Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- VI (1905)
- Issue
- 17 (1.9.1905)
- Date
- 1905-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdische Tolhsstimae, Bezugspreise: Kür r»«tP1Ti»ich־Ungam halbjährig K. 2־tK> iranzjahrig K!>׳- I Kutschland ganzjährig . Mark 5» - Rußland ganzjährig Rul>e] 250 Schweiz. Frankreich. Italien. Türkei. Rumänien. Serbien, Bulgarien u.s. w. Franks 7 — inklusive Postzusendung. VI. Jahrgang. 1. September 1905. - 1. Elnl 5665. Nummer 17. Redaktion u. Administration : BrQnn, Adlargaase 9. Die >Jüdische Volksstimmeeifcrhrint am 1. und 11־. eines jeden Mo^iatei Buckhindlerisclie Vartretaag: Ott• |(leNea. Leipzig. Postsparkassa-Konto Xr. X&6.040. Herausgeber und verantwortlicher 1 ieda cteur MAX H1CKL, Brünn. — Druck KARL Hi BIC ÜT. Brunn c '־fehftttio! Die Empfänger der heutigen Summer, die mit der Abonnemrntsgebühr im Rückstände sind, werden um gefl. eheste Zusendung des Betrages ersucht. Im anderen /■'alle werden wir uns erlauben die Beträge mittels Postauftrag zu beheben. Die Administration. Mit der Wahl zum Präsidenten.des Engeren und des Großen Aktionskomitees ist mir eine außerordentlich hohe Ehre erwiesen worden, die jeh wohl zu würdigen weiß. Ich fühle aber zugleich die schwere Hürde und die große Verantwortlichkeit, die mir damit auferlegt worden ist. Es ist nichts geringes, die Arbeit aiifzunelinien und fortzuführen, die unser Herzt uns als heiliges Vermächtnis hinterlassen hat. Acht Jahrt‘ hindurch war es mir vergönnt, ihm und dem Zionismus als treuer Mitarbeiter zu dienen. In dieser Zeit hatte ich Gelegenheit, die Größe dieses größten und edelsten Juden unserer Zeit zu bewundern und die Wucht der Last, die er getragen, zu ermessen. Wenn ich gleichwohl dem Hufe willig getolg! bin. so geschah es, weil ich es für eine selbstverständliche Pflicht halte? unserer großen Sache mit ,vollem Herzen und ganzem Können׳‘ zu dienen und weil ich auf die Mitwirkung und Hilfe aller guten Zionisten zähle. Als Vorsitzender des Großen und des Engeren Aktionskomitees, mit denen gemeinsam ich nunmehr die Geschäfte unserer Bewegung zu leiten habe, möchte ich in wenigen Sätzen den Weg bezeichnen, den wir nach meiner Ansicht jetzt gehen müssen. Das Grundgesetz unserer Bewegung bleibt das Baseler Programm, wie es uns der erste -Kongreß gegeben hat. Unser Ziel ist einzig und allein die Schäftung einer öttentlich-reclitlichgesicherten Heimstätte für das Jüdische Volk in Palästina. Von ihm dürfen wir weder nach rechts oder nach links auch nur um Haaresbreite abweichen. Wir diufen weder abentenerliehe bandsiH'her werden noch ir Palästina pliilantiiropische Kleinkolonisation t ־eil)en. che. Dieser ind treten, Zionismus Unsere Bewegung ist eine politi Gedanke darf nie in den Hintergr Wir! müssen wie bisher die Politik de Aufgabe nnsei er Leitung Hinsicht als die, wichtigste ans! ‘hem Wir wollen Palä-lii.a in jed erfersde». damit wir die not wem igen realen Interlagen für die Zukunft Schals u und zur rechten Zeit mit den erforderlichen Kenntnissen uisgerühtel sind. Wir wollen aber all«-, jüdischen Privatunternchmunj! wicklung des Landes zweck׳ derl En mitj all nntjerslützen. W Baieier J11« eu md die Ilehuiu.' des Volk^hcwußtseins U vernachlässigen. Vojr allem wollen wir unsere Organisation stärken mul nnshunen. daß sie kräftig und vefügt geling ist. um zu dauetfi, bis sie in; latorischeu Studentenvereine-: 4״pol schon jetzt en. welche ienlich sind, zu Getmte stellen len Mitteln wollen auch die anderen Programms, die Zusammen! assung aller Punkte des durch Spaltungen Sdiaden leiden,!►er )Zionismus ist aber nicht eine Partei in d; י udfidieit. «ler Zionismus ist eine Volksbewegung. ist das Volk selbst. In ihm können daher ale Kirhtungen und Meinungen Baum finden, w auf dem Boden «1 «׳ s Ba >«-l«׳ st eben. Zionisten! Ein jeder von km? seine Krall doppejt a1K«|>ann1«n. nit muß jetzt ׳lopjwltem Eifer für unsere heilige Saelie ai heilen. (Limit wir den unersetzlichen Verlust ülicrwinden können, der uns im Hins« beiden unseres Ib*rzl getrosten hat. Dann dürfen wi• libffen. mit unseren eigenen Augen 7.11 seht*״ di*j Bückkehr nach Zion. | Köln, in «ler Tnwte-wndu* .'»11«;7» David Wolflsohn. Jaroslav Vrchlicky über Morri j Rbsenfeld. Vor kurzem sind im Wriafe -)« Hichfungen nn sie nur Pfogra ms StaL1־tswos(‘11 einmündeii kann. iWir müssen (Ulli. 1t daher Jür unsere Arbeit in erster Heihe Fachleide hjeranzichen und uns solche hpranzubilden vei sucllen. damit «li«* (►rganisatibn jederzeit mterbrorfeen in Ordnung arbeiten kann. Die Laiulesorgaiiisationen müssen gestärkt 1 gestützt wer,len. «he Wrhffltnisse aller Yej1־ ׳ein«] und Gruppen so geordnet akademikü zulü* .Die Li«der ,1- - G Morris Hosenfeld in «ler Übersetz mg chischen Dichters Jaroslav Yrchli« kv Vrchlicky. eine Erscheinung in chischen Literatur, «lie ganz at ges den übrigen Poeten ist. steigt mit as<mnk teskvch letto*־ von des tsclie-!*rschienen. -der ts«11־eändert von ent: chiedenem Glücke aut neue, erstaunlich Ia he werden, daß menschlichen Wissens und Fühle 1s enpor. ^ein di׳j Agitation eine einheitliclie undj zielliewußte I genialer Geist konnte sich nicht aul wisd. —!!!)eschei,lenen Verhältnisse s«-i! c.-r! Wir müssen st1־eng «larauf gedacht sein. ■ beschränken — er ging xiirücpc daÜ die Gesetze, die wir uns s«ib>t gege'ben gangenheiten der Nationen. Iia ion.!)**folgt und all«* Vorschriften über' ein in die Kulturen der Völker >p«*g auf in Vereine. Land(?sorganisati(m«*n und jlie Kongreß-, «len unbegrenzten Kosmos, blic de tief in «lie w; hleiii auf das Genaueste beobachtet werden, j Menscbenseelc hinein und all «1 es Wpr müssen auf die weitere 1 Entwicklung eine unerschöpfliche Quelle grqßer unserer Finanzinstitute b«־«la« ht i**in und un- Eindrücke und Gefüllt«׳, erpiüdli« 11 für di«׳ Vermehrung des N'ationulfonds Das jüdische Volk mit s. ine arbeiten, wir müssen aber auch die Finanzen' Vergangenheit weckte in Vrebln Stufen des de»- Bewegung selbst auf eine sichere;und gesuhde Basis stellen. Zionisten! Brüder! In unserer Bewegi^ng haben sich verst binlene A verschiedene Parteien gebildet. *Dirin sehe ich «hfrchatis keinen Schad«*n. Nur eine* Part»ri kann die engen. Umgebung 1 «lie. Yerleist drang wurde ihm Probleme, tragischen •rständnis FEUILLETON. auf das schlafend!׳ Mädchen, ans dessen offenem I Meines Vaters erste Tr£nJL Vnn Qtalomon Asch. — Dem Jüdischen nachgebildet von Heinrich Majerhof. Mein Vater hat geweint. Ich habe es selber gesehen, wie eine Träne ans seinem Auge tloß. einen Augenblick auf der Wange, hängen blieb und sieb dann in den )'alten seines Gesichtes verlor. Mein Vater bat geweint. Seht ihr. wenn meine Mutter geweint hätte, würde es nicht so heftig mein Her/ ergriffen haben, wie die Träne meines Vaters, dom dieser hat noch nie geweint. Selbst, als meine jüngste Sch wester Kachela gestorben war ... Ich erinnere mich noch gilt meines Sehwesterchens, eines lieblichen Kindes. Ihr kleines, rundes Gesicht, die pausbäckigen Wangen hptten etwas Entzückendes an sieb. Die groben Aigen waren schwarz und schauten aus den 'röten, schmutzigen Bäckchen lächelnd hervor. Mein Vater püegte jeden Abend spät aus dem Jieth- Hamidrosoh zu kommen. Die Mutter stand in einem Winkel der Küche, von wo Rauch und Dampf heraus drang. Der Vater setzte sich vor die Wiege Rachels, saß und schaute vergnügt kv |V und Bewunderung, seine Herren ׳ zogen ihn schon von seiner Jagend an sich und von seiner Sympathie mit dem kleinen Volke ge-;lschammgen, langte er zu manch schönem Motiv aus dem jüdischen!.eben. das soviel Kien« zeigt und so wenig Freude. Stellt doeli sein künstleii- | .Münde weiße Zühnchcn liervnrldi ■kten. Wenn! mein Schwesterchen krank war. da saß mein Vater Tag und Nacht vor der Wi ■ge Mein Schwesterchen starb. Sie lag auf der Erde.- mit eil 1dm schwarzen Bilirtuchebedeckt : ein Lieht hiannl ׳ zu Iläupten.!.Meine Mutter saß neben dir um weinte und milchte dem liehen Gott Vorwürfe und wir. wir weinteu. selbst mein kleine) Brüderchen f lag im Bettrhen und weinte laut (oh wegen Todes meiner Schwester Mnttef seiner vergessen, weiß ich alle weintqn. Nur mein Vater allein ging er- ,(der weil die nicht), l'nd Aber keine Geschichte wissen, sitzt schüttelt im Zimmer auf und ah. lYäne zeigte sich in .-einen Angel. [ Nur damals hat er geweint.; Nun will ich Euch die ganz׳׳ erzählen. Mein'Vater, müßt dir dön ganzen Tag im Betli-Hamidroscli und studjert die heilige Schrift. Meine Mütter verkauft auf dam Markte in einer Bude Schnittwaren, 111111 wenn kein Markttag fest, geh) sie mit den Waren in die llänse^ und verkauft sie auf Abzaliliing. Zu Beginn des Wintcijs trug es sich zu. daß sie sich verkühlte. Beyor sie nach Kroirechewitz auf den Markt fuhr, schärfte sie dem Vater ein. uns wegen derlgroßen Kälte nicht in die Schute zu schicken. Vor ihrer Abt 1 uhs und gal! liir |mit Möses' reise verabschiedete sie sich uns je einen -Vierer* und Wagen auf den Markt. Von dem Markte kam di - .\lntter krank zurück. Von damals un kränkelt* siel den Wider hindurch und mußte unausgesetzt da; Bett lichten. Mich schickte sie in die Hi User. Schulden einznkasieren. Wenn der Vati r; liends;dies erfuhr, so war es ihm nicht npht] daß mich von der Schule abhielt. A Hause kam, da sah ich die :wc kupftniei! Schüsseln, die׳ immer auf der Wand 11f einander hingen, nicht mehr, t •h yerwun ic 1 einst lxnrte verlangen Icti mich, sprach aber nichts. Ein? 11d< resmal mißte ich die Wanduhr mit d •n Schnüren und den schweren' l lew ichten. wunderte mich, aber sprach ni< lits Ein anderesmal verpiißte :! , wiedc r die Hängelampe und den papiernen ■La npensc liirm. mit dem die Lampe von eine r: JVssali, zum anderen, neu versehen wurde. Nu 1 war, e ich schon traurig, setzte mich in die Eckt und schwieg. Diese Lampe war für tmslvon großem Werte gewesen. Mit dir erschie 1 ujid wu* jetzt ach! die häusliche Gemütlichkeit verscliwijnden. Freitag abends, wenn die Mutte; inj den Schhhatgewändern den Fisch teilte, funkelte 1 diese Lampe ganz anders wie an W, chqntagen. und wenn Sabbatnachmiltag der ijehner kai) ©xToxsx'to't 3״”■clcLxsoIxsxx \/ oüxslxsJ-SXxd-SX! -