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Jüdische Volksstimme · 1905-11-01 · 21 (1.11.1905) · p. Seite 4

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
VI (1905)
Issue
21 (1.11.1905)
Date
1905-11-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Jüdische Volksstimme. Nr. 21 Die Brünne!־ Gemeinderatswahlen. In Urfiiui timten im Mnnute Dezember die lieiiieinderal.-wulilen »:>< >> dem neuen \\ alilstntut -lull. Das Proletariat'. dai bisher vom Wahlreehte ausv׳ s.-blo-s«-n war. wird zum ersten Mal G.l.-gv״heit l!al11״. an :der Wahl aktiv teil- /lunhm.n. Die Brfmner politischen Parteien rü-len bereits seit längerer Zeit zum Wahlkampf. Deiitsehliberal׳■. Deiit-ehnajliunale. Sip/.ald'-limkrateii. Werden treten. Idli׳.׳׳t in der N; j.-.l•• .de! ans'elnhrte» Dar wi!d, ihren Kandidaten zui Kilt besnljileres lllter׳ 'm d■ r -i'^euaniiten t. Kurl Tschechen. d<*11 Wahlkampf tur der Sache, ■laß eien sich bemühen 1 Siege zu verhelfen, sse wird der Wahl!׳. in der dascheinein wenig mittels Röntgenstrahlen beleuchten und ihnen die Maske vom Gesicht reißen und sie als ,las hinstellen, was sie sind, als elende Mauscheljuden. -On losere Jugend im Gotteshause. Die langjährige Beobachtung der B e h a »11- 1 u n g unserer Knaben, die teils aus eigenem Antriebe und teils über Wunsch ihrer Eltern oder Dllegebefnhlenen. den religiösen Zeremonien im fiotteshause beiwohnen, und von einem Orte zum andern entweder geschoben oder g e j a g I. wenn nicht ganz hinausgewiesen werden, drängt zur Erörterung dieses Unfuges und die Absprediung jedweder Berechtigung hiezu. Es ist unleugbar,!lall unsere Jugend, ebenso wie di■׳ Mehrheit der Tempelbesucher, die solchen geweihten Räumen unpassende Stintb.n■ allgemeine Wahlrecht tur Geltung kommen ׳,!!. CU I gegen gebracht.. Wieder bietet sich uns 11.1- >׳ iiau-piel. daß alle Därteien um die Gunstj ,. , , . .. ,. . . , , ־ ׳!..;. jn.Ii-rhcn Wähler buhlen. Die Deutsch-! ">"«F• durch lautes lebhatles Gehaben verletze, .!,.!.den baten bis heute zu den Wahlen in! und!».•durch auf ■he erlorder .ehe Andacht t. Kuj ie ״ttiziell nocS nicht Stellung ge-, -'«reiid »>«^'"• '>'7'' >'>e»s» unleugbar isl das .. Im -tili.■״ wird aber bereitintensiv;beispielgebende Benehmen der Erg-.11 lieit-1. Di•■ jüdischen l.akaii-n der deutsch- I " ״c e.. .. hl״1.11 ״n Anti-emiten bemühen sich schon heute | Oer Schreiber dieser /.eilen hatte (•■•legenm d.׳r jüdi-. hev, Bevölkerung. Stimmung zu I '׳eit geschilderten l ning mit einem jüdischen; .1■ 11• n. bewährtem* ״ M ust ei? "wird ״Am '>-r.-n Bethäusern, zu erwähnen. Die jüdischen Wähler die bereits .-in I Gelehrten zu besprechen und einen Vergleich riig geworden sind, müssen beruhigt! n,nt Andersgläubigen ,^'«l^u..^rhebende r .. .. ab u ■•in gUonigplhistiT־ um den Mund ge- '!1:1• 1׳t. Daall•׳ l.ockmilt■•! 11.-׳i-rhT Konfession in worauf demselben der Bescheid geworden: daß unsere Glaubensgenossen, siclUals Kinder Gottes 1 bis 2 Kandidaten! betrachten, den Tempel als Vaterhaus andie l.i”te der Eibe-! sehen und demgemäß sich, wie eben in einem k•׳ K.n n auf/.iai. bm. n. soll wieder herhalten, um I solchen heimisch fühlen und jeden Zwang abwdd g.