Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- V (1904)
- Issue
- 20 (15.10.1904)
- Date
- 1904-10-15
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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ilt. 20 jüdische Bollsktimme Seite 3 qejchcn, da« au« ,sitere kasze* bestand und an dem sich 10 Personen jattefjen sollten. E« kostete wie nur die Wirtin sagte — 4 Kopeken (lOPsennia>. Außerdem werden noch ost gegesien: Kar-!osiel, Bohnen mit Nockerl. Hammelfleijchsuppc mit Ncckcnl. .barszcz" «rote Suppe,. Beim geringen Verdienst essen sic Rettich, Möhren, Zwiebel. Kurkeii, Häring mit Brod. Gewöhnlich essen sie nur einmal täglich, manchmal auch nur einmal in zwei tagen. Vor jeder Mahlzeit waschen sic sich die Hände; die Wohlhabenderen trinken Schnaps, die Aermcrcu essen Rettich. Man kann es bestimmt crstären. daß in de» ärmsten Stadtvierteln die tagiidjf Ernährung einer Person durchschnittlich eine Kopeke {!2) ׳ Psennig,, einer wohlhabenderen fünf MlH>. foti kostet. Trotz dieser schlechie» Nahrung ist die Zahl der Krankheitrjällc verhältnismäßig gering. Tie Juden haben die« ihren zumeist antiquierten, aber :roydcln noch immer guten hhgicnischen Vorschriften zu o.rhanken. II. Von V. W. Koslowsli, prall. Arg. Pie die einzelnen Juden leben, erfahren wir am besten aus meinen Tabellen. Ich habe nämlich dreißig Juden von verschiedenen Bermögensverkält- Nisse» ] und Berussarten in verschiedenen Jahreszeiien;eine Woche hindurch beobachtet und ich bade all,- notiert, was nur cinci derselben in seinen Magen d,s P gori! n und 11 niäilai An Feierlagen: 1. Ter Wohlhabende 147 Gramm; 2. Ter Arbeiter Ivrj 2. Ter Arme >21 A» allgemeine Wahlrecht besitzt, werden ihren Willen in der Form zum Ausdruck dringe», daß sic Männer ihres Vertrauens in die Gcmcindesrubc scndxn. Ter. Brauch», daß wie in anderen Bcrtretungskörpern die Kandidaten aus-«in bestimmtes Programm der ndidalur anuseldcten, war bei uns nicht am Platzes Wer in der glücklichen Lage war. mit uesteren Kayalmachern gut Freund zu i sein, über--«» gcwisies Kapital verfügte, haue ein 0 , . .. .!leichtes Spiel. Er wurde gatzz ciisach von linieren u --u7i.r5lt“"3 B1«ltr Speisen dient die: braven ״alten" Herren im Kultnisvorsrande Zwiebel. Lurchichnilllich entfallen aus einen Juden Zrc,tagen und. Feiertagen kommen noch i hinzu Fische. ’ | Wahl 1. Ter Wohlhabende wöchentlich 200 Gramm;! 2. Der Arine ' ״ 3. Ter Arbeiter " —! .läglich .,0 Gramm Es ist jedoch die Ansicht salsch,!als otz die Zwiebel dem Juden einen Teil der .Nahrung ersetzen würde. Tie Zwiebel ist sehr wenig nahrhaft, sic wirk! lediglich als Reizmittel .aus die GeichmackSucrven und besördert die Vcrdauung. ausgenoniine» hat. Bei der Bearbeitung aterials habe ich di- Juden in drei Katecingctcilt:!?Wohlhabende, 2 Handwerker berhaupt physische Arbeiter, 3. Krämer und beitendes Proletariat. Tie einzelnen Tabellen belehren uns. ganz ^ualität und Quantität d-r chnaps wird vom den Juden gern gelriinken. finden es' nir richtig, daß I dl Kultusvorftand ipeziell am Sonnabend. Es trinken täglich: wird und damit ״basta". Uniet diesem Zeichen i,lT J!je!c*e 02 Gramm: . wurden in Brünn Jahrzehnte hindurch Kultuswahlcn ־^ ־rbelter 1־ - gemacht Tie große Masse der südlichen Bevölke- .