Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- VI (1905)
- Issue
- 17 (1.9.1905)
- Date
- 1905-09-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 17 Jüdische Volksstimme. Uns österreichischen Juden, denen der Klorikalismus und der Antisemitismus das Da- #ein sehr schwer machen, haben wie es scheint den Malistab verloren, mit dem man die Leiden unserer östlichen Brüder zu messen hat, um ihr Vorgehen auf dem Baseler Kongreß zu beurteilen. Uns hat die Epoche der Poesie und der lloinantik, welche neun schwere Jahre gedauert, uns hat die Unfruchtbarkeit des Zionismus Keiner zur Verzweiflung gebracht, wie erst jene Opfer von Massacres. Selbst wenn Dr. Herzl uns nicht entrissen worden wäre, mußte früher oder später eine katastrophale Wendung im Zionismus eintrete». Unser Dr. Herzl mußte die Fäden der Unterhandlung mit der Pforte in jener Form selbst ahreißen und uns mit gebundenen Händen, dein alten Holle» auf Wunder ansliefern — 'mit mehr oder weniger gläubigem Sinne — und den "Territorialismus erfassen, um wenigslens Herr der Nachtquartiere zu werden. Die Führung in das gelobte Ahnenland aber wie wir sie uns in ganz substanzieller Form im J. 1NS0 zurecht gelegt haben, und mit der Begünstigung der Türkei, welche ja unserem Volke zu jeder Zeit Beweise brüderlicher Sympathien gab, wie die Aufnahme der halben Million spanischer Juden, erschien eiten dem Dichter zu prosaisch. Indes hat Dr. Herzl in Beaconsfield einen großartigen Vorläufer — und diene diese Auf- Zeichnung der Bestrebung jenes großen Mannes aus jüdischem Stamme als Zeichen der Verehrung und Sympathie, als Blumenspende auf sein Grab. seitens der Leser dieser Zeilen. Mr. Olifant, der Intimus des Premiers von Großbritannien teilte mir — als dem Gründer de־ Vereines Ahawath Zion, des ersten Kolonisationsvereines mit zionistischer Tendenz ■ — hei unserer Aufwartung in Wien folgendes unter anderem mit: Mein Freund, der Premier Beaconsfield. der viel mit Ihrer Majestät der Königin von England über die Judenfrage nachdenkt, hat mit dem Sultan eine Vereinbarung getrotlen, eine halbe Million jüdischer Einwanderer in Palästina aufzunehmen, welche unter ihrer eigenen Verwaltung zu stehen haben, ihr eigenes Berichts- und Polizeiwesen, um den jährlichen Tribut von. wenn ich mich recht entsinne. 5 Millionen Franks. Schon hat der Sultan die betretlenden lrade unfertigen lassen und in sein Kabinet gebracht, als zum Unglück. Beaconsfield die öllentliche Meinung Englands herausforderte und sein Mandat niederlegte, gewiß schwebten ihm die großen Verdienste vor. welcher dieser grüßte Staatsmann England und der Königin geleistet, indem er die englische Königin zur Kaiserin des großen indischen Heiches, das gemacht und ihn auf dessen Popularität zu viel trauen ließ. Mit bloß :! Stimmen englischer Bürger fiel Englands größter Mann und mit ihm alle seine Pläne, auch jener die englische Königin zur Königin der Juden und Palästinas zu machen. Hier seufzte unser Judenfreund tief auf. mit den Worten: aber Israel will auch nicht sich selbst helfen, da bloß zwei große jüdische Persönlichkeilen es sind, welche dem Erlösungsgedanken huldigen. Und doch, fügte derselbe hinzu, kann es kaum wahr sein, daß ein Jude andere Nationen lieht, wenn derselbe seine eigene nicht liebt. Zuerst muß der Jude jüdischer Patriot und dann ein englischer sein. r<׳rts«t1u11U C'ijt daß dieses stets peinlich darauf bedacht 'gewesen, sich in die Agenden des A K. nicht einzpmengen. Mögen uns die gewesenen Mitglieder des engeren A ־K. auch nur durch Anführung eines Falles Lügen strafen! \ielmehr liatte das l.K. wiederholt unter den Einmengungen des A K. zu leiden, so besonders bei den letzten Wiener Kultuswahlenj. als das A.