-word.-n.-11 Deutschen mosaischer i!••gen. Dieser Ansicht wi.h-rsprirht schon das ,fe-sion /u bewege״, geschlossen lür die j Bestreben jeden Vaters: seine Kinder zu erididab n ’ ,b r deutschen ib meinbürgschaTt;ziehe 11 und ■he!.ehren derselben in hetrelt |An^t;uul, wvlrhei• grratic* dort nmsomehr zu ’ .!!׳ G. 11. I Wir .׳.--tätt׳-k1 uns!•-•l,״ I! >H1“U lieuttf ׳ nk-׳!!! ׳-it n zu protr>tifrri1. •lall luTTi- \f! 1»•11. ui.• /.ulaliij ai> Jiitl.-n ::׳•boivn wurden. G« al״*r in Wir &!'n*11k**it mit ♦Irin .!ud,-ntmn hi! >!!- /u -!•i.allen baln-u. als V»*rlr<*t׳*r ♦ U-r ,; י־'.׳■׳ i.«n ll׳\G.k»Mun.r a\\>׳» schvn wvr׳U*n. Ia־uU\ .!,.- V(1:1׳ .liidt-ldiim 1rifl11> vvn!1<׳n. Leut♦*. :!.-!! di׳- l.׳ ld'-n jüdi.s1.°h1-׳, Bfvölkt־run^;;1•:׳!•׳ 'in.i: Lt-nB*. di׳- mit <B*\valt d**n anti- *• :: iM'iim' in di♦* MiU'*11־ tra^־׳n und durch V! 1r_rt-J 1»♦!^ dt*11 wirtsidiaftliflnm Boykott ’(:>(•!>• Kuufnumnsuhaft Ii׳*ra11fl>־׳s1h\vf1r<*n. W.dirli'h. יי i't luVt&U* '/׳di. dali mit .:• '11 1■־: uvidn.-n Ahr׳-flmu11^ u׳-!udt׳ n wird. II■• .G1d״n \v!-rd־־u h1׳lV׳-ntli(־l1 •*!» v-rnCmPtig -!: und* di! -1?•׳ l״fult׳u nicht auf ♦ l»־*n Leim;זז•־»:׳. •ז. Ewiid n .lud־׳n da- Srhr»'1־k^1-s|M*nst:!>׳ ׳.!-׳<! -•׳-i»ss׳ ju^'t. VVnT,-.,-. w.1> hat ♦t!׳-jü<ii.-׳!1 ׳- Bevölk׳ » unss . 1 :״ dri־ (t״u!-< i»hht.-! ,dcn «i1*׳nein׳K*v׳-rtletunss? I!.1i»t-n .h- Juihil in» 1 ׳••n1t־iml«*ruU• t*ine \ . . Bv;unj?'!>!. d־ nNrhr11>frah-,*.1.-1in־i|1dt־v1*׳ tirtmi^sti-Ut ..>:<■ )־ ihr• K'i'iijtc H«‘rr1n.,1v di«• T-rh'-chvn an. 11!ו .lud.-n dm •11t von der Stadt^־׳nu־inde s:> crl1alt׳*u. In d׳-r lihcrahui Stadl Brünn »ilu k.-lir« n ״*in/.ij/*11־ Jüdisch׳ n S'olk-• 1>d»-r Bü:^t;1>ch»1Ufhit‘1. Bei •h}r L׳ w-hr. Boliz♦*!. Marktkomi5׳sa־ :i.G. B»-m׳-imtttkan/.U-i׳‘» [ werden Jndvn \d>vri.-t .pt nititt aufjenonuuHn. Im Stadtbuuainto i׳i׳-il׳״n l,י»>tt’u 1111h־.׳»«dzL rim ja nur .keinen .hnh׳u ׳ ri-M^rit-ivn zu n1ü--,-n. Neue jüdisch♦* li'-amtr werden nicid ak/t-pti♦ 11. Und ><» -wird »:-.׳״ -!!־:i1R*r lilH-ralcii B.-iucindcvcrtrctun^׳ der B(.\k«*B, wo •'S nur halhwf*r׳> mu^h'li ist. pMKti-. h durch.׳.-lüLrt.' l.)i׳.- V׳-rtr׳-t׳-r der lih<- nii'-n. d»׳* jl.Tivn B׳*mcin<h.׳ratc. Ausschnümit* i״iif.l*־r. ^Wi'-ralc H.־rrcn von d»־r• Scheitel bis zur Soh«■. di•/ ihr׳; li־׳hcn Mitbürger mosaischer K.c.f׳*->ihn -» oft in Anspruch r1ul1m־׳n. denen 1-t ••־• יin h׳-iIi^׳-tcs.B׳ h״t. ja nur keim* jüdischen il;1hd\\»*rk• •r zu hf>chafti^׳u. Jüdisches IVrsonal /.u «1:׳rM^i1׳vn wäre der ^rüÖt•* Vorrat an der :׳ u(.-• i1׳-u Such.. In dt.-n rnlernelimmufen wie > G..-.!n>tall 11?w.. tindet selbst verständlich kein >ud׳- Aufmdiim-. Wir ♦•rktären e> «uY׳*n. dati d» r Idheralismus d1־*-׳r Ih-nvii 1|irhl> anderes als ׳•in Schwindet l'nsere jüdischen Mitbürger wissen viei zu >!ut. wa> sie von den liberalen Herren und 1h1v1(j‘LiberaUsnius zu halten haben. ihr I’atentjhden aber, die den Beutschen Handlangerdienste leisten. Weiters die Herren Kandidaten musuisdier Konfession werden wir 1ien in Ai in drangt, da^ beoluiebten w.ue. wo andere Menschen sich ein Bild ihrer Krziehun^sresultate zu machen (ie- Kvenlieit haben. ,Wie rührend wirkt es, wenn ein Knab dem Hausse der relissios'-n Zeremonien dacld tolssend. sich in unsere X5d1e dr ssessen es den Kindruck der Kmpürnnss machen mull. wenn scheinbar auf höheren (ieheiU — oder Willkür, ein Tempeldiener eventuell auch ein Unberufener, in oft roher Form, den Betreib nden daran hindert und durch solch unleidliche Vorkommnisse, diesem Kinde die Lust zum Juilen tu me verfallt, zumal ihm öfter!)