^. 4er ,trme > : rung wurde mit allen Mitteln in! einen Schlaf ge^ Im Allgemeinen verstehen es die Juden sehr kulli und wurde nach und nach, aber sicher, allem gut zuzubereiien, da sie einen seinen Gaumen haben. ״Jüdischen" entfremdet. Tie seinerzcitigen Kultur- Tic'e Zubereitung ilcht unter dem Einflüsse dreier. wählen waren ein Produkt dieicr srntjudungspolilik. genau über die Rahruigsmittel. )eizenmehl. weiß und dünn, verzehren selbst! Arlmslen als Nockerl oder Nudel. I! Ter Wohlhabenlfe täglich .'>0 Grauim; 2, Ter Arbeiter ״ 147 ״ ' 3 Ter Arme 2־7 ״ durchschnittlich 110 Gramm. K niossel essen nur die Armen als eine besondere Speise. Für die Wohlhabenden bildet sie »ine Beilage zur Suppe oder zum Fleisch. 1! Ter Wohlhabende täglich 00 Gramm: 2. Ter Arbeiter 441 ״ 3. Ter Arme 101 ״ durchschnittlich 300 Gramm. A ich Hülscnsrüchtc wenden nur von den Ar'm-n in größeren Quantitäten gegessen. 1. Der Wohlhabende täglich 7 Gramm: 2. Ter Arbeiter ״ 07״ 0; Ter Arme ״ 32 ״. durchschnittlich 4*5 Gramm Fleisch kommt nur bei 55 Prozent jüdischer Arbeite: aus den Tisch. Ter Quanlität nach wird das>.;l>■ verzehrt: ' An Wochentagen: 1. Ter Wohlhabende 150 Gramm: Ter Arbeiter 52 . Ter Arme 82 zum Vorstandsmitglicde gestemveli. Fähigkeiten, jüdisches Gefühls religiöses Inter, esse: lauicr Tinge uni die sich keine Katze ichrile. Was haben die Wähler zu sragesi? Was gingen all diese Punkte die jüdische Bevölkerung an? Wir von Gottes Gnaden, Vatöon wir wollten sagen, wir, »ns selbst gewählten! Kulturvorrtändc ,vakloren und die sind? der Geschmack, die rituellen 30 bis 40 Spießbürger schritten Air Wahl und dm Vvrjchrisieu und die Sparsamkeit. restlichen Slimmcn wurden, falls man cs für Wenn wir alle. Nahrungsmittel zusammen-.! notwendig erachtete, von den zählen, so kommen wir zum Resultat, daß ein ersammelt. Es dürfte gar ni Gramm scKlfnbr'tr l. Ein Wohlhabend r 100 57 21 xä «71־175; 2. Ein Arbeiter 111x50 I!i S7 591)45 3. Ein Armer 19 20 341»:; Somit besieht-. )ic burchichnittliche Nahruna eines Jude» aus . . 00 00 18-42 94־493 falls ״Schamogiui" eingenicht Wunder nctpnen, wachscncr Jude (von 17 bis *50 Jattren! durchdaß eine Gemeinde w!e Brünn, es duldete, daß ein schniiilich läglich folgende Stoffe zu sich nimm!: Mann, wie Jul. Riltter von Ähmperz, als Pra-!sidc'nt der Kultgsgcmcindc 1*!Jahre lang den Vorstandssitzungen ferne blieb. Jul. Ritter von Gompcs; mußte dem Anstürme der Zionisten weichen. Wir haben die jüdische Bävölkerung Brünns aus ihrem Schläfe gerüttelt. Ilnjere Vorstands- .Mitglieder, die förmlich mit eiizcr Taubheit ge-, 'schlagen waren, vernahmen plötzsich, schlaftrunken, die ehernen Schrille des jüdischen! Volkes. Schlaf-! Vergleichen wir Damit, daß zur Ernährung trunken rieben -sic sich ־־die Augeki, sie konnten es eines normalen Mannes bei mäßiger Arbeit 120 nicht fasse». Laß es einen jüdischen Volkswillen l'lramm Eiweiß, 50 Gