Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- VI (1905)
- Issue
- 16 (15.8.1905)
- Date
- 1905-08-15
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2621806-6375628-6375864--1095-4860527- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 16 wird begreifen, daß nicht die Erfüllung seines Selmens für ihn ein Endziel bedeuten kann, sondern daß ihm mit dem Bewußtsein, für eine Idee, von deren Erreichbarkeit er überzeugt ist. gestorben zu sein, genüge getan ist. Herzl, unser ״rütlter Idealist, starb im Bolus, die nächsten Opfer, die kleineren, werden in Palästina fallen, piisere Intelligenz wird einen harten Kampf ^..gen die Unkultur und Finsternis, die heute das Land beherrscht zu bestehen haben:' aber dieser Kampf ist so unvermeidlich, wie gewiß der endliche Sieg der Kultur ist. Die meisten von uns können nicht Bauern werden, da ihre bisherige Entwickelung sie in andere Halmen gewiesen, aber nationale Lehrer־ und auf klärende Kulturträger können sie werden. Sind erst diese Opfer gebracht, dann werden sich unsere nationalen und politischen Möglichkeiten im Lunde verzehnfacht haben. Man glaube nicht, daß diese Anregungen bloße idealistische l'hanlasjteivien sind, im («runde bestehen sie solange, wie der Zionismus seihst. Aber es gibt Momente, wo man die Notwendigkeit solcher persönlicher Arbeit klarer denn je sieht. Kür mich ver- *lichteten sich die Vorgänge auf dem letzten Kongresse zu dieser Erkenntnis, neben welcher mir alle anderen Ergebnisse gering erscheinen, weshalb ich sie auch hier übergehen will. Es mag sein, daß meine Anschauungen zu einem Teile der Niederschlag subjektiver Erkenntnisse i».-,b uten. Eines möchte ich aber allen Zionisten zu beilenken geben. Unser Volk bringt unge- /fililte Opfer in seinem Kampfe im Bolus. die a!1 Zahl in keinem Verhältnisse mit den Erfolgen stellen. Ist es nicht besser unsere Kräfte für die eine Arbeit, welche die letzte Entschni- *hing über Leben oder Tod des jüdischen Volkes billigen muß. für unsere zionistische Arbeit zu konzentrieren? Im Bolus ist unser zionistisches Bekenntnis mehr oder weniger Ideologie, möge es bald zur Tat werden! Ba»ei. Anfang August P.K>5. .losef Meist. Jüdische Volksstinv ne. IRUI1«UPP mm ü chwujst und : Stilisten, dem Künstler der rstrebt haben t*s gern gehört hätte” ohne Uebertreibung. die dem feinen vornehm maßvollen (leiste, dem gedampften fl lalhfarhen lief wid< würden. will versuchen, ihn zu sehen und Zu zeigen, wie er wohl einst doii Bescliichts- Schreiber erscheinen dürfte, der!ihn. unbeemjlußt von der strahlenden Wärn!4 der Person- [ichkeit, kühl nnth seinen Taten beurteilen wird. Am 3. Juli,, den 50. Tamu». des vorigen Jahre(; hat Theodor Herzt für immer die Augen geschlossen. An seinem Todestage halle er sein UV. Lebensjahr nur mn zwei Monate über- Schritten. Der laute Anfsclirei di*s Entsetzens, die lange Wehklage, die der tausendfache Widerhall der Nachricht von »einen( Hinscheiden wareil. ließen ermess*־n. was erj seinem Volke gewe-jen. Mit ■>’» Jahren dem jüdischen Volk ganz nmbekannt. war er neun Jahre später sein Stolz und seine HoRnung geworden. Daß er Seite 3 laude rer (1L wi 7a n; u f# rti!: sich Wiesen Platz hu jüdischen pühleti lud erringen können, ist eiifr: seine.i wunderbaren Lehens. 1fr war eine weite Strecke Wasser der Assimilation gewate tiefe Stellen, wo es ihm fast ül>4■ 1 schlug: in den seimigsten Jahn n seines Da• ] seins war er ganz von Interessen eingenommen,: :die keinen Schimmer jüdische 1 Charakters (Zeigten; er ging ganz auf in den künstlerischen׳ j Aufgaben: er lebte sieb lestlos tus in schritt- : stelleri.-cher Arbeit: er batte keinen anderen , Ehrgeiz. als die Bühne zu ero ״rn und sich im erkämpften Behiete* zu behaupten. Nicht*; lenkt«! ihn in die [ Lehe1|>arh«ut: nie Hichtnng seine lields regt♦• seinen »ehäfÜgung mit jüdiscl ,Tag kam. wo die Lag« Judentum!nichtig ins Be Denken und י der Wunder ־ durch das auch durch den Scheitet r eigentlichen Beist zur Be- Krugelt an, bis der tes jüd sehen Volkes . Der \ II. Zionistenkonoreli Die Rede Nordaus. Beehrte Versammlung! Der zionistische Kongreß tritt zum erstenmal ohne «len znsammen. der ihn geschalten hat. Den siebenten Kongreß, «len Sabbatkongreß, sollte »ein Schöpfer nicht erleben. Diese Estrade bietet nicht «las Ihnen vertraute Bild. Es tehit die ragende Mit t eipunktgestalt mit dem schwarzbärtigen A**yr«»rkopfe, die alle Blicke auf sich zog. Mir, seinem ergebenen Mitarbeiter von der ersten Sliuule an. ist die ,schmerzenreiche Aufgabe geworden, unserem toten Führer. Di. Theodor llerzl. «len Nachruf von der Bühne zu widmen, deren Aufrichtung eines seiner unsterblichen Verdienste ist. Was ich persönlich empfunden, ulwir ihn verloren, braucht nicht vor Aller Blicken ausgebreitet zu werden. Hier will ich i'iirh zwingen, von ihm zu sprechen, wie er | ihm « in eigene: j wustsein rief. Er lebte Mitte der Neunziger Jahre in!,Pari». E« war der tragisch«; Augenblick, wo : der französisch«• V«dksorganisntus von «1er Dreyfuskrankheit befallen wurde.1 Die Straßen begannen widerzulialien v״m Schrei: .Tod den (Juden!* Da horchte llerzl hoch imt. Eine «1er mplindlu.lisleii Stellen »eines \r«;»«»ns wurde von einen( vollen Hieb getroRen — »ein Stolz. Denn Ihrzl war ein »lolzer Mann: nicht hochmütig, nicht eitel: »tolz! Das iieißt. er j hall«״ das bestimmte D«-wnßt>«*i11 seines sittlichen ■her Naturen. rW«*rtes nmljjene Selbstachtung ad! die es in! sich schließt, •laß Väter gernje gedenkt. Kr empfind sein Blut als ein kostbares Erbe, »«•in«• Hei kunfl ab eine Auszeichnung. Dieser durch 1m«i nehme Jiulk «1er als Wrtreh*r de: Presse in I'aris von Beruf** wege Versammlungen besuchen, täglich gehen und die antis«1niti-« h*־u Scbrifleu Ibsen mußte, blickte .Salomon. was willst Du!“ .Was ich will, fragst Du mich? Muzin •«111 Pcssah ess«׳n will ich, Büsewielit! . . .“ -Srhi'nule. gib ihm einen Rubel!“ befahl (•l»־ jker seinem jung« n Schwiegersöhne. ,Und Du Ciuni♦• sofort das Chamiz von liier weg!“ waiulte ♦•1־;i«!1 mit verächtlicher Miene an Salomon. .Da hast Du eine 1 Huhel.“ sprach der Schwiec• rsolm «len Buhestörer an. Aber die Augen fchdo- 1f1׳u1s sahen weiter die Babe noch den Bebe» .Was. mit einem Kubei «lenkst Du mi«u ab* Z'ifyrligen? Bösewicht, weil, weh...“ schrie Linizcr laul «irohte Chejker mit seinen Fäusten. .Marie! Marie!* riefen jetzt viele Stimmen zugleich, .hole den Hausknecht!!