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Jüdische Volksstimme · 1921-03-24 · 10 (24.3.1921) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XXII (1921)
Issue
10 (24.3.1921)
Date
1921-03-24
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Sete t. Z i Utidern wlrtschaftlich und .ozial normal titdiichen Volkikorper au: moglichst zf Siediungsgebieten zu verwi klichen. Nua selbstverståndlich keine kl ine Auf gabe, solche. die in auch nur refc tiv kurzer werden kano. Ex ist das g;nz im Oegen tigkeit fLir eine relativ fer le Zukunft, eniger muB sie jetzt scho it in Angriff werden, soli sie iiberhaupt von Erfolg b :g ES tragt sidt-nun,’aui welehem V e Ziel zu erreichen ser und a elche Vor: u fiir deren Qangbarkeit bestihen, Es seipn Wege.genannt. die aber ui tereinander i bunden sind, daB kaum citer alleirrfii bar ist: 1. Die BefreluRg der iikischen Psych^ rtmg der iiidiSihen Wirtscl aftpgychc. 2. Die Berufsumschicht ng. 3. Die zentrale Regelut g der judi Jerung. 1. Die jiidische Psyche ind Jbre En Zu diescm Pmkte, den vielbesprot fre-r nur BelUufjges gesagt and das d< si man den darin : eingeschlos enen Aufgsbi Jiirc'h Bescblussje noch dun h MaBnahnn v erden kann —I und hier h mdelt es sic i r.entlichen darum, auf MaB lahmen hin 2i treffen sind.; Es sei also; nur so vie gesagt: Es im ersten Teile. des Aufsat :es darauf n orden, wie séhr der Oali thjude in bewuflt oder unbewuBt eing iengt ist, s e 1 b s t sein kann. Jette so lang w schrinkung der, iudischen 1 .ebenåuBer uuch auf den als frei gedazhten Jnder Rinflufl gebbeben. Es hat siet tatsåchlicf Typus „Galutjuae" enfwicke It, dessen durch charaktezislert trschi int, daB s< impulse und elementåren _ebensiuBet|u Teile ins Path^logische ver:errt sind. aber nichts an i der Tatsach:, daB i Orunde auch des Galutiude i * urter Hitlie seiner gegcnwårtigen E atartung u/Spriingliche^ Lebenssubstai z befinde!, tegen seine Verschttttung sic ti [im Unbe v E:nzelnen) wehrt und den Såhrboden wUchsigen Gemeinscha/t zu seiner Enti; Bewåhrung ersihnt. Es ginfigt natijrlich solche, oJfr flhnliche, ins fpeziellc w Erketmtoisse. weiteren itidisc ten Kreise , gen. denn die Erkentvtnis all :in macht und so lange der naturliche Boden fur rung des elementåren Mensel entums im g egeben ist, sind alle auf d issen Errit lenden Versucfoe notwendige weise e Unter den neuen Einwai ideram. JOMsen VOUCStTUME" gegliederten schlossenen ist das aber auch keine it bewåltigt eil eine Tånichtsdestogenommen lettet sein. ge dieses ssetzungen bier drei sehr versich gangtmd Åndes:hf n Wanlerung. henen, sei halb, weil en weder en gerecht ja im Wtweisen, die Sri wie u tg war schon hingewiesen inem Leben et nie e r hremle Einist nun nicht ohne ein elgener Wesen" dainc Lebénsngen znm Das åndert riendwo am [er diebten jener Herd der sich uBten des tiner natur-, achung und nicht, litergefuhrte nahezule- :s nicht ans die Bewåh- Juden nicht gung abzierlofok*. Andererseits wåie n fdricht. zu eruarten, daB duicbj eine Ånderung der SuBeren Struktur des jildiscliein Volkskorpérs in der Qalut allein die jiidische Qalutpsyche besiegt werden konnte. Es muB eben beides Hånd in Hånd gehen: Die Anderung der SuBeren Struktur und die Erweckung des verschiitteten Elcmentarmenschen im Jaden. t