׳•reits die Ausübimss seines g u t e n Belobtes benommen worden sein mag, was, wenn auch nur in einen! konstatierbaren Falle, für das nachfolgende Judentum mehr Befahr in sich birsst. als das vielleicht zu lebhafte Benehm׳:n hunderttausender von Knaben! . . ׳ Vorkommnisse solcher Art haben zumeist den Hintergrund darin, dali die Eigentümer von gotteSdh^iM .Betsitzen׳ eine mehr als bedingte Bequomlichkeit in Anspruch nehmen, den Silz im Tempel als ״FarkeUsitz* oder einen Sitz im Bahncoupc I. .Klasse betrachten, und welche es dem Nachbar ssar übel ״HAneiken. wenn derselbe (liorible diktu!| ifjjjjfjwi in Knaben seinen Platz teilt! Niehl jeder Lage für sich und seine:: Jungen oder wenn flfttf«rn~t*jnige hat TenipelsUze anzuscharteii und doch "hat sowohl ׳•r wie sein Knabe religiöses Bedürfnis und ganz besonders dann, wenn die zeremoniellen Hand״ hingen den vorgeschriebenen Satzungen voll entsprechen und nicht wie in dem JugendgotU-sdiwiste blaii formell gehandhabt־ wertleq — wo also soll der Erwähnte, dfcr Ja, aucli, Anspruch auf Unterkommen besitzt, ein solches finden? Sind .Sicherheitsvorschriften־ gerade Brünner Nachrichten. Aus der Kultusgemeinde. Sitzung am 4. Oktober 1905. Anwesen■! Dr. II. Eialla, Bauer. Keldmann, Ilcrdan, Katsclier, Rosentlial, Schwarz, Spitzer, Stein, Strasser, Tandler, Witrofsky. Der Vorsitzende dringt zuj Kenntnis, daß das Vorstandsmitglied Pli. Rotl! aus dem Vorstande ausgetreten ist. Auläßlirh der letzten Krawalle wurden im Tempel 2s Scheiben eingesclilagen. Der Teiiijieldiener Jandl erhielt durch einen Steinwurf eine leichte Verlelzung. IleiT Emil Stern hriugt eine bessere Beleuclitung der Tempelgasse und Sistierung des Whgeuverkehres daselhsl an den hohen!Viertagnm in Anregung. Das Präsidium׳ erklärt si.-h diesbezüglich mit derPolizeileitung in Verbindung setzen zu wollen. Wie bereite vor kurzepi nritgctciU. falit•‘ ♦lor Vorstand über Anregung des Vorstandsmitgliedes Tandler den Ht-sehluÜ, im großen Tempel das ^Sehnu• dorn״ abzustellen. An Stelle des Spendern» bei der Thora wurde ein Uuch angelegt, in dom die freiwilligen Spenden der tJemoindemitgliodcr angeführt worden. 1 Spenden: Vom 28. September bis 24. Oktober liefen an Spenden ein Für: Fhevrah Kadisclm '»82 K, Frauenverein 698 K, Waisenhilfsverein 8:J0, Hikur Choüm K XU, Proseminar K 197, Knabe1»freitisohverein K 1>2'j. Madchenfreltisi-kvorein K d77, Chor K 409. in Summa K 4013. Verstorbene vom 1. bis 28. Oktober Heinrich GoMschmidt, 43 Jahre; Therese Klein Geboren: Am 1. Oktober: Johann und Friederike Wittal 1 Tochter; Stephanie; am 21. Oktober: Josef und ■I. Hammers«־klag 1 Tochter; Edith. Aufbietungen: Johann Seidütz, Magazineur. Fanny Wes!»e׳lr. Buchhal.erin. liriinn; Max (!oldmann. Keisender. Brün«, Alice l’ozner. Prag; Nathan Leop. Winter, (»esi-hüftsmann, l’ngv Brod. Kathy Wolf. Brünn; Friedrich Müller. Kaufmann. Brünn. Sophie l.dwy, Znckinante!, Böhmen. Barmlzwahfciern: Am 11. Nov. K. Munk, am 18. N'ov. N. Fischl. am 6. Dez. Koria, Getaufte luden: Bruno Jelinek. Dr. Weingarten, Elisabeth Hitzkv. Moritz Mattersdorf. Agent, Pauline Elsner, (louvernanic. tpuil Abeies, Leopold Kriedl. BuehhaUer. l)r. Budolk 1י riedmann, Fanny Kramer. Emil Krön, Adolf Uumpel. Reisender. Wilhelm Keldmann, Sprachlehrer, Emma Krn<t, Lotti Poljpsehek, Dr. Fritz Blum. nur für Tempel - Finden wir hei Andersgläiihigen hei Verrichtung ihrer Andacht nicht, daß fie Kopf an Kopf gedrängt. Knie au Knie . . . jeder Bequemlichkeit zu eidraten, von Kindheit an gewohnt sind? Reichen die Gotteshäuser nicht ans. dann muß eben einer solchen Not ahgeholfen werden, aber auf Kosten der vorhandenen Räume, eine .Hetzjagd• auf unsere Jugend, allerorten — in Permanenz zu inszenieren, ist geradezu sündhaft und in vielen, leider zu vielen Fällen für die Ausprägung des Charakters unserer Jugend gefährlich, da es sowohl den ,Ehrgeiz־ wie das ,Selbstgefühl* untergräbt und nicht jedes Kind es über sich verbringt, ans der einen Tür hinauägeschatt zu werden, um zur anderen wieder hereinzukommen! ׳ M. Ehrensteiu, Brünn. Gedenket des jüdischen Nationalfondes! Die Beeidigung der jüd. Soldaten. Wie uns mitgeteilt wird, lindet .Mittwoch, den 1. November ‘.I l'lir vormittags über Auftrag des Ergänzungs -Rezirkskommandos die Beeidigung der jüdischen Soldaten der hiesigen Ganüson im Israel. Tempel statt. Den Festleitet Rabbiner Dr. .Steinhurt. Generalversammlung des Israelit. Mädchen-F reitisch Vereines. Zinn zwcitenrnule hatten wir Gelegenheit, der Generalversammlung des isr. .Mädchenfreitisi'livereinfis^ m Brünn heizmvolmeii. Der zahlfsMjjheäBes1־rel1 war ein Beweis des lebhaften wirklich humanitäre» Vereine *UseiLs entgegengehl acht wird. Di■• rührig» PrasUentin.Fran l.aura Schulz efölTnete die Versammlung, begrüßte die Erschienenen, iiislie-oiiilere'^den Präsidenten der KultusgemcrfcfclWr״ Dr. II. Fialla, sowie den Rabbiner tcJ''jagp-־ih׳rs die Vertreter der Benci Brilli Moratua. 111 ihren einleitenden Worten wies die Präsidentin' »uf die Schwierigkeiten, die der Vet־?iq in• materieller Beziehung 110 h immer zu bestellen habe. Zum größten Leidwesen des Ausschusses müsse noch immer eine Anzahl von Bewerbern zurückgewiesen werden. Die Präsidentin hestimmte als Protokollverilikalorinnen die Frauen Kathaiina Schreier und Therese Schüller. Den Rechenschaftsbericht erstattete die verdienstvolle Schriftführerin Frau Spitz. Dem Rechenschaftsbericlite ist zu entnehmen: dem Vereine gehören!Kgl Mitglieder an, um 1:47 mehr als im Vorjahre. Es wurden täglich 50 Mädchen bespeist, um s mehr als im Vorjahre. : Dr. II. Fialla wurde einstimmig zum Ehren- Präsidenten gewählt. Herr Dr. Isidor Schulz hat in anerkennenswerter Weise mehrere kranke Plleglinge unentgeltlieh behandelt, Herr Rechtsamvalt Dr. Mor. Schutz unterstützte den Ausschuß als Beiratii in allen Arbeiten.

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