־ Der Hausknecht kam. Vor allem befahl man ilun «las Chamiz zu entfernen, dann aber entfernte ‘•1 auch «las andere .Chamiz“, «len RuhesDFVer. ms ih m Hause, um ihn der Polizei zu üJrifrgt*be11. damit ihn Riese ob seines .frechen“ ÜbVmlle)* im /,!stände der .Trunkenheit“ einsperre. a Als Salomon in «lern Gefängnis angelangt war. brach er in Tränen ans. Er weinte nicht wie ,‘"י Betrunkener, sondern wie ein hoffnungsloser, aufgegebener Mensch. Der Kerkermeister Wunderte sich zwar über dieses sonderbare Gebaren des Sträflings, aber s«*in eigenes ,Ich* befahl ihm, Salomon verächtlich und stillschweigend anzublicken und er — tat «lies. au auch der durch vor- Neuen freien alle Volks- 1 die Kammer •itmigen und bändernd in den Abgrund antisemitischer Beslidität. «1er vor jlun aufklätUe. Er ertrug es nicht ihm s^ine Vorfahren beschimpfte 1!kommen schmäht«•. Er empört«.* •ranzen Leidenschaft seiner »buk« ur «t seine Nachdie rujfhlosen Lügner. «I Zusammen in «bin Bru sich mit der. 1 Natur gegen die ihn mit allen Juden imdiietz «•■ner Kolektivehifingen. tun ihn zvr moralischen nach Anlage allseitig frei nahm sofort Zu Verleumtliiii! Vernichtung zu schleppen, und und Entwickelung bis dahin «in« dastehend«• Kige!1p«*r»önlic|1k׳it, mit tupferm Trotz«; 411«* B«-m« inhkrgschaft mit den Seinen vor «lern Feinde an, ler die Juden um il|rer. Hasse willen aus der menschlichen Gemeinschaft stoßen wollte. «lachte über sein Verhältnis zum jüdi- Volke, über «las Verhältnis de» jüdischen zu den anderen Völkern nach, er ge- 1 , » ן »dien I Volke: langte; zur Erkenntnis, daß «lies« - Verhältnis unleidlich sei. und da er ein »taiker und entst-lilosiener U.harakler war. faßte er sofort den Vorsatz. «lie Verfassung und «li« Lage seines Volkei dessen Schicksale er teil* :1 mußte und nun apch aus freier Entschließung teilen wollte, von G1 und aus zu ändern. Niemand, auch er selbst nicht, hatte bis jeahnt, die er llerzl wuchs dahin . in ihm die Eigenschaften für seine neue Aufgabe mitbrachte wirklich mit seinen größeren Zwecken: <*r wuchs so gewaltig(, daß seine Bekannten mul Kollegen ihm mit dem gewohnten Maß-lub nicht mehr nachkömmen konnten und ihn nit albernem Holm oder schimpflicher Naci1re*b ׳ *anfeindeten, weil er über ihre kurze Elle hin: ausgewachsen Aus dem anmutigen Phi vollen Erzähler, dem geistreich l spieldichter wur«le über Nacht mit weitem Umblick, der einem nahezu ungangbaren Waden küh zustrebte. Nörgler haben uasenrümpfei Herz! habe «len Zionismus nie! habe ihn fertig vorgefunden un seiner Vorgänger ungeeignet, nur zu nennen, leb aber st. Kenntnis der Tatsachen fest, gängem «chlerhterdmgs nichts «len Zionismus in seinem Herz, in seinem Geiste sy-t«‘1natis« h nachdem er mit sich!ranz er Pinsker und Moses Heß k׳ Begegnungen, die ihn erfreuten, zu »päd. um ihn etwa» 7.11 Mn׳ Es ist einmal -« herzhaft was wohl aus Liszt und Pad; sein würde, wenn »ie mit iln Benie zur Welt gekommen Klavier und 1 die Beige erfun«J Antwort auf «lje»e Frage• gibt He Er war tatsächlich «ler Liszt o« vor der Erfindung des Instn war. auf «lein aHeii! sein Genie konnte. Herzt war ein geborener Sta. Hanges ohne Staat, «dm«• ory ohne ein einziges der Macht!!!! t praktische Politik machen kaum nicht ♦•inzig «la. Immer* noch Jiidenvolk von Zeit zu Zeit Talente herv« »r. für *lie ♦-. k* hat. Manche «,haften «ich •gM«*t keitsgebict. aber e«-lbauß*‘1־h Denken Sie an Disraeii. für < gemein«!