Mannheim
Compact Memory

Jüdische Volksstimme · 1905-09-01 · 17 (1.9.1905) · p. Seite 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
VI (1905)
Issue
17 (1.9.1905)
Date
1905-09-01
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
88% known words query
IRI
…/2621806-6375628-6375866--1103-4860534
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

>e!1i» צ Jüdische Volksstimme. Nr. 17 ihren Anfang M־h«n im XV. Jahrlnmdijrt. hat sich aber lauere mir auf HedüruU>e des hausliehen und geschäftlichen Übereinkommens und der Verständigung beschränkt. Literarische und sogar künstlerische Bedeutung erhält sie erst im XIX. Jahrhundert und hat ihre Blüte in Amerika erreicht. Über (Joldfaden. Seharkanski. Edelstadt und Wi Kliewski hat sieb Morris Hosenfeld hervorget m und den Jargon durcli seine Roesien in das Gebiet der literarischen Sprachen und zur weltlichen Bedeutung 'erhoben, l'nter seiner Meisterhand ertönte harmonisch das bizarre Geini: eh des Jargon und eben das. was früher das ) erkmal unwillkürlicher Komik trug. i>t zu einem, das Ziel nicht verfehlenden Mittel in der Hund des Künstlers geworden. Ein ernster, fast sicerdcr-, taler Ton von hebräischen Elementen kontrastiert liier mit den weichen Tönen der slavischen Stämme, mit den rauhen englischen, lie hesonders als termini teclmici gebraucht werden und das ganze (Jemiseh ist von dem De itschen getragen, welches, wenn auch stelleuwoi: e rauh, im Gaiiaen nicht banal klingt. Eben durch diese Feld*• -einer Tätigkeit sehen wir in einigen j Kreuzung von verschiedenen sprachlichen Eie- \ort1־* tllichc;1 Studien über den Dichter des > menten wird oft ein unübersetzbares TongcimU-»h־׳n ->׳ hmerz'.-> M. K<»«*uf»׳ld und iu d׳ r! mahle erzielt, man kann nur schwer die Diktion r»*b»•!•-•■t/1mg -׳-iiier <»e׳li> ht׳-. An seine mobter-ldes Originals erreichen. hat;11*׳ l hei-etziingeii der \\t*rke \<ווי \iktor, laremt das Was-cr. die Wellen, see sc läumeii ihign. Daide. IVltana. <«. Ia «»pardi. Leconh׳ wojef. es nuijel mesclmne der Winc : -ct,׳ - Schallen in seinem gröUten Epos ► Bar- Knrhba־. .D־׳m Traum seiner Jugend״ aut dem Höhepunkte. Dp* dunkle. mys|ische (!*'-ttilt lies Helden. ■Jje «■rzweifelte krampt'־ luift»• Empörung d» s unterj»»e!d»־n Aolkes. sein f en»*rgi-clier. leidenschaftlicher Kampf um die - gi'oL׳** Liehe und un» rmälll»׳"!׳ 'l>t1ue des Juden /u 7-»-iuem \ ulk־׳ — dies dustere Stück der jüdi-cheti Ve.g״ngei1l1.*it*fül1rt des geniale Dichter in -dienen, giganti-clu-ii Zügen vor den erstaunten i..-.׳r. Demi staunen müssen wir. mit welrhem V״V>tändnis er iu die Art des jüdischen Denken* und Fühlen* eingednmgtm ist, mit welcher Anschaulichkeit und Treue er vor uns di־׳ Bilde, uu-׳ re, Vergangenheit vorheiziehej! läßt. Auch als Übersetzer weist Vrchlick'J eine ungeheure Fruchtbarkeit aut; er ist der erste. d־׳r - im in *Volke durch brillante Üln*rset/.ung .iit• Erzeug,1i-.se aller Weltliteraturen zugfHiglich ►'־׳,;;acht bat. Seine titanische Arbeit und sein unermüdlicher Fleiß sind jedoch damit hei weitem nie ht ,-r-, böpfl. In den letzten Jahren liit *i. b Vnhlhky Yleillig mit dem Jargon befallt und’ die ’Frucht auf diesem vollständig heuen 0׳ l.i-ie. Balzae. (,.ami/.ara. Michelangelo. Ta>*<». 1 :v• י»:: |lhh,äihe Melodien n. a.j. Oarducci. I'.... סי ו• *the, Ventagner. S1־hille1\ Ario.-to. B;tu׳l־׳l;1jr־׳. Mi» k^־׳\\ icz. «I*־ Am!» i*. Ibsen, Moli«■!»*. Imül (^-ro!>.' 1 lorneiÜ»*. Hämmerling. ■. - An׳b*r-en. Humor-, Dum.1-, A. Franc»•. i'i'ihfU -eh mm auch di♦• FIm*i*♦־tzung»־n der 1 i.-.ij. >.!׳׳ M׳1״ri- 110—'ufr|d-. E* timlet also .,,,׳>, dir (»*•geftwart ,1.-7. jüdis« h,-u Volkes mit ». i,,.-,, ,׳׳׳i-tKu-!1 '*‘trönnmgi'U in »lern grollen!'...-I.-II einen aufiuerk-amet) B» »»ha»!der. Wir f־־ * nun »ר* s-appet »ler Ke-sel, es.huzet »ler K< men: ,10,11 unten di׳* Zwei, seht see schweiget azfind. Et»» uso einige Akzente der Zartheit kann man durch die l’ebersetzung nicht erlassen. A Traum. bewegt die Lip|)eiarl1 .,» wn 1* . wu is' Ra?" .Da st»*11t d» iu Rapa Theucrer a lVnnile. dir; 11a!־ a Traum, bewegt «li<* Lippehuh .O. wu is'. wn is’ Ra?•* Im Gedichte .Am Bus»*n d»*s Oze: ..Iü׳Ii7>« h'-r Mai־ i.-t Bosenfehl 1: i'Hmgcmälde zu »lern Höchsten getan ter 4»oIni-,*11-1u—i*1*hen -huh u! ,,!au von alten, durch Jahrhunderte ge misch einiger Elemente: »l»*> ] Poesien erwarten kann, und er zeigte. vollkommener Meister *einer Spruche ist. Verse seiner Vorgänger und Zeit» den Du lder *elh-t über Kos'enfeld j Im Vorwort zu seiner Über-i 1.1—-11. . ׳in.' -1l1r»*il׳t D• r Jaraoii - in hi/.u ( .. ... i:־׳lu.ii*׳ l!en, I>־׳ut—•he!t. Engli-» h» 11. Franz»"»-! ,.jt! . h׳-n. i.at'׳-ini^ci111 ׳ und d»־r *lavi-1 •lu11־Sprachei1: Di• 1m h» sou^t» rs im I. wa> •dmlten ,lall er he ist. enossen 10׳- l',»h,1-ehe und Bu*sis־׳l1e über-! jvielleicht Frag ausgenommen) gehurten bisher ■\> 1.- r u — »►utty;11־ auch -t-»־i1׳‘d1isdn* und andere i einem engeren Kreise von Glauben?-» -1׳ i-> he stämniv -icn v»»rlindei1. — Aut ersten j and Ratriok*n, aber?-♦•ine_J*<>e*ie halmt dem At .»11׳k l-l »- ein«• barbari-che 1Sprache, wird l verstoßenen Jargon ah,-,• i.ils, i.li, h :11* Idiom nur polni-ch-msj-isrlier: Kulturwdt. Drei Jahr Kl1!>׳׳hän,lle! l».-tr.״ ld> i und ipit l medil sogar > der »Li,׳d־׳r des tdmtto״ verstrichen den Weg in di e sind seit der Hei; ׳|< ׳׳11׳r.1<־he ,|ן־׳• jü,ii-d1ei1: Larnlslreidicr 1 ■ ־i׳•׳• ^pil/i»i.l״M1 ungc—־t1en. Di».- Lit»־ratur »1♦** , .> >!_׳ ,׳! h:1l muh ׳h-n Angaben ,1׳** H. Wiener “) *1 I.׳ •n \V1. n׳׳r. Prn,'־<'.׳Ä״r tl»*r• siavis«־lion S»»ra* ' . .:״•׳ .m *i,T Hn var׳l-Fn1v׳Tsität in Camhrigtii, hat \ 1kv mit ier P-״->»• U״s׳M!fel׳)> bekannt;?»‘macht- Km• kr1*i<iי ••1)׳ An&h >,׳ Vr<־hlickys hlerJ1ri—־hpr T •Muk••!» eiitii.iit .»'a<op1- « <־sk»‘*hu י3יי*1,1«ו IVO-i aus r!־••«irr .\vi.ii 1»vr! Pr.i/.aks. uner »lie M ־•%:•׳ t» sen»׳*r l\-׳-h»?־■•lirieb Viktor r**yt in .Ka*: l׳ :l׳i.tr -,-k - /i.!ov-ky 4 und. üt»,*r H״Senfel<ls ‘ 1.. ׳i׳t V1t׳ -ä*1,׳t’.h :tt1• Vr׳ hlck) eine vorUvflli׳ lu• 1 S• >u .,'eska revue* ׳! tiefe und neu»* Poesie liridit >ich durdi < Bahn einer verkannte!! Sprach»* in di Schichten. Schon das ist ein** grolle Kulturarbeit, grolle Tat. Aber »lie Poesie Hosenfehls Hfn ksidd auf die Sprache ist in vielem neu. Sie bring in die •Poe-ie üM.-rbaupt ne 1e Svmhole und ld».*»*n. sie ist befruchtend, sie fällt in des Alltäglichen wie .ranze ausgahe und die ieseihen weiten nie — ohne jtiihsrlu n i ,!ן,, :msg^fahren*•!! B.׳h i d»*r goldene Moirogeti. Durch ein glücklich».*- Verbinde Elemente: ,!.