolonialamt. uto er mit den verschiedenen zustandigen Beainten die Problettle dtiji Lage und der Entwicklung Palåstinas durch sprach. Wie schon.mitgeteilt, hat Sokolow in den letzten Tagen den Premierminister Ramsay MacDonqld, den Kolonienminister Cunliffe-Lister und den AuBenminister Sir John Simon, besucht und mit ihnen die Probleme Palåstinas erortert. Prof. Alfred Lewandovski gestorben. Berlin verstarb am 21. Dezember gerer Krankheit der hervorrageape ker Professor Alfred Lewandowsfci von 67 Jahren. Er war 1864 als s beriihmten Komponisten synagousik Louis Lewandowski geboren, in Berlin, arbeitete långere Zeit rt Koch-Institut und in verschieniversitåtskliniken und lieB sich Arzt fiir innere Krankheiten nieder. Er widntete sich in besonderer Weise der Hygiene des Kindes und der Jugendfiirsorge, so daB ihm bei der medizinischen Fakultåt der Berliner Universitåt ein Lehrauftrag fiir soziale Hygiene und år2tliche Jugendfiirsorge iibertragen worden war. Seine Schsvester Martha wurde die Gattin des groBen Philosophen und Ethikerjs des Jiiilentums Hermann Colten. und Ri zierungsgeschichti- Josets II." (II. Bd. S. (163) giht zu. itaB sie aus dem allgemeini n „Du'dungssysteme" ausge- ^chKissi n waren, aber es séi iloch auf Jo- Sfls GeieiB seitr viel getan uorden, „sie durch IVrbessi-rung ihrer biirgerlichen Zuståm e. ihrer Bildung und Sitten, zu einer ei istigen vollkommenen Emattzipac tiim vi irzubereiten". I)eir Protestanten uurden Bethauser erbant. den Juden wurden die iura civitatis gewåhrt und durch Schuihi ilung, durch Aufklårttng soilten sie r,uf etui Kline gen g.ii Am ■VI. el! bitten, gnngig («at:g In; (ieg -s., gebo sclt kl U ,1 nn- I"' ' I’ Lir ■ cll hi'here Stille erhoben werden. iden- und Protestantenverfolgunes melir in Gsterreich. 27. Jånr.er 1782 reiste Papst Pilts r.aeh Wien. um den Kaisdr zu seine kircltliclten Reformen Biick- :u tnachen. Dieser uijigekehrte tacli Canossa . var vcrgeltlich: nteil. die Reformen des Kaisers, es sein autoritatives W,esen. ^olH vil durcIlgelTiltrt werden. Audi, iii.iischer. Schulen betrifft. ,is| es ilich wahr, pas die Gegnyr [iler oiihaupteteit. ilinB die Juden fiirjdiej .tt/uHitii-n tti-ch nicltt -vil waren? Fast ri *. als Josef lien Juden den Weg m V:4.lvr (cl - r Glietioschule ) zur Nor-? weise't v.bllte. Nicltt bei iler. .-iti-ten Masse iler so Besdtenkten nid er U'tirdigung, Sondern bei den Jiin-; Mi. dclssolips, unil tinter iliesen ,trat lian,vig Wessely besomlers livrvor. Er, igsb. 1715 in Hamburg), bekan’nt als hel)- låis^'her )ichter-, sein Gedicht die „Mo-1 seide" s ang er Klopstocks „Messiade” nach >— jnd Lehrer, trat als begeisterter Vorkåmplfr fiir die Verwirklichung der Idet des (aisers, den Juden eine Norinalschule zu geben, in der sie neben dem Hebråisclun auch Deutsch lernen sollten. Zur Bahn for (De Stadt and ifberland, fiber die Greaie, mieten Sie billigst elegante Autos bei AUTOTAXI FUKAt mm« T*l«fOfinwiNM«rii 13.587, 13.588 Kinilti: Grand Hotel Auch bei ésitzigeo Wagen Klein« wagentaxe. 