«* si, her zu eng g«-we «las britische Weltreich ihm k 1 war. Her/.l. ich sake «las ruhig 1mich nicht zu Uelwrschwam lassen. Herzl hatte «la» Zeug > Disraeii. Er hätte einer wenlei er getan hätte, was Lord Bea«־r er wollte es nicht tun und 1! 111er1m1gcre<l‘*t, resel1aß'«*n. er ich das Werk o(u1e sje auch aus sicherer er von V«,r- Üte. Er fand Er haute~ihn» Erst Jahre, war. lernte 1. Es waren Aber sie kamen er m 11 daß man ווו 1att - dem Martyrium, mit leerer Hai machen zu wollen, große Politik Volk, dessen amtliche Wrtre: führer leugneten, «laß es ein V Herzl ging kaltblütig daj; Mensehenstaub ohne gemeinsai Ziel«* ein Volk zu schmieden. Lan«l zu gewinnen, ohne II♦•« ohne Finanzen von Regierung*׳ diesen Faktoren rechnen. Zu! erlangen. Das war ein Internen der Kühnste zurückgeschreckt ein vollkommen aussichtslose sagten «lie Gegner de» Zionisn war von »einer Ausführbarkeit ließ sich nicht irre machen. Utopie nannten. wa< er als nötig♦ Werk vor Augen hatte. Es wäre eine große Un?*' Urteil abzusprechen. Er ha einen scharfen kritischen Sinn als andere alle Schwächen eir Wenn er gleichwohl ohne Zög was anderen unmöglich bis schien, »o erklärt sich «lie< au: seiner Sendung. Als er «len Gedanken faßt Volk «len Weg zur Erlösung aus Schmach zu' weisen, da kannte seinen Eltern abgesehen, eigen einzigen Juden — sich seihst, lebendigen Judentum hatte er Beziehungen gehabt. Es lebte Stellung nur in der Verkörper Makkabäus. Bar Kochbu. Juda \ Heine. Die Eigenschaften diese eigenen Eigenschaften setzt«* € bei allen oder doch «len me׳ genossen voraus. Er nahm an viele Juden sein wie er ent länger Erniedrigung zu ertrag seinen stählernen Willen, seinen seine ideale Begeisterung, »eh Selbstlosigkeit, seinen Opfermut daß auch dies Machtmittel seien > Staatsmann arbeiten kann, and kein Land, kein Heer, keine Fl nanzen zur Verfügung hat. Ver laueret in Gast- und Kaffeehäusern <ße ״Jüdische \ ofksstimnie dem gemht-!feinden Li -t- Staatsmann!!lohen Zieltmf nd beharrlich *agt worden. IN geworden «peziliseh♦••!!feil, **lie du» waren. Di♦• Erscheinung. Paganini. der nt» geboren •11 oftenharen »mann ersten feierte» Volk. womit man!Mn Fall stellt billigt da« alte tiatsmännis •he Verwendung hl ein Tätigihr*•« V«dk*•«. ♦ •im* Judenwäre, «la ja inhi weit genug i n Bewußtsein, fortreißen zu einem and«*rn Innen, wenn > lielil tat. AImt »il1i«*«l shh zu groß♦ Politik fük «las jA«li-ct!e und Wort- Ik »ei. af. aus einem ■11 Willen und Ifesen! Volk ein ohne Flotte, «li«* nur mit ebtän«lni<«e zu ipen, vor «l«;m äre. Es war Unternehmen. Herzl aber h«rzeugt un«l amlere ein«* ind möghcln's litigkeit. Ib rzl im (icgenteil nid—faml früher Plans heraus. nnt«*1׳nu!1m. Verrücktiieit dbr (»♦•»*•liicht«; m jüdisclum;1 usen«ljährig«T tr genau, von li« 11 nur einen $u{n wirklich♦'!!, dahin keine ו1ו) s«״iner V«»r- •njigi eines Judas 11 •vy, Spinoza, Männer, seine c Ime weiteres den Stammesa le od«*r sehr h ossen. ni<*ht g *n. sie hätten at liehen Ernst, unbegrenzte und er urteilte, mit denen « in wenn ei^ noch lotte. keine Fi-