Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- VII (1906)
- Issue
- 6 (15.3.1906)
- Date
- 1906-03-15
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 6 3ttbif#< *ottsflinme fieite 3 politischer Sinfluf! Null. Nicht einmal in dem von tlincn stark bewohnten I. und II. Wiener Gemeitzdebezirke sind sie imstande, selbständige Kandidaten nnt jüdischem Programme durchzubringen. Wohl aber können sie bei geschlossenem Vorgehen in, Wege N׳e Kompromisses es durchsetzen. 'dag ein oder der andere jüdische Kandidat aufgestcllt wird, von dem ein energisches Einsetzen auch für jüdische Interessen erwartet werden kann. In Böhmen wohnt säst der 4. Teil der ge iamtcn Judcnschast in Prag und den Vorstädten. Ter jeinerzeit ausschließlich von Juden bcioohntc V. Stadtbezirk Prags die Joseistadl. verliert immer melir jüdische Inwohner, welche meist in die Alt- ׳ladt. in neuerer Zeit in die Neustadt und die 'Weinberge übersiedcltcn. Die Josesstad«, welche in der Lage war. 2 jüdische Abgeordnete in den böhmischen Landtag zu entsenden, wird nach der neuen ReichSralSwahlordnung geteilt itnd $״ je einem Teile der Altstadt Ungeschlagen werden. Dieser Umstand ist sür die Juden gerade nicht ,!lditeilifl: denn selbst, wenn die Joicssiadr vereint bltcbe. könnte kaum ein jüdischer Kandidat durchbringen, da die Joicsitadt heute nur ״och ungcfähr zu einem fünftel von Inden bewohnt wird. Immerhin könnte die jüdische Bevölkerung Prägein den beiden Alistädtcr Wahlbezirken bei geichlossenem Vorgehen cntiprcchcndcn Einfluß ans'das WahlreinliiU ansübcn. Noch günstiger wäre die polnische annlußnahine der Juden, inen״ sür Prag, wie seitens einiger deutschen Abgeordneten beantragt w:rd'eine nationale Katastrierung ersolgc» und den Drillichen daselbst ein Mandat eingcräunit würde. 0:1 einem solche» Jalle hätte ein jüdischer »and,dal . emlichc Aussicht aus Erfölg. In den Provinistädte» und ans dem flachen raube Böhmens sind die Inden nicht i» der rage, t: politisch zu ihre» eigenen Winmeii 11,׳ betätige». Aiir M ähre» gelangt die für die Landtags- . ililen ne» geschasscnc Institution der »alionalen ׳! .!.iiiriernng der Wählerschait auch bei den Reichs a ->iile,t zur Anwendung. Wir erhoffen wollt nicht' . von der nationalen Teilung der Wählerschaft׳ ׳::.׳ den nationalen Friede» in, Land׳, nichlsdeffv :: .v'ger kan» dnrch dieie nationale Deilnng in gei: iiieli Bezirken ein jüdischer Kandidat »1:1 Erfolg ..aigeiiellt »׳erden. Tie Neichsratswahlordnnng iiellt agehenre Wahlbezirke allst ans ausgedehnte Koni r.-.e werden Städte und Gevichtsbezitke zu Wahl! .irken vereint, welche keinerlei Kontall mit er» ׳aber haben. Der Einfluß der Inden kann bloß, geivissen deutschen Städtcwahlbczirken zu Dago ' t.-ti-ti׳. Da die Juden meist im tschechischen sprach : ׳!׳.- ׳ leben, bilden sie gegenüber der tschechischen.׳ V ׳ öllerung eine »»bedeutende Minorität, hingegen t-ijräientieren sie!» manchen tschechischen Städten :. iiahe die einzigen Deutschen, wenn ne sich in den ' tlichen Kataster eintragen laiien. Jür den lhriichen Landtag gibt es 3 solche Städte —. Wahlbezirke, m denen die Juden entscheidenden j <!i׳.׳lnß haben, iriöding. Aufpip nnd Mährisch- Wrißtirchc». Jür den RcichSrgt sind größere Wahlbezirke -bildet worden, als sür de» Landtag. Die in der Djadieknrie wahlberechtigten 21 politischen Juden a.'hi.'iiiden sind in 7 tschechischen und 4 deutschen '-!׳Wahlbezirken verteilt. Die übrigen deutsche» Wahlbezirke der Stabte!