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Er hatte ein Semlsdireiben an dje jiidischen Gemeinilen Osterreichs „N^orte dér Wahrheit und des Friedens" gerichtet, legte den „Frommen", die sich der kaiserliclten Schulrefortn wieilersetzen uollten, die Bedeittung des Jugendunterrielites und iler allgemeinen Bildung vom Standpunkte des Talmud vor, iler fiir sie alleih luaBgehernl war. Es gebrauchte auel eini ge ihni sehr veriibelte talmudische Kraftwiirtclien. Die Gegner wollten von iler „Berliner Religion" nichts wissen, verketzerten iliit so, wie Menilelssohn. In Lissa, das damals nocll zu GroBpolen gehiirte, vvurden Wesselys Sendscltreiben, nebst seinen anderen Biichern veri) annt. So Hatte das Toleratlz-E-.likt Jospfs das erri'gt, nas man spåter Kulturkariipf bcnannte. Wessely selbst, durchatiis keine Kampfeller eine sehwarmerischij Dichternatur, suehte in 3 weitereri Seni|s :(ireil)t-n seine Gegner milde zii wiilérlegen, tei'te die zustimme ndeiji ErklSrungeii mit, die er aus Triest, Venedég unt| anderen Gemeinilen erhalte i hajte und miihte sich redlich, jeden feinjlserigen AnlaK' zj.beseitigen. f)ie Judettj iiberzeugten sich bald, daB die Regierung, es hei der Ausfij lrung des Toleranz-Ediktes gjut mit ihnén meine. Und bald entstandeit, durch die Opferfreudigkeit reicher Glaubensgenossei unterstiitzt, einzelne Lehranstalten, v elche die neue ErziehungsgrUndsåtze ’ zu - Anwendung brachfen, junge Leute im Geiste des Judentums heranbildeten, die si :h als niitzlichc Menschen im Leben $)ewåhrten. — Wir kiinhen es bezeugen, die jiidische Normalschule war eine treflliche Unterrichtsanstalt. Alles jiidische Wissen, das wir uns erwarben, spåter erweiterfen und vertieften, wprde uns, neben allgemeinen Kenntnissen,- von strengen, wohlwollenden, an Kenntnissen im hcbråischen Schrifttum réichen Lehrern dort heigebracht. Dafi iliese Schulen jemals ihre Schiiler vom Judentum abgelenkt und „assiinilatorisch” (kein schones Wort) gewirkt håttén, ist eine Unwahrheit, verbreitet von l.eutcn. die diese Schulen fiicht kennen. — | WesseK-j, iler mutige Vorkatnpfcr fur die jiidischi:1 Sclmle im Sinne des Toleranz-Ediktejs, starb 80 Jahre alt, 1805 irt Hamburg, pr hatte ilas Gliick zu sehenj daB seine Hemiihungen nicht fruchtlos gewesen. Wiej \Venn am ilunkeln iistlichen Himmel ein! lichter Streifenden j'ungen Tag verkiimjlet, so ineldet in schiichterner Weise das Toleranz-Edikt aucli fur die Juden bessejre £eHen an. Es gcfållt sich die Gl■schiclkt(l, in Gegensåtzen. Ein ster- Itciider’KaisL'r, der sein ganzes. Reformwerk zusamntenstiirzen sielit, auf der einen unil auf iler landeren Seite die Revolution, die auf den Triimniern der alten Wclt eine neue aufbaut. „Alles fiir das Volk, nichts durch das Volk", war die Devise des aufgeklårten Despotismus. Die Revolution verlangte alles durch das Volk fiir das Volk. Unil sfe siegte. Diesem gcwaltigen Umsturz veitdanken aucli die Juden ihre Gleichstbllurtg.mit den anderen Viilkern. Was spater! zur Tat wurde, låBt uns da: Toleranz-Edikt gleichsam ahnen. Geden ken wir seiner an seinem 150. Geburts tage. ‘ .-