-* *ozialeu 11ml kulturellen aus den 11 וi« )1 vor m»־in*־m Vater zu prül׳*n up»l ich >1i,-l1f‘\׳lei,-11 zu ahtwotteii wußh*. da warf ich 1:nr ׳-in» 11 ׳ Bli־׳k auf die!..»!,!>״* und gleich . : im>׳׳) ׳ i» h mich »!»•- V»Tg׳‘**cnei1.. . Mit ־ in• •11!u:,h• aber war di.-.-- Klein'o«) v«*r- ,.w■1 ... 11*«1«׳זן Ekäm mir vor. aloh einer von unserer F u;.:ii׳• plötzlich von nu> g»-gangen wäre, um 1 ׳! .vi׳ der zu kommen. Da näher!׳- -ich 1׳a- PesVachfost. Mein»• Mit— l»ül»*r freuten -ich -,1,011 auf di»- neu»־n KI־׳i׳l*•!*. di־׳ >it* zu diesem Feste erhalten Sollten. I«!; kam traurig aus־ ih r .Schule nach Hau*»׳. ‘Niemand außer »h־r Mutter, die im Beite lag. war z», Hause. Ich er.-chrak und lief dann in - die Schule zurück. Als ich wieder nach Hause kam. -all mein Vater über einem grollen. Buche heim Ti-» lnmul mein Brüderchen lag lauf der Bank und ><־hlief... I h-U stand am* kalten Ofen und!wartete auf etwas... .Lebesch! Das. Kind hat den ganzen Ta׳-׳ nichts gege-sen.־ klagte die! Mutter;hiihrem Ih-tte. Mein Vater wandte seid Haupt vom Buche al» und’sah mich linster ah. Sodann blickt»• r auf »las Bücherregal, »l^s allein von Möbelstücken zurückgeblieben war.! Plötzlieh ging er aut mich zu und fragte] ״Isak. wnha*t »tu heute gelernt?• Als ich ihm die * Antwort gegeben hatte, sprach “er: ,Nimm »lh's»*s Buch, wir wolhn *eben!• was willst du von dem Kirnte, er I noch nichts im M-muh* gehabt?• D von seinem Platze auf» und ging im auf und ab. Er rill sich nlie. Haare L׳-|),*sch. at heute Vater -ieht mich an. -Bak. lii.-t du hungrig?• Ich schämt,׳ mich und senkt»־ m» in Haupt zur Ente! und antwortete: .Ja. Vah r!־ D»־r Va^-i׳ stand Zimmer a!is seinem Bart»• und seine Stini»* furcldo >i,:11. .Weißt | »tu. Isak. daß »lie*.- Bücher heilig sind?־ fragte mich der Vater, indem .*1׳ aut den: Bücherschrank wie*. Ich erschrak hei diese!) Worten und antwortete nicht*. .Geh! Huf»*( mir den Trödhr Simon herein!* befahl er nur. Als ich mit dem Trödler zurückkam. da sah ich den (»ehetmantel aut der Er» e ausgebreitet, in den mein Vater ein Buch I ach dem andern gab. ,Nehmet. Simon diese Bücher und verkaufet sie! Gi!1 Bott weiß es... Meine Kinder sind liungrij.* I nd damals hat er geweint. Eine große Träne floß aus *ein *m Auge, einen Augenblick blieb sie auf de - Wange hängen und verlorsieh dann in dm Falten seines Gesichtes. Sülle herrschte im Zimmer. Das Lämpchen flackerte auf dem Ti:che.״-Ich verkroch mich in etoe Ecke und dachte mir: ,Das ist meines Vaters erste Träne.“ Verlanget überall die ״REVUE“, Orga alten jüdischen Traditionen — also wiederum durch Kreuzung zweier Welten, fand Hosenfeld eine neue poetische Quelle auf. entdeckte neue Töne und Klänge. Die moderne soziale Krage, die Frage der Arbeit, begegnet liier mit .Motiven des jüdischen Hebens und Kultus und beides ist von einem Menschen empfunden, durdischwärmt, 'durchlebt. Seine Poesie ist eben sein Hellen und wir müssen datier früher, ehe wir zu ihr beitreten, sein Heben kennen lernen. Es ist ein Heben von Arbeit und Qual. Hetze und Entsagung. Dali darin so reiche Blüten glänzender Poesie herausquollen, ist mir ein unbezwinglicher Beweis seiner unbezwinglichen Geisteskraft, welche bei Rosenfeld überall wie Hava durchbricht. Es ist ein Anteil der Hasse, ihre unermüdliche Zähigkeit, welche die kleinen Nationen so benötigen. .Morris Hosenfeld wurde im' Jahre 