-'-i e nnd die beide» Wahlbezirke von Brünn, in ei! die Jude» durch geschlossenes Vorgehen E ״'laß aus die Person des Kandidaten nehme»!ö inteii lind 4 deutsche von Jude« nur in geringer >hl bewohnte Städtcgruppcn. welche außer Betracht mmen. Bei den 4 obgenanntcn Städtewahl ,nken ist der überwiegende Einfluß der jüdische» ahlerichast durch die Einbeziehung der säst aus -״eßlich deutschen Städte Dlmütz. Jglau. Nikolsdurg and Zuaim abgeschwächt. Am günstig'te» stehen s"- Verhäktnijsc der Jude»׳ im Wahlbezirke Nitolsburg, wo neben der Stadt Nikolsbnrg 31 meist llchechiiche Städte in den Wahlbezirk eingereiht sind. In diesen Wahlbezirke» hätte ein Kandidat mit jüd.'ehem Programm wahrscheinlich Aussicht aus Erfolg. Es ist gewiß anzuempsehlen. daß die Inden M.ilirens in diesem Wahlbezirk die Wahl eines cigeiien Kandidaten durchzusetzen trachten, welcher Interessen der gesamten Judenschast Mährens >u vertreten hätte, in anderen Wahlbezirken hätten 'ie zu tKnnsten desjenigen Kandidaten zu dirimieren. der de» den Juden günstigsten Standpunkt einnimml. Vielleicht könnte eine Änderung der Wahldez-rle in Mähren in dem Sinne vorgenommen werden, daß ein Bezirk, etwa derjetzige Bezirk Nikolsbnrg den Juden überlassen bleibt. JOfa» konnte zu diesem Zwecke eventuell die Stadt Nikolsbnrg ausscheiden und einige tschechische -tadte. wie Prerau, Proßnitz :e. welche derzeit >n anderen Wahlbezirken sich befinden, in denen die auSlchließliche» Träger der Deutschtums Juden lind, vielem Wahlbezirke zuschlagen. Hiedurch wäre >»r einen mähruchen Wahlbezirk derselbe Zustand geichaffen. wie er in Galizien sür mehrere Bezirke von der Regieriing selbst geschaffen wurde, nämlich ein Wahlbezirk sin einen »ationaljüdischen Kandidaten. ras seinerzeit bei einer von der ״östcrr.-isr. Union" cinbeiuienen Vertrauensmäniierversammlnng gewählte Ezkutiv-Komitce sür Mähren hätte da ein dankbares Agitationsgebiet. ,In Schlesien, wo Bielitz und Deichen die gröhten Judengemeinden sind, ist durch die neue Wahlordnung de» Juden kein besonderer Einfluß eingeräumt. ״ Ausschlaggebend sind die Juden in gewissen Ltädtewahlbezirke» D üga liziens. ferner in den Landeshauptstädte» Lemberg und Krakau. In den Wahlbezirken Brodn. Stanislan, Kolomea und rarnopol. wo die Juden die überwiegende Majorität besitzen, dürste zwischen dem offiziellen Kandidate» des Polenklubs und dem zionistischen Gegenkandidaten ein harter Wahlkamps entbrenne». Die Landgemeinden Galiziens wählen je 2 Abgeordnete, um in Dstgalizien den erbitterte» Wahlkamvs zwilchen Pole» nnd Ruthcnen zu paraliincrcn und das Tnrchdringen der Kandidaten beider Nationen zu crniöglichen. Jene Kandidaten erscheinen nämlich als gewählt, welche mehr als ein Dritteil der abgegebene» Stimme» aus sich vereinigen. Die Juden, welche bisher in manchen Wahlbezirken, in der Regel zu i'immcn der polnischen Partei, den Ausschlag gäbe», werden hiedurch ihres politischen Eiuslusies beraubt werden, was jedoch umso weuiger zu bedanprii ist. als sie sich durch ihre Haltung die Jeindschait der N nthencn zu zogen. Inder Bukowina sind die Juden von Ei״sluß-iu Ezernowitz. welche Stadt zwei Abgeorduete eutiendel. ferner im Bezirke Radantz-Suczawa- Szerelh. wo ne »ngefähr ein Dritteil der Bcvöl kernng repräsentieren. So stellt sich in großen Zuge» der allgemeine Einfluß der Inden bei de» kommenden Wahlen d«. Die Bedeutnug der jüdischen Wählerickiaft in den einzelnen Bezirke׳: auf Grund genauer statistischer Daten ins Auge z» lasse», die Wähler zu organisiere» und im Walilkamvse ׳,» leiieiü obliegt den lokalen seührern 1111b Kom11.es. 311m jojiiliritjirii Eodrstagr tjrinrs. v'.’