Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- VI (1905)
- Issue
- 21 (1.11.1905)
- Date
- 1905-11-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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T Nr. 21 Jüdische Volksstimme. Dürftig?» und Bedrückten Lächerlichkeit und Verleumdung über Sie bringen wird, wird, dessen bin ich sicher, weder die Heiterkeit Ihres Sinnes n. noch Sie veranlassen, in Ihrem Vorsatz w wanken. Ich bedauere nur, daß äußere Um- .!finde mich darin verhindern, einen aktiveren Anteil an der Sache zu nehmen als bloß einfaches Mitglied zu sein. Unter ihrer Führerschaß würde ich gern an jeder Aufgabe arbeiten, ,lie mir zugewiesen wird. Möge das neue Jahr Gesundheit und Glück Ihnen und Ihrer Krau bringen, sowie Kraft und Stetigkeit, der JTO. Stets] Ihr sehr ergebener Mayer Sulzburger. britischer Untertan, weil dieser am besten den Genius der britischen Kolonisationspolitik und Kolonialverwaltung versteht. Ich verbleibe Ihr aufrichtig ergebener Oskar Strauss. 4- ד Seite q Mr. Oskar Strauss, früherer Gesandter der V. St. v. A. in Konstantinopel, schreibt an Zangwill: Lieber Mr. Zangwill! Ich habe Ihren Brief vom 21. v. M. sowie ,lie Nummer der .Times“ vom 12. V. M.. welche Ihren Briefwechsel mit Luden Wolf, betreffend itic Schaffung einer autonomen jüdischen Kolonie in ISritisch-Ostafrika enthält, erhalten. Sie bitten n1i!1(׳ um meine Sympathie und Mitarbeit. Ich erinnert־ Sie an unser Gespräch über diesen Gegenstand, als Sie letzten Winter hier waren. Ein Briefwechsel. Werter Mr. Zangwill! Ich bin im Besitz ihres Briefes vom 8. d, M in weichem Sie kitten, daß über das Territorium, das ursprünglich für eine zionistische Siedlung in Ostafrika in Aussicht genommtü wurde, nicht ander* weitig verfügt werden möge, bevor Sie Gelegenheit gehabt hatten, mit mir die Frage zu besprechen, mit Rücksicht auf die Bildung einer internationalen Gesellschaft zur Weiterrerfolgu^g des Planes. Ich wußte natürlich, daß Sie gegen die Ent• Scheidung des Baseler Zionistenkongresses, nicht weiter auf die Materie einzugehen, protestiert hatten und die Absicht Ihrer Partei, sich zu trennen und gesondert ihre Ziele weiterzuverfolgen, kundgegeben hatten. Aber ich wußte auch, daß ein Teil der Minorität welche Sie repräsentierten, sich nachträglich mit der Majorität wieder vereinigte, und daß es unwahrscheinlich erschien, daß die Sezessionsbe* wegung bedeutende Dimensionen annehmen würde. Als ich daher durch Mr. Greenberg eine offi- Ich sajftr Ihnen damals und will es Ihnen wiederholen, datl ich keinen Grund sehe, warum t-inc Judenkolonisation nicht erfolgreich sein soll, besonders unter Britischem Schutz, vorausgesetzt nur, dali das Land hinsichtlich der Fruchtbarkeit, des Klimas und der Lage ge- H׳״m t i»t. und daß in den ersten Jahren wenigsIhi> die Kolonisten mit der notwendigen Bucksicht auf ihre Fähigkeit zu den schwierigen Arbeiten ausgewfihlt werden, die ihnen als den Pionieren zufallen werden. Ich sympathisiere vollkommen mit den von Ihnen entworfenen Plänen, und ich freue mich zu erfahren, daß j$i»• mit Mr. Wolf sich verständigt und Hand uml Sinn-vereyiigt haben, um diesen verheißungsvollen und ruhmvollen Kolonisationsplan auszuführen. Verheißungsvoll deshalb, weil Großbrituunieu in der Weltgeschichte bewiesen hat, dali es seihst die fruchtbarste und selbstloseste Malter von gesunden, selbständigen Kolonien ist. Kuhmvoll, weil der Plan, wenn er erfolgreich ist. »•inen Buheplatz für die verfolgten Kinder Isrcu-I Jchafleti wird, die sich, wie schwierig auch der Anfang sein mag, als eine'britische Kolonie ohne Gefahr der Schmälerung de: Lebens, der Freiheit und des Glückes werden! .erfreuen können. Es ist ein historisches Recht für die Nachkommen Josephs, daß sie unter einem großen und friedliebenden König nach Verlauf von 4000 Jahren auf demselben Erdteil den Wiederaufbau eines Staates beginnen. Welch anderes Volk könnte solches tun und di< Weisheit und die Erfahrung mitbringen, ruit welchen :10 Jahrhunderte des Leidens es für das große Werk so wundervoll ausgestattet haben. Als ich zuerst von dem großmütigen Anerbieten der britischen Regierung an Herzl hörte, hoffte ich, daß es angenommen werden könnte und würde; und ich bin glücklich zu wissen, daß Sie der Prophet und Leiter des neuen Exodus sind. Alle Kolonisationspläne, lehrt die Geschichte, sind mit Schwierigkeiten Maden und haben im Anfang Teilmißemüge zu erwarten, wofür unsere Puritanerpilger ein schlagendes Beispiel liefern. Aber wie auf diesem Kontinent, so können auf jenem diese neuen und ,loch ältesten Puritaner und Pilger ein Keich gründen, das Ruhm dem Mutterlande bringen, die Zivilisation in den dunklen Erdteil hmeiutragen und eine Zufluchtsstätte für die bedrückten in Israel sein wird. Ich vertraue fest darauf, daß die Jewish Colonisation Association (ICA) klar ihren Weg erkennen, d. h. ihre Energie und ihre Hilfsquellen diesem Plane widmen wird, denn auf hruiid meiner intimen Bekanntschaft mit Baron y. Hirsch und seinen Plänen bin ich davon überzeugt, daß er einer Kolonisation unter britischem Schutze jedem andern Plane oder dtm Schutze jeder andern Regierung vorgezogen batte. Aus diesem Grunde wollte er die Insel Lypern wählen, wenn die Umstände es erlaubt butten. Ich enthalte mich dessen, auf die Details *inzugehen, aber ich kann nur Ihrer weisen und sympathischen Mitarbeiterin, Mrs. Zangwill zustimmen, daß der Gouverneur der Kolonie uicht nur ein Jude sein soll, sondern auch ein zielte Bekanntgebung der Entscheidung des Baseler Kongresses erhielt, informierte ich den Kommissar für das Ostafrikaprotektorat, daß das Land, welches für die Siedlung in Aussicht genommen war, nicht mehr länger reserviert werden sollte. Mit Rücksicht auf diese Umstände und darauf, daß Sie, wie ich aus Ihrem Brief in den «Times* ferner ersehe, selbst keineswegs sicher sind, daß das Land Ihren Ansprüchen entspricht; von welchem Sie wünschen, daß darüber nicht anderweitig ver* fugt werde, sehe ich mich nicht in der Lage, Ihrem in dem Briefe vom 8. d. M. enthaltenen Verlangen zu entsprechen. Ich brauche kaum hinzufügen, daß dies Sr. Majestät Regierung nicht hindern wird, jeden wohlerwogenen Vorschlag, den Sie selbst weiterhin zu machen in der Lage sein sollten, in Erwägung zu ziehen. Ihr sehr ergebener Alfred Lyttel|on. Werter Mr. Lyttelton! Ich bestätige dankend den Empfang Ihres Briefes vom 16. d. Mts., in dem Sie anitteilen, daß infolge der Entscheidung des Baseler Zionisten* kongresses, den Plan der jüdischen Siedelung im Ostafrikaprotektorat nicht weiter zu verfolgen, das für die Siedelung in Aussicht genommene Land nicht länger mehr reserviert sei. Ich bemerke in* dessen mit Dank, daß dies für die Regierung Sr. Majestät kein Hindernis bedeutet, weitere Vorschläge für eine derartige Siedelung, die Ihnen die neue Jüdische Territorial-Organisation unterbreiten würde, in Erwägung zu ziehen. Ich muß hierbei erwähnen. Sie den Charakter und die Aussichten der daß Jüdischen Territorial-Organisation ein wenig miß verstanden haben. Obgleich sie ihren Keim in der zionistischen Minorität hatte, war sie doch von Anfang an eine völlig unabhängige Körperschaft, die jetzt frische uyd machtvolle Elemente aus allen Klassen des Jüdischen Volkes aller Länder in sich aufgenommen hat. Sobald j der Rat und die Ehrenbeamten Zeit gehabt haberj werden, die in ihrem Programm ent haltenen Fragen völlig durchzusprechen, hoffe ich, der Lage zu sein, von Ihrer freundlichen Erlaubnis Gebrauch machen und ihnen einen Terri torialplan vorlegen zu können, den Sie als für die Regierung Sr. Majestät annehmbar finden werden. Ihr sehr ergebener Israel Zangwill. Offener Brief an die politischen Zionisten Deutschlands. Territorium erhebt, ohne dabei Zion «szuschließen; und schließlich 3. die Grup! »e der politischen Zionisten (P. Z.), welche Zi 1נ . als Endziel und jedes andere Territorium al 3 eine bloße Vorstufe zu demselben betrachtet. Es ist nun mit Freude zu begrüße! 1, daß sich in der alten, bestehenden Organi;1 tion, die jede Gründung eines jüdischen Gmeinwesens außerhalb Palästinas ausschließ , eine Zahl von solchen zusammengefunden h 1t die das Programm der Zione-Zion nur bed n jterweise anerkennen, um nicht zu sage! 1 verwerfen. Wenn wir die Beziehungen, in c enea die Organisation der Z. Z. zu der Grup» der polit. Zionisten steht, untersuchen, ergii 1t sich unmittelbar, daß die letztere mit der e s eren beständig in Konflikt geraten muß, sowie es sich um praktische Realisierung der Zi« ie und Aufgaben handelt. Es ist gewiß erfreut« h Gesinnungsgenossen, deren energisches Au 1 •eten sich bereits wirksam in den Stürmen de s Kongrosses entfaltet hat, in den Reihen der J!genpartei zu finden. Anderseits wird aber doch die Frage an sie berechtigt und dringlich, w eiche Förderung für ihre Pläne die politisch! * Zionisten Deutschlands von der geschl!!- seneu - Uebermacht der russischen Zione-Zion ei w arten können. Mit der Organisation der ,110' dagegen befinden sie sich theoretisch in gan t naher Verwandschaft, praktisch müssen beid! sogar die gleichen Schritte tun, um vorwärts zu kommen, ln der Tat: Die Organisat 0 n der Z. Z-, welche jedes möglkbe-Territoriur 1 außer Zion aus ihrem Programm ausgeschlosse! haben will, kann unmöglich mit einer Gru >] te zusammengehen, die ihre Tätigkeit zu J rüsten eines anderen Territoriums entfaltet. V'! s war doch das Grundmotiv, das die deutscl: e 1 Zionisten dazu bewog, eine selbständige Partei mit ihren eigenen Zwecken zu gründen ' Nicht־־ anderes als die Einsicht in die Notwe n ligkeil. die Organisation der Z. Z-. die jede pr > rtische Tätigkeit auf unabsehbare Zeit hinau;cliiebt. zu befehden. Zu ״J. T. 0.“ dagegen, lie ein jedes Territorium, Zion mit einbegri! f n, als den Zweck ihrer Tätigkeit anerkennt, zu ihr kann die Gruppe der deutschen P. Z. 1 ז keinen anderen als freundschaftlichen Beziehung« r stehen — soviel, was die theoretische Frage retrifft. Was die praktische Tätigkeit jedoch a; 1 «langt, die nur darin bestehen kann, ganz uni > ttelbar und geraden Weges auf die Eriangui ( eines möglichen Territoriums loszusteuern («c bei der Endzweck natürlicherweise keineswegs 1 e mrpeixt im Wege steht). So müssen sich beide l arteieii zu dieser gemeinsammen Arbeit d« Hand reichen. Die P, Z. Deutschlands sind vor e r e klar«־, unzweideutige Alternative gestellt; d 1: ergibt sich schon ganz gewiß aas dem neue n lings in der ,Jüdischen Rundschau* veröff«! dichten Aufruf Dr. Bodonheimers. Aus ihm f > gl. daß alle diejenigen, die auf dem Boden I:r alten Organisation sieben und stehen bleibe ו wollen, sich lin keiner Weise mit den Bestrebet gen der J. T.iO. vereinigen können. Und das ־e tit nicht eigentlich aus jenem Briefe erst, sonc«rn auch vor'allem aus der bekanntet!, auf!!em VII. Kongreß angenommenen Resolution hervor, durch die der Sinn des Baseler Progr immes in bekannter Form präzisiert werden sollke. Die mildere Komentation Nordaus, die d « scharfe ׳ Ausprägung des gegensätzlichen Standpunktes , abschleifen wollte, hat nur einen per;Önlielieu. 1 aber durchaus keinen offiziellen und i ■gend wie verpflichtenden Wert; zudem steht ’ keineswegs im Einklang mit der Reso tj Kongresses. Die politischen Zionisten Dedtj können, so lange sie auf dem Boden Organisation stehen, niemals das errei :Men, wa sie erreichen wollen. Wollen sie aber f״■»וי *׳״ die Tendenzen, Partei latenterweise ständigen Gruppen eigenen Prinzipien Seit dem Ugandaprojekt haben sich die im Schoße der zionistischen schlummerten, zu selb• heraus entwickelt. Auf eigenen 1 ״1.״,.— haben sich solchermaßen drei Gruppen aufgebaut, die unsere Aufmerksamkeit und Würdigung in hohem Maße herausfordern: 1. Die Partei der Zione-Zion (Z. Z.) welche jedes andere Territorium als Grundlage für den jüdischen Staat verwirft. 2. Ihr gegenüber stehend die Organisation derl Jüdisch-Territorialistischen Partei (J. T. O.U welche zu solcher Grundlage jedes selbständige1 auch su■ t tion des kcldands: (er alten vas nit ihren Aufgaben wirklich ernst machen, sd liat jene Kongreßresolution und die Stimmun; der von Ussischkin geleiteten Majorität das 1« qte Wort über ihre Stellung gesprochen. Und deswegen richten wir an sie die Frage, die ihien selbst klar vor Augen stehen muß: Jetzt wohin? D. Joche mann. An unser• Leserl Wir bitten um gütige Aufgabe voi Adressen, an die wir Probenummern mit Aussicht auf Erfolg senden können. Die Administration. Verlanget in Gast- und Kaffeehäusern die ״Jüdische Volksstimme“.