1K1>2 in einem Städtchen des russischen Polens geboren. Seine Vorfahren waren Fischer und er brachte noch seine Jugend in der Nachbarschaft eines grollen Teiches zu und als Knabe ist er unter ,lern Einflüsse seines Grollvaters als gewandter .Erzähler" in der jugendlichen Welt berühmt geworden. Zuhause lernte er nichts mehr als es bei den Juden dieser Schicilten gebräuchlich ist. ein wenig Hebräisch und Talmud. Erst später nahm ihm sein Vater einen Hehrer aus dem Deutschen und Polnischen. Um dem Militfirdieust zu entkommen, tlüehtete der junge Hosenfeld nach England, wo er die Schneiderei erlernte, l'eber die Niederlande gelangte er nach Amerika, wo er viele Jahre als einfacher Schnciderarbeiter in den grollen New -Yorker Werkstätten (Sweat-shops) zubrachte. Hier erkannte er was Arbeit, Bedrückung und Elend ist. alier zugleich wachte sein groller dichtenscher Geist auf. Die ersten Anfänge waren schwach — er hatte doch nicht genug Bildung, lernte von seinen Vorgängern (Krug), ergänzte seine Kenntnisse, las deutsche Bücher und englische Klassiker und durchkämpfle denselben Kampf, welchen Dante in seiner Zeit von seinem Standpunkte gekämpft hat. Er stellte stell nämlich die Frage, auf. oh der Jargon, iu welchem er snifgewachseu und erzogen wurde, der modernen Versiiikaiion fällig ist. Und wie Dante das damalige modische Hatein verwarf 111)11 sich zur Sprache des Volkes wandte und gvwissermallen der Schöpfer der Poesie seines Volkes wurde, so verwarf Hosenfeld das Schriftdeutsche und Englische, beide Weltsprachen, aus reiner Hiebe zum einheimischen Idiom. Seiner poetischen ׳Reminiszenzen gibt es sehr wenig, fast alles kommt aus dem Hellen. Kr lebte, arbeitete, litt — und schrieb — im ganzen nicht viel, entdeckte aller der Poesie neue Ufer einer grollen Kunst. Die langjährige Arbeit in den New-Yorker Werkstätten iinterwühite seine Gesundheit, er wurde Hehrer. Mehr wissen wir von seinen l.t-benssrhirksalen nicht. Das Buch seiner Poesie ist in :! Abschnitte geteilt. Der' erste lieilit -Arbeiterlieder-, in welchen die soziale Frage vorherrscht. Der zweite -Nationale Dieder־ hehandelt Motive des israelitischen Kultus in Bezug auf die Gegenwart, hier ist eine ganze Reihe poetisclier Bilder von groller Krall und ganz neuer Färbung gezeichnet, so dall ich diese Gesänge als die höchsten betrachte, zu dem sich die Kunst Husehfelds emporschwang. Der dritte Teil enthält ,Verschiedene Gedichteliier stellt die Person des Autors im Vordergrund. es sind grölltenteils rührende Elegien auf eigenes Schicksal. (). F. ¬ס¬ Vorwärts!*) Krakauer Brief. Wie schade, dall der ״SchlevnihP eiligegangen ist und ein offizielles jüdisches Parteiorgan wie die .Welt-, sich nicht den Duxus einer ständigen ,heiteren Ecke“ gönnen kann! Sonst würden die nachfolgenden Zeilep. dem behandelten Gegenstände nach, in diese Rubrik gehören. Ein Blättchen erscheint seit einigen Jahren in Krakau, das den stolzen Namen ,Vorwärts־ führt und ernst genommen werden will. Dabei ist es aber nichts anderes, als ein ganz gemeines Witzblättchen, das unter falschen Zira- ־tenflagge eines politischen Tagblattes in seine kleine Welt hinaussegelt. Der naive Fremde *1 Organ der polnischen Sozialdemokraten. n der Kultusgemeinden!

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.