!■ Tr. i&olf B i 11־ cti.?Hnbbmcv in Briii. iilllUfc. Heine ko,inte! die swlistische Darstellung der Vihel nicht genug wcwnndein. Sv schreibt er aus Helgoland 29. Juli 1839 : ״Ich habe wieder im Alten Dciiamente gelesen. Welch ein großes Buch' Merkwürdiger noe> als der Inhalt ist sür mich diese Darstellung, wo das Wort gleichsam ein 'Naturprodult ist. vie ein Baum wie eine Blume, wie das Meer, nlie die Sterne, wie der Mensch selbst .... Das ist wirklich das Wort GotteS. stall daß andere Bücher nur von Menschcnwitz;engen." Heine stellt die Darstellung der Bibel höher als die Homers und Shakespeares. ״Über diesen- Sinl laßt sich gar kein Urteil ausipreche». man: kann nur seine Wirkung aus unser Gemüt konstatieren, und nicht wenig mußten die griechische» Grammatiker in Verlegenheit geraten, als sie manche frappante Schönheiten in der Bibel nach hergebrachte» Kunstgriffen desinieren sollten. Longinus spricht von Erhabenheit, neuere Acsthetikcr sprechen von Naivetät. Ach l Wie gesagt, hier fehlen alle Maßsläbe der Beurteilung. Die Bibel ist das Wort Gottes." Aber nicht blos sür die Bibel interessierte sich Heilte, sondern auch sür jüdische Gcichichlc und Literatur. Er las JoiephuS, Basnage. Hwtoirs ds Juifs, M. Sachs. Religiöse Poesie der Juden in Spanien, die 1845 erschienen war. Mag Heine auch manche Schnitzer gemacht haben, indem er beispielsweise das von Salomo Alkabez Halevi verfaßte ״Lecho daudi“ Juda Halevi zuschrieb, sein Gedicht ״doüuda Herr Halevi“ beweist seine innige Liebe sür die jüdische Literatur. Nicht minder beweisen dies auch seine ״Denk- Worte." die er am 22. April 1844 zur Erinnerung an Ludwig MareuS schrieb. Er rühmt es an diesem Gelehrten belonderS. daß irgend ein Interesse der jüdischen Geschichte den letzten Grund zu seinen Arbeiten bildete. ״Marcus war ein Polyhistor, er stöberte in allen Bereichen des Wissens, er verschlang ganze Bibliotheken.aber von allen seinen Geistesezkursionen kam er immer gleichsam nach Hause zurück zu der Leidensgeschichte Israels . . . Dieser Zug war wohl der hervorragend wichtigste im Ehnrakter des Ludwig Markus, un > er gibt ihm seine Bedeutung und sein Verdienst.". ,Ich machte ihn glücklich, als ich ihn bat mir aus arabischen und talmudischen Schristeu Alles zu kompilieien. was auf die Königin v: n Saba Bezug hat." I« deini.lben Aussätze, der. wie bereite erwähnt, aus dem Jihie 1844 stamint.' gedenli er des ״VereiacS sür Kultur und Wisienjchast dis JudentumS." der 1819 begründet worden und zu dessen Mitgliedern auch Heine gezählt hatte: ״? ■tc dürste ich von jenem Vereine reden" — ruft seine auS — ״ohne deS vortrefflichen Zunz zu rwähnen. der in einer schwankenden Übergangsperil de immer die nnerschütierlichste Nnwandelbarkeit offenbarte und trotz seinem Scharffinne, seiner Skep siS. seiner Gelehrsamkeit dennoch tre» blieb seinem gegebenen Worte., der großmütigen Grille seiner Seele. Mann der Rede und der Dat. hat er geschaffen und gewirkt, wo andere träumten und mutlos h »sanken." Auch Ben.David rühmt er. daß er. dir eifrigste Anhänger . der -Kant'ichen Philosoph». seinem JudentumeJtreu blieb. ״Er wollte nie »e äußere GlaubenSkciarde ändern. Schon der S Hein einer solche» Verleugnung erfüllte ihn mit 2 iderwillen und Ekel." Auch