Das (U-ird insbesondere klar, n'tnit. svir uns der' iudischen Wirtschaftspsyche zuwcnden. Die seelische Bedingtheit der Einstellung zur Wirtschait ist 'erst kurzlich zur wiskénschaftlichen Etkenntuis geworden und dip dåruber handehtde Wissenschaft, die Wirtschaftspsychologie. begegnet cist seit jiingster Zeit gesteigertem Interesse in den Kreisen der Psychologen chenso sehr, wie der Soziologen. Nichtsdestoweniger kennt sie der Volksmuijd schon langst, der Leute flir bestinimte Beruic ,geboren"'sein låBt. Und. der Jude ist im Volksmund eben der „geborene" Handler und, wie svir sehen werden, nicht mit Unrecht. Suclien wir nach einem Symptom, das unsifber die jiid. Wirtschadtspsyche Auiklårung geben konnte, dann wendet sich unser Blick zuerst den in produktiven Berufen' tiitigen. Juden zu. Was , finden wir nun dort? Entweder Leute. die fiir den Handel zu wenig begabt oder geschickt befunden wurden und die nun recht und schlecht minderqualiiizierte gewerbliche Arbeit versehen; oder auf der anderem Seite: jeder Schneider — ein „KonfektionSr", feder Schuster — ein „Qalanterleschuliwarenerzeuger*‘, ieder Schlosscr — lnhaber einer .jnechanischen : Werkstatte" oder Alteisenhåndler ussv. (Ausnahmen | beståtigen die Regel.J Bei den spfirh'ch gesåten iiidischen Bauern ist es nicht viel anders: sie sind „Okonomen“ und haben so nebenher noch einen Schank oder Laden. Das gibt zu denken. kann nicht Zufall seln! Bei der Bekåmptung der iildischen Wirtschaitspsyche kann man sich auf Gegebenes, wenn auch Znriickgedrångtes. niebt stBtzen. Es gilt, sie neu zuschafien! Hier erwaebst der Ittdlschea Sebule, der organisierten Propaganda und der iudischen Jugend eine Aufgabe.*) Wie diese neue iikdische Wirtschaitspsyche beschaffen sein soli, das kann von’ vornberein nicht festgelegt werden. Hingewieten sei aber aui den Ruf, der an die Judenscbaft aus Palåstina ergeht: „Selbstarbeh!" K , Die neue judische Wirtschaftspsyche wird selbstverståndlich ebensowenig ohne die geånderte Wirt- Nr. 10 schiitsstruktur derj ludenschalt xcrwirklicW werden kbnncn, wie die ni uc judische Wirtschaftsstruktur ohne die wrrtschaf Judenscbaft 2. Die spsychologische BeeinfiuBung der Berulsumscblcbtung. Die Votraussctzing, welche es moglich macht, an eine groBzugige E eruisumschichtung innerhalb der Judenschaft im ge: :enwårtigen Zeitpunkte iiberhaupt nur zh denken, ist lie bereits besprochene Unhaltbar-. keit der iudischen Wirt9chaltspositionen aui. lange Dauer. Diese Erket ntnis ergijbt sich nicht kritiseb-objektiven Beobachter, sondern udi I Im Hafen zu Jaffa. Die btraBe, die fahrt, ist voller Lente. die gkdrångt Aus- und Einwanderer zu bejrachtett. E ant ihre Bekanhten oder Verivandten _ dere aus dem eit^igen Orum, weil sie Beim Pfiff der Schitfspfeife .teigen sie hinab, rnn Augenzeugen davt n zu sein Zahl der Juden in E. J. sich 1 ergroBert. befmden sich auch eingewan lerte jungi erst vor 1, 2 Wøchen mit d :n letzten gekommen und noch nicht; ur Arbeii sind, und auch: solche. die sc)ion zurOcl die versuchten, zu arbeiten, fdenen beit nicht zusagte. DUster, vergiftet verzweifelt schauen sie auf ihre neu ai Preunde, die das Ufer betretep, mit eim dewBedanerns.. — Das Schifl kam voi brachte 330 fiidische SeeTen, janter ihm i hizim. Die Bewegung