Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XXXI (1931)
- Issue
- 48 (17.12.1931)
- Date
- 1931-12-17
- Page
- [Seite] (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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Jtkiische Volksstimme Nr. 50. ber iiberwiegendz Teil der Bevolkerung leru 51.300 Juden tinter elner C 60.000 luden in Jerusalem u Tausend Juden sck 193«. Die offiziellen Ziffern der letzten palistincnsischen Votkszahlung betreffend Jerusalem sind noch nicht bekanntgegeben worden. Aus zuverlåssiger Quelle wird der Jiidischen Telegraphen-Agentur fiber das Ergebnis der Volkszahlung in Jerusalem folgendes mitgeteilt: Die Gesanrtbevfilkerung der Sladt Jerusalem macht 901526 Seelcn aus; davon sind 51.300 Juden, 19.850 Moslems und rund 19.00 Christen. Der Zuwachs der jiidischen Bevblkerung gegenilber der Volkszahlung im Jahre 1922 betrifft rund- 17.500 Seelcn, der Zuwachs der Moslem-BevBIkerung seit 1922 betragt 6.500, tler der christlichen Bevolkerung etwas weniger als 4.500 Seelen. Die christliche Bevolkerung, die 1922 mit 14.699 Seelcn an zweiter Stelle rangierte (Moslems gab e$ damals 13.413), ist jetzt an die dritte Stelle geriickt. Die jiidische Be vtilkerfing Jerusaleins ist um 12.450 Seelen groljer als Moslems und Christen zusammengenommen. Int Jahre 1922 betrug die absolute Majorit.il iler Juden nur 5.85'.' Seelen. Die tiesamtziffer der Jikliscl.eir Bevi1>|kérung Jerusaleins schlieBt nicht einige Siaijtvicrtcl ein, die der Jerusalemer Stadt. géinbimle nicht unterstelten. Unter liin- -CliUiB der Bevolkerung dieser tieueit Sj.nltviertel erlidht sich die Zaltl der Je- ,Jsa|euier Juden auf rund (iO.OOO. i Obgleiclt die Juden in Jerusalem die itbciu'iegende .Mehrlieit der Bevolkerung Seite 3 talenu ist |Qdi tsamtbew&lkeriing von 90,116. 9 ud tlmgebung. - Zuwadii von 1« bilden, haben sie bis jetzt daraufl verzich tet, einen Børgermeister aus ihrer; Mitte zu wåhlen; der jetzige Bfirgermeister von Jerusalem ist der Moslem Ragheb Uey Nashasltibi. Als Nashashibi nach der Paiastina-Unruhen itn Herbst 1929 mit einer palastinensischen Araberdelegation i ach London fuhr, um iiber die Unruh 1 zu vertreten, g, Bevolkerung Nashashibi kui tageszeitung Nashashibi hat erteilt, die die Er wird nicht rusalem werdet hashibis wahrep. Jerusalem, wn der jiidische Solonton, sondt) germeister Jao lort die n gegeniiber der 4b sich unter der ei ic starke Empt">ru|v rid; die htbraische Alle Kulte werden ventioniert, nur In der Sitzung der rilmånisclien Kamiller vom 18. Dezetnber brachte Abg. Dr. Samuel Singer namens des Jfidiscl en Klubs eine Interpellation ein, in der die F egterung befragt wird, warum die gesetzlithe Subvention tur den jiidischen Kultus ri Runianien noch immer nicht ausgezah t wurtle, arabisclu Dawar" schrieb e den Jiden ein£ se nicht vergesset v’jcder Bf rgermeis Mit der Vertretjr id seinerj Abwese de, wiejerinnerli; Vizebiirgertneiste rn der christliche Faradj betraut. <b 31. Dezetnber 1931. Version i ler Juden iidischen g gegen Arbeiterdamals, Lektion werden. er v. Jeng Nasiheit von h, nicht Chaim VizeburwSltrend alle iibrigeit Kttltc die stehemlen Subventionen bereits liaben. Abg. Dr. Singer tnachie darauf ouftnerksam. dal) der jiidische Subvention fiir das laufe.tde Jah lig verlieren wiirde, weim sie n i:t diesem Monat auSgezalili wert ihnen?u erhalten Kult die endgfilcltt noch en sollte i in Rumanien ftubdie jiidischen nicht. -■ Manfred Reifer den Unterrichtsminister wegen der geplanten SchlieBung der staatlichen Mittelschulen mit jiidischen Charakter in Kischineff und in( Czernowitz, sowie vieler anderer Minoritatkschuleii. Er \Varnte die Regierung vod Sparma|Bnahtneii durcli Retluktion des jSchulsystems um| venvitjs aut die llaltung tles tsc techoslo-| waki.-.i'heii Siaatsprasklfiileii Ma>aryk. de( ulit der Parole „liaride weg von iler Schiller jetles Attentat aut t!las Bildm gsniveau tler Bevolkerung abgeufchrt liaht, Hs gabe viele jiidische (leim-imlen, die auch fiir ilas Jahr 1931) keine S ibventioii erhalten hatten. In ilerselben Sitzung iler K; miner mtcrpellierte der jiidische Abgeor|Jnete Dr, Vereinigung Poale Zion-Hitachduth in Osterreidi vollzogen. .1 Der organisatorische ZusatrimenschluB a ir pa,rtei Poale Zion und der zionistischen Arbeitspartei Hitachduth (Hapoel Hazair) in Osterreich ist sæben vollzogen worden. Die vereinigte Partei fiihrt den Namen. „Zjionistisch-Sozialistis|che Arbeiterorganisalion Poale Zion-Hitachduth". In der Vereinigungskonferenz wurde beschlossen: 1. die vereinigte Partei tritt fur die sofortige Schaffung. eines zionistischen Territorialverbandes ein, dejr alle zionistischen. Gruppen Osterreichs IzusammenschlieBt, wobej fur såmtliche Fragen der zionistische KongreB und dessen Organe zustdndig sind. Die Beschliisse aut dem Delegiertentag des Territorial verblandes werden mit, einfacher Mehrheit gefaBt. Der Territorialverband wShlt in jedem jahre eine Leitung fiir sich und før die zionistischen Institutionen. Z Die vereinigte Organisation schafft sich ein umfassendes jiidisches Kulturprograinm mit EinschluB einer hebraischen Erziehungsarbeit. 3.1 Auf dem Boden der allgemeincn Landespolitik wird die vereinigte Organisation im Prinzipe die fisterreichische Sozialdemokrati« unter ’støtzen. 4. Die vereinigte Organisation wirkt fiir den Beitrift ihrer Mitgljeder zur freien Gewerkschaft und zur dslerreichi schen Sozialdemokratie; ein Beitriftszwang besteht aber nicht. 5. Die vereinig le Organisation stellt sich u. a. folgendt Aufgaben: Wahrung der wirtschaftlid len und kulturellen Interessen der arbeitetden judischen Massen durch ihre Mitglieder und Vertreter in verschiedenen Institutionen, sowie durch den EinfluB ihrer M tglieder in der Sozialdemokratischen Partei; ferner tatkrSftigstes Eintreten fiir den Zi mismus und das arbeitende Erez Israel. 6. Die offizielle Kundgebung der Vereinigur g findet Ende Januar 1932 statt. j Jildlschor We/t&pie gel dss SenatorDinerman Mitglied sten Pates fiir Arbeitsfragen. Der Senater und Direktør ejer Banca W. Di nerman, einer der hervorra Wirtsi haftskenner Rumaniens, w Mitglipd des Obersten Rpmanisch fiir Aibeitsfragen ernaijnt. Senato|r man nimmt auch an dtjn Kampfe minis;hcn judentums um Waltrui staats aiirgcrlichen und jwirtschaftl teresstn lebhaften Anttjil und ist ziigiger Ftirderer verscjhiedener Institi tionen bekannt. Oberjiitlischti Moltlova 'cntlsten zum n Rates Dinerdes rug sciner chen IngroBjiidischer i rde KMcr>, Damenand Hcnnlodt, V ’irk-, W du«, Ko txm o. yrholtnolef. Alfred Dmcker B| R Q N N, NEUGASSE 39 Ihre neue EiitkaufsqucN^. Antisemitischer Rohettaakt in KSoigsberg. Zwei Nationalsozialisten iibertielen in de Dunkelheit in einer StraBe in K6nigsbitg — wie die „C. V.-Zeitung” mit- —^wnen jiid und verSMzten ihm mit einem gefahrlicheti Gegenstand, wahrschcinlich einem TotschUger, einen schweren Hieb auf den Kopf. Der Oberfallene erhielt eine stark blutende Wunde und muBte sich in årztliche Behandjung begeben. Die Tater konnten zwarentkommen, jedoch ist der eine als Nationalsozialisf erkannt worden, dem der junge Mensen als Jude bekannt war. Gegen ihn tst-^Strafantrag wegen Kfirperverletzung gestellt worden. Sabbath - Schulzwang in der TOricei aufgehoben. Die vor einigen Tagen erschienene Regierungsverordnung, wonach die Minderhcitenschulen und so auch die jiidischen Schulen in der Turkei nur am Freitag, dem niohammedanischen Wochenfeiertag, frei haben,-aber an Sabbattagen und Sonntagen normalen Unterricht habeti miissen, hat besondérs”unter den Juden Bestiirzung hervorgerufenl IJJunmehr erkiart der Unterrichtsminister, daB er die Verordnung, tjje ohne sem Wissen ausgegeben wurde, aufhebt. Die Palåstina-Regierung will Boden vom Keren Kajemeth in Pacht nehmen. Wie die Jiidische Telegraphen-Agentur erfahrt, gedenkt die Palastina-Regieruug in tliesen Tagen an die Leitung des |iitliseheti Natiiinalfotnls in Jerusalem mit Uem Ersuchétt heranzutrcten, ihr eine Flache von 5000 DttnaiB des Wntli (.(avarith-Bodéns in PaclH-ett gelien. Fs hamlt-it sich um jetten Teil tltfs W.itli H.iv.trith-Btelins, den ardbische Beduinen vor einigen Tåen widerrechtlich besetzt Haben, nachi!em sie die iiidikchen Kolonisten, tfie mit lem I’iliigen tiis Rodens bcschaftigt waren, von ilemsellien vettrieben hatten. Die Regierung beahsichtigt. die Beduinen, die sich des Bodens hemachtigt haben, provisorisch fiir zwei Jahre auf diesem Boden anzusiedeln. Chibath-Zion-Feier auch in Wien. Einer Festversammlung. iisterreichischer Zionisten anl.lBlich des SOjåhrigcjt JubilSunis der Chibath Zion-Bewegung und des 30jahrigen Bestthens des Jiidischen Nationalfonds wohnten zahlreiche Veteranen des vorherzt’schen Zionismus bei. Die osterreichischen Zionisten planen, dieses Doppeljubii&um’ durch ein besonderes zionisiisches V/erk in Pal&stina zu verewigen, insbesondere durch eine aut eine breite Grundlage gestellte Aktion fiir die vom Nationalfonds in PaUstina geplantc Errichtung einer Chibath Zion-Kolonie. Ein dsterreichisciier Richter will „Den Joden alles wegnehmen”. Bezirksrichter Dr. Teisser in Radstadf (Nieder- Osterreich) erklirte in einer Wiener njrt«©- nalsozialistischen Vesammlung: „Den Juden muB man alles nehmen, nur die Låuse soli man ihnen lassen!” Gegen diese Redeexzesse eines Staatsbeamten und Richters wandte sich die Union osterreichischer Juden in einer dem Bundeskanzlef^- Dr. Buresch Qbergebenen Beschwerdeschrift. In Wien wurde vor einigen Tagen massenweise eine Flugschrift verbreitet, Rabbinisdie Urteile. Von Bernhard Rippel (Czernowitz). I. Der Erde Antwort. Zwei Sbhne Israels hatten in einem Dorte angrenzende Grundstiicke, nur durch einen Rain abgeteilt. Wegen dieses Grenzstreifens waren die Nachbarn bestSndig mit einander in gerichtlichen Prozesseti. Endlich wurden sie durch Glaubensgenossen veranlaBt, ihrem ewigen Streite durch einen Schiedsspruch des Rabbi ein Ende zu machen, und beide Parteien hatten sich demgemSB vor dem Gelehrten eingefunden. — Aus den leidenschaftlichen Ausfflhrungen der St(eitteile gewann aber der Rabbi den Eindruck, daB hier durch einen Schiedsspruch nichts erreicht werden wird, und erklSrte daher, trotz ihrer Aussagen, pesonlich an Ort und Stelle das Streitobjekt besichtigen zu wollen. Als die Parteien sich auclf damit einverstanden erkiart, waren naci einer Weile bald alle auf dem Feide, beim strittigen Rain versammelt. Der Celehrte versuchte noch zum letzten Male einen Vergleich zustande zu bringen, und als dieser Versuch fehlgeschlagen, we I beide Streitteile unentwegt behaupteten, tjafl der Grenzstreifen jedem von ihnen gehbre, erkiarte der Rabbi im enlschlosscntn Tone: „Nachdem ihr nun beide gesproclien, muB ich auch noch die Erde selbst ei tvernehmen.’* Er liefl sich feierlich auf tie Erde nieder, richtete an sie im erhobenen Tone die Frage, wem sie gehfire und legte das Ohr zum Grase an den Rain, lausohte, und erhob sich nach einer Weile. — „Nun weiB ich schon alles”, sprach der Rabbi. „Die Erde antwortete nir ganz deutlich: Nicht dir géhfirt sie, und auch dir nicht, sondern ihr beide gehOrt der Erde. Sie ist wie eine Mutter iiber curen Zwist sehr gekrSnkt und das Hérz saust in hrem tnnern vor Schmerz. Jeder vpn Euch rann es vernehnten, wenn er mitj seinem Dhre an den Rain lauscht, wie icht” Der Ernst und Pathos, mit /welchem ter Rabbi diese Bemerkung zum Ausdrukte gebracht, machten auf die G egner eiten tiefen Eindruck, was auch dem Weisen nichtentgangen ist. Derselbe fuhr daher lort: „Wenn ihr beide gar der Ipde ge- 1 idret, so håbet ihr keinerlei Anspruch auf den Grenzstreifen. Ihr mQsset mirlangelopen, von weiteren Prozessen Abatand zu itehmen und euch gegenseitig bruderliche f tilte und Beistand zu teisten.” —n Tiet gerfihrt fielen sich nun beide (iegner in die Arme und seither var jeder 2 wist aus ihrer Mitte verbannt IL Eine wahre BegebenheiL Ein armer Jude kam zum Rabbi Mejer nach Przemyslani und klagte demtselben: er håbe drei Tochter zu versorgén, und besitze keinen Kreuzer. Der Fromme schenjkte ihm fiinf Guiden und ertejlte ihm den Rat, nach Czernowitz zu reisejt, werde ihjn hier Gott helten. — Der Mann versteckte das Qddgescherk als Talisman und wanderte zu FuB, bis er nach Czernowitz gelangtc. Hier schritt er neugierig vor dep Geschaftsladen und blic,kte jedesmal lin das Inner: dersetben, als oh er etwas;kaufen wollt:. So gelangte er vor den Laden des reich tn, aber auch trommen Kauftfiannes Schu im S., dessen Schwiegersohri iibermiiti(;erweise sich iiber das Gebahren des arme i Marines lustig machte. Und als iferselbe noch bemerkte, daB in diesem gro- Ben i jeschåfte nichts fur ihn zu haben sei, schleg ihm der junge Kaufmann vor, er mi)g< bei ihm sein „Aulam haba" abkaufei). Der Arme waf damit sofort einverstancen und erlegte ihm seine letzten fiinf Gtildtn, worauf der Kaufmann ihm eine fbfml iche Bescheinigung aushandigte, dafi er is« in „Aulam haba" verkauft håbe. — Dzls jeschaft war abgeschlossen und beide|T tile gingen befriedigt auseinander. — I Sach einer Weile verriet der junge Kajufnann seinem trommen Schwiegervater, daB er heute von einem dummen Kerl fiinf Guiden fiir nichts und wieder nichts erhalten håbe, und daB es sich um sein Aulam haba handle. Der Alte gertet auBer sich vor Entsetzen. Er lieB sofott den K3ufer suchen und als sich dieser v»r dem Alten befand, schlug ihm derselbe vor, den Kauf riickgangig zu machen, wobei er sich bereit erklårte den vierfachen Betrag des Kaufpreises zuriickzuzahlen. Der arme Mann wollte aber i lavon nichts wissen. Auf Drangen des Alte n iriachte er schlieBlich den Vorschlag, d le Entscheidung dem Rabbi aus Sadagora zu ftberlassen. — Einverstanden! i Vor dem Rabbi In SaUagora auBerte jeder Seinen Standpu ikt, wobei der Arme die Anzahl seiner erw achsenen Tbchter i'ns TrÆen fiihrte. Als der Rabbi hokte, daB es sich um drei Tbrhter handle, lautete seine Entscheidung: >er reiChe Kaufmann håbe seinem Gegner die Mitgift fiir drei T6chter, d. i., drei mal Hundertfuafzig Guiden zu bezahlen, worauf der Kauf als riickgangig zu b^trat hten sei. — * Der Kaufmann erfullte den Schiedsspruch des Weisen, und der Arme hatte nunmehr die Mitgift fur seine drei Tiitjhter, wahrend der Ohermut des jungen Sctwiegersohnes in die ISchranken gewiesen wurde. _