Moser rühmt er als eines der tätigsten Mitglieder des Kullurvereines.. Dagegen ist er über die Dause des Eduard Ge ns. dessen Gelehrsamkeit er anerkennt, erbittert. Mit Bekümmernis muß ich hier erwähnen, daß '»!ans in Bezug aus den erwähnten Verein für Kultur und Wissenschaft des Judentums nichts wc aiger als tugendhaft handelte und sich die nnve zeihlichne Jelonie zu schulden kommen ließ. Sein Ibiall war um so widerlicher, da er die Rolle eines Agitators gespielt und bestimmte Präsidialpflichte» ick ernoimnen haue. Es ist hergebrachte Pflicht, daß d r Kapitän immer der Letzte sei. der das Schiss ver aßt. wenn dasselbe fdieitert. — Gans aber rettet sich selbst zuerst. Wgtirlich. in moralischer Bezieh»: q hat der kleine Marens den große» iKans überrag . " Millen in die'er Denk-.cde tritt er warm sür die Juden ei». Der Staat sei ein organischer Körper und gelangen, sei es auch eide. ״Ja. ragen und das Herz et — die Hübner könne nicht zur vollkommene» >'>es1>ndhei solange ein einziges-seiner Glieder, und nur die kleine Zehe, an einem Gebresic der Staat mag noch so keck sein Haupt mit breiter Brun allen Slürinen trotze» in der Brn'l. und sogar das stolze Hiup! wird deniioch den Schmerz »tilcmpsinden miiiieii. wenn die kleine Zehe an den Hühneraugen lei I » d e n h e s ch r ä n k u » g c » sind sol äugen an den deutschen Staatssüßen.״ ״Hütet Euch, die Dause unter de» In len zu he fördern: das in eitel Wasser und irockn ei leicht' .,fördert, beschleunigt die ״Eman zivaiion! ' Diesen Auff.'tz halte Heine, wie er selltzt in einer Nachtragsnote zehn Jahre später 1854. der ״Augsburger Allgemeine» Zeitung" ve Auch in dieser Nachtragsnole nininki der Juden an. indem er sdlreibl: dürste» endlich zur Einsicht gelangen, isa'l sie erff dann wahrhaft emanzipiert werden kön ז cf. wenn auch die Emanzipation der Edriflen voll lchidig er kämpft und sicher gestellt worden. Ihr! identisch mit der Sache des deutschen sie dürfen nicht als Juden begehren, als Deutschen längst gebührte."!Mit inniger Rührung spricht Heit NarhtragSnote von dem berühmten Munk, der erblindete. ״Blindheit iit ärgsjc Heimiuchung. die einen deutschen treffen kann. Sie trifft diesmal diebra of e Seele, die gesunde» werden niag: Munk ist 111 ei zennützig bis zznm Hochmut und bei all' sein:» reichen Wisslen von rührender Bescheidenheit. I fr trägt Schicksal mit stoischer Ja iii ng und religiöser Ergebung in den Willen Aber warum muß der Gerechte so viel leiden Die bisherigen Aussührungen Genüge, daß Heine mit Recht lagen habe eigentlich das Judentum nie verlakseti. Hätte jdi: er an 'udentum zeigtc er bemerkt in öffentlichi. sich Heine Die Juden Sacke ist -olkes und w»s ihnen in diefcr t ielehrten 1>ohl die, < ielehrte» es Herrn, uj Erdend״ ,eigen zur Heine die moralische Kraft besessen. Anderen rühmt, er wäre gewiß zum zurückgekehrt. Als Sohn des Judentur S sich «uch dadurch, daß er ״Humanität über' ll es stellte. Darum schätzte er auch Lessing, den . lil erarischen ArminiuS." so hoch, weil in aw sei, e! Werken dieselbe ״fortschreitende Humanität" lel t. Darum sprach er in einer Kritik über Menzil :auch die folgenden denkwürdigen Worte: ״Wir aber sind keine altdeutschen Raeenmäklcr. wir bc:rechte״ die ganze Menschheit als eine große ,Jaiiilie. dcien Mitglieder ihren Wert nicht dnrch Ha itsarbe^ und Knochenbau, sondern durch die Triebe ׳hver Seele. Verlanget in GaltuudKaffeehanfern die ..Indische volksstimme' nntc, er.