ist sehr grbS. Die los! sie kann nicht unter der Kenge tea. Die „Zofim". die sich fri iwillig mi nen sich emen Weg durch das [fodringe. Hafentor tritt erae X^hatazgiliij pe. Alles entgegen — Schalom I — Scnalom! — i — Ist niemand aus Kownc gekommi Vielleicht ht iemand aus OSwiecim rekommen? — Befindet sich nicht aui diesem Rosenbhith, ein Blonder? zum Hafen en, um die nige kamen, sehen, an- Zeit hatten, zum Hafen t wenn die Unter ihnen Leute, die Transporten eingereiht Itwandern — aber die Årzur Hilfte n^ekommenen Ausdruck Triest und n 210 Chatn Pc li On li Die Unrahe steigert sich. Antwort — Abermals Stinet si Æ das ei: tor; eine nette Otappe vifo Elnpra^ beraos: JSchomrlmT lizei ist rat- [nmg erhallejldeten, bah- Aus dem hsbett ihnen HAalomt ' i? in Oalizien Schiffe etn *) Erwin Kohn veroffentlicht im Heft 10 des „Juden" emen Aufsatz: „Entwurf zu ciner Arbeitsgemeinschaft fur wissenschaftliche Wlrtschaftserziehung"; siehe auch desselben Verfassers ’ Aufsatz: „Zum Problem der Produktivierung". ,(„Der Jude1 V. Jahrg., Heft 1.) nur dem erschlieBt sich intuitiv vieliae i selbst beteiligten iiidischen Kreisen, etwa solehen, die die Beruiswahl fiir ihre schulcntwacliscncn Kinder zu treffen, sich genotigt se hep. Man beobadittt vielfach dip Einstellung -von jihli scii.-n JugetidlicBen seitens Jhrer Eltern, in solche Berule, gegen die Iruher gewissermaBen eine Scheu obwaltete. Es besagt viel, dajB jiidische Elterh, wenn auch noch sporadisch, so docl| in weit reieberem Ausmalie als iruher, ihre Kinder „sogar" in die Klasse proletarvscher Arbeiter „hinal|steigen“ lassen. Nun ist aber unsere Sache duroli dasi mphr oder minder vercinzthe Ergreiien produktivir Beruie seitens jiidisclier Jugendlicher nicht geijient: Es wird sleb bald auch gegen preduktlv-beruflli :h titlge einzelne Juden eine Abwchrtendenz seitens der Andersaationalen bemerkbar macheo, welche;es unmoglick machen wird, daB der produktlv-tåtljjte Jude zur Massenerschelnung werde, andererseits sind die Oefahren, die von der gegenwfirtigen iildischen Wirtschaftspsyche herrlihren, bei einer solchenl individuel! fortschreitenden Produktivierung nicht zu iibersehen. Und last not least muB man damit rechnen, daB die so „produktivierten" Juden z u90 Prozent der Entjadung preisgegeben sind. Wåhrend; sie also wirtschaftlich die Judenschaft ilirer geringen Qualitåt wegen nur unbedeutend entlasten, bede^ten sie fiir das Judentum ihrer Entjudung wegen ajuch keinen Qewinn, sond'ern einen Entgang. Es kann also sowohl aus wirtschattlichen, als auch aus kationalen Griinden die Berufsumschichtung nur daijn gelingen und zu dem erwiinschten Ziele fiihren. vfenn sie zentral, groBziigig und planmåBig organisiett ist: Es muB vor allem ermittelt werden, welche Virtschaitlicben Mfiglfchkelteu fijr eine prpduktiv-béruIUclip Betåtlguag der Juden bestehen und in welcfier Form. Eine wirtschafilich — in Bezug auf den Absatz — unter allen Umståriden giiltige Moglichkeit produktivberuAicher Betåtigung wirej: die LudwlrtKbalt. Soli eine Ågrarisierung breiterer judischer Kreise gelingen, so ist es notwendig, dofit, wo fiir Juden Land erreichbar ist, was ohnehin vornehibljcb dort der Fali sein -wird, wo Juden verhinnismåBig dicht siedeln, judische lendwlrtecheftllche || Produktlvgesosseeschalunscre Lemberger Gruppe, Man hdrl kaum eine ierne Hefenderern tritt J . — Hurra I Da ist hedadt — Schoschana! Chajal^ptfemaz! Ist auch unser PBhrer gekommen? Sind viele gekommen? ’ In der Ecke, bei den Stufen, umarmt eine alfe Mutter jmter Freudengewein ihren Sohn, Der Sohn, der schon 12 Jabre als Arbeiter im Lande weilt, trifft seine alte Matter, die auf ihre alten Jage zu ihrem einzrgen Sohne nach E. J. kommt. Die Matter trocknet ihr tr&sennasses Antlitz und er steht betroffen, bleich, die Trånen (in der Kehle) verschluckend — und Vater? .... In der Menge ringsherum ein Flustern, eine leise Bewegung. In manchem Auge blitzt eine Trine. Dieses Bild dnrchzuckte scheinbar die Menge wie ein elektrischer Strom — wer bat denn keine Matter oder Schwester. keinen. Vater oder Brodér unter den Pogrom- und Hungeropfern? Wer sehnt sidi denn nicht nach seinen Nåchsten? Der Mutter am den Hals zu fallen? .... Es nåhert sich noch ein voltes Boot mit den „Uiisrtgen". Die Flagge Est gehifit, das hebr. Lied der Chalnzim mengt sich mit dem Bratisen der an die Feisen vor dem Ufer schlagenden Wogen, die das Boot schnelier, schneller dem Gestade E. J. zo-, treiben. .,Die Arbeit sei anser ganzes Leben!" — „Sie errette ons aus jeder Not" . . . Als das Boot das Felsentor passierte und die tosenden Wellen hinter ihm hlieben, h&rte plfitzlich der Qesang auf. Der weiBbirtige Oreis, der sich unter der Gruppe befand. trhob'sich und spraeb mit fauter nnd Idlngender Stimme, Wort flir Wort betonend: „Gepriesen seiect Dn ... der uns am Leben erhiett und aos dies erreichen IleBI" Amen) antworten alle. I Behend steigen die Beiiie aus dem Boot — and machen den.ersten Schritt qjuf dem Boden E. J. In der ELnwandererstatipn, im 2. Stock, sitzen die Angekommenen, Gåste vom Ungen Weg beschmut; sie mengen sich Alteingese kiirzere und långere Gespr! Bank unterhålt sich ein nejn J., Gesicht und Kleider und trinken Tee. Unter und iiihren mit ihnen e. In der Ecke auf der Angekommener mit einem, der vor etlichen Modaten eingewandert war, der sebon sowohl in der Bolonie als aueb bei der Chaussåe gearbeitet, eine A'beit verlassen und eine ueue gesucht. Jetzt schlendert er in Jalfa herum, erwartet iedes ankommendé Schiff im Hafen, vergiftet das Herz der Einwlmdernden und begleitet iedes von Jafia abfahrende'Schiff mit sehnsBchtigen Blicken. ‘ — Was gUubtt Du? V erde ich in der Kolonie Beschiftigung finden? — V fas? Arbeit? QUnbst Du denn wirklich, dail Dn arbei ten wirst? DaB ich nicht Uchel Deine Begeisterung wird bald verflicgen, wenn Dn nur zum 1. Mal een Spaten in den Boden treiben wirst Du wirst Dich noch freuen, wenn Du wirst von bier weg kfinner. — Wie, kano1 man dein nicht von der Arbeit leben? — Nun ja, wirst 5 Schilling tåglich verdienen, gerade gentjg, „um die Seel« zu erhalten". Aber kann man sich denn damit liegnfigen? Lebt denn der Mensch vom Essen allein? Von Morgen bis Abend schwer arbeiten nnd nie eiren Heller in der Tasche. Und Uberdies noch das Fi ber und andere Krankheiten, daB einem Qbel zu Aute wird . . . — Kann man Arbeit tm 5 Schilling erhalten? j Wenn ich nur dat bekotnm t, dann schltu ich mich Iflficklich; nach mehr håbe ich kein .Verlangen >

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