-K. den auf Grund Parteitagsbeschlusses vom einzig zuständigen Zentralwahlkomitee ierüsleten \\ aldkampf gegen den Kahal verbot und cm Kornpromiß behufs Wahl des Herrn Marmorek, erzwang. Daher wohl die Gereiztheit des Kongre ßberichtes Bc״en un־. Das iisterr. lutndeskomitre. Danksagung Seit dem Kongresse ist mir eine so große Anzahl von Glückwünschen von Gesinnung־- genossen. Freunden. Korporationen. ■Vereinen und \ erhindungen ans den verschiedensten Ländern zugegangen, daß er mir unmöglich ist. jedem einzeln zu danken. Diese vielen Beweise von Liebe trauen gelten mir die Zuversicht. daJl ich für meine zukünftige Arbeit im Zionismus die nötige Unterstützung finden werde. Herzlichen Dank und Zionsgruß an alle. David WoltV-ohn. Köln An unsere Leser! a. Ith. Seite 5 veder in Landes- Wir bitten um gütige Aufgabe von an die wir Probenummern mit Aussicht senden können. _. ... ... ,, Die Administration, -o Studentenschaft unserer Stadt. Unter d drückendsten Entbehrungen friste! der sein ohnehin kümmerliches Dasein und ist es giPÖnni, durch eine nicht sehr Arbeitsgelegenheit ihc hartes la>s zu mit lern. Die Linderung dieser Not hat sich der ן üri i s c h e Tee 11 n i k er-l' nterstützungsveiei hehren Pflicht gemacht. Unser jui Tätigkeit zurückhlirkl. weist jedoch im Erklärung. In dem durch Herrn Architekten Oskar Marmorek namens des engeren A.-K. erstatteten Gencralbericht an den Kongreß hieß es ton Oesterreich: , . . . Das L.-K. hat seine Aufgabe nicht voll aufgefaßt. Weil in seiner Mitte die Zentrale ihren Sitz hat. glaubte es seinen vornehmsten Beruf darin sehen zu sollen, jeden Gedanken und jede Handlung des A.-K. seiner Kritik zu unterziehen, wodurch ihm wenig Zeit übrig blieb, seiner Aufgabe der Agitation und Propaganda .... gerecht zu werden.‘ Ob unsere Arbeit entsprechend war, ist Auf rassungssache, jedenfalls hatten wir das aufrichtige Streben zu arbeiten: der für die vorgeblich ungenügende Arbeit angeführte Grund aber ist unwahr. Da der vorzeitige Abbruch der Debatte über den Rechenschaftsbericht die geplante Erklärung seitens unseres Vertreters an den Kongreß vereitelt bat. stellen die derzeitigen Mitglieder des L.-K. fest. Adressen, auf Erfolg Ad die p. t Eltern jüd. ScbSler in l'nsagbares Elend herrscht unter der jüdischen Brünnl 1 •n denkbar;roßte Teil ur wenigen einträgliche n zu seiner ger Verein. der erst auf eine kurze und schon , rsprießliclie der großen Zahl unserer Petenten, ei סו noch zu urglcich zu eien Armen zu schaffen. geringe Leistungsfähigkeit auf. mn den v ein von Xahrungssorgen freies Studium Wir erkannten demnach die Notwendigkeit, unseren Innen jüdischen Kollegen ein t xbeitsgebiet zu erschließen, das sie zu einer halbweg: menschenwürdigen Existenz unbedingt brauchen! und hoffen wir dies4rt» Ziel durch unsere unentgeltliche Stunden Vermittlung zu erreichen.} Jüdische Eltern? An Euch ergeht heilte die Bitte, unseren Hilferuf nicht ungehört ׳Itt heilte di« terhalfcn zi lassen und uns in unserem Bestrebungen nach Möglichkeit zu unterstützen. Wendet Euch an uns. wenn Eure Söhne eines Lehrers bedürfen, und wir worden es uns zur Pflicht machen, stets nur wirklich tüchtige, gewissenhafte und bedjirftige Kollegen zu empfehlen. Hochachtungsvoll v Der Ausschuli. Rundschau. Bandlsten und Zionisten. Der Xaprzal (Vorwärts) meldet ans Lida (Gouv. Wilna), daß l>ei der Trauerfeier lür Theodor Herzl die Sozialisten (Bundisten) die Synagoge umzingelten, in dieselbe eindrangen, und daß sich ein Streit entspann, in dessen Verlauf man zu Kevolvem grift. — Ein Sozialist, dessen Gesicht von einer Maske bedeckt war. bestieg die Kanzel und sprach gegen den Zionismus: daraufhin wurde der Tumult noch größer.־ Die Frauen, die im Bethause waren, wurden ohnmächtig. Jüdischer Antisemitismus. Ans zuverlässiger Quelle wird uns berichtet: In der ,Krankenhaus-Kommission“ der Stadt Itatibor (Oberschh) wurde neulich über die auszuschreibende Assistenteustelle des städtischen Krankenhauses verhandelt. Der Herr Stadtverordneten- Vorsteher erklärte sich prinzipiell gegen die Anstellung eines jüdischen Assistenten, ,da ein solcher in eine schiefe Stellung zu den katliofischen Einrichtungen käme. “ Dieser Herr Stadtverordnetenvorsteher von Itatibor heißt K o 11 n und isit der Führer einer jüdisch-antisemitischprotestantischen, scharf antiklerikalen Koalition. Wie ein Blick in die lnseratenspalteu der Fachblätter zeigt, werden jüdische Ärzte staatlichen, noch provinzialen, z. B. versicherungs- oder Irren-Anstalten at> gestellt, auch nur in verschwindend wenig a Privat- Sanatorien. Daß Kommunen mit j 11׳ lenfreien Verwaltungsköipem Juden nicht ann!1 men. ist selbstverständlich. — Itatibor aber i> etet uns wieder einmal das schöne Beispiel >01 Juden- Boykott durch Juden. — Dabei >1 jibt uns anderen Juden nur der eine Trost. 1 aß diese Sorte von Juden immer mehr der 1II jemeinen Verachtung anheimfallt, auf die sie ei ו redliches Anrecht hat. Zionistenabend in Marienbad. Auf Anregung des Budapester Zionistenvereiic 5 wurden sclion in voriger Saison starfchesuchta i ionistenahende im Restaurant D. Initiier il gehalten. Solche Abende mußten jedoch hejnr wegen dem,VII. Zionistenkongreß etwas fqäter heginnen. Nun. wie man uns von dor ^richtet, hielten die in Marienbad anwesende 1 Zionisten ani lti. August im großen Speis,-sa« h des ohgenannten Restaurants auf Anregung des dort weilenden Herrn S. Maihlum. eine g oße Ver- Sammlung ab, bei welcher Gelegenh II ein sehr animierter Ideenaustausch stattfand Als Vorsitzender fungierte der Präsident der < rtsgruppe Marienhad. Herr Rabbiner Dr. PI il pp Goldberger. Herr Dr. S. Bernfeld aus Beri 11 referierte über die Verhandlungen und Bes! h üsse des VII. Kongresses und knüpfte daran s ihr interessante Bemerkungen. Er erörtert!!esonders eingehend die prinzipiellen Differem ei 1 der verschiedenen Parteien. An diesen 1 c rtrag anlehnend hielt der Bürgerschuldirekt >1 J. Gäbet eine Rede, in welcher er mit eine r Fülle von Argumenten bewies, daß der Ziu 1i smus nur dann Existenzberechtigung habe, so t r als Basis das Festhalten an den■' jüdisch -1 ■a fitioneilen gesetzesreinen Judentum anerkennt 1 nd deklariert. An diese Rede knüpfte sich! il e lebhafte Debatte, an welcher sich die Herrin Rabbiner Dr. Goldberger. Dr. Bemfeld. ר Hurwitz (Gluchow). Zlatopolsky (Lodz) und 11 ich andere beteiligten. Frau v. Witte. Aus New-Yo k wird ge-׳ schrieben. Frau v. Witte ist Jüdin 11 d deshalb hat sie der Minister nicht milgenqn men. Sie selbst wollte gern mit in die neue Vf» t, aber ihr Gemahl hat sie zum zurückbleibiii veranlaßt. Dadurch wurde eigentlich zum erste 1 Mal!׳ die Aufmerksamkeit weiterer Kreise auf die Ehe des russischen Staatsmannes gelenk). die zwar glücklich ist, dem Manne aber viel 'nannehinliclikeiten in seiner Karriere gemail t und ihm gesellschaftliche Zurücksetzung gel rächt hat. Daß der Jüdin in Rußland kein! f -eundlicln-s Entgegenkommen zuteil wird, istj ja aus den Judenverfolgungen zur Genüge beta int. Dazu käm noch beschwerend hinzu, daß ■ ie in erster Ehe mit einem Unterbeamten desiferrn Witte vermählt gewesen war und sich 1 on diesem hatte scheiden lassen, um die Heir 1t mit dem damals schon hochstehenden Majire ei »gehen zu können. Bei Frau v. Witte verfc! art nur die Haute Finance. und Wittes Gegner 1 allen schon hin und wieder behauptet, er las;6 sich von den Freunden seiner Frau zu Ui rsen-Goups aushorchen. Dies Gerede nahm ine solche Ausdehnung an, daß Witte seihst eine Untersuchung gegen sich beantragte, 1 i! die völlige Haltlosigkeit des Geschwätzes erga :>. Aber trotzdem. und obgleich ihr Mann z •i « eilig dem Zaren der Nächste war. ist die Gajttin nie am Hofe zugelassen worden, und ai f hältnis ist auch wohl hier und d t Stellung־ Wittes zurückzuführen. 11e ־ ermordete Minister des Innern. Ssipjagin. gesamten Aristokratie dadurch an. besten Freunde Witte nach seine! 1 lochzeit mit der'Fürstin Wyssemska einen Ai trittshesurh machte, um ihm und ausgespr 1נ auch seiner Frau die Neuvermählte > Das Wittesche Paar hängt mir an. seiner jetzt mit in Brüssel « eil«! ermälilt ist, entstammt Peters des die übrigens an einen Naryschkii aus dessen Hause einige Zarin«! ei sind, worunter auch die Muttqr Großen. Verbot der Abkommandieijuig jüdischer Stadenten zu praktischen Arbeite a. Alljährlich! werden bekanntlich von den. h< h! i lehranstalten in Rußland währqni i Studenten der höheren Kurse s ieß in der d iß er seinem honermaßen; orzustellen. | großer Liebe j n!len Tochter,! Arbeiten auf Fabriken in verschi ■d der Reiches abkommandiert. Gedenket des jüdischen Nationalfondes! \\ dieses Vereine ).Kaltron Sozial-- der Ferien( praktische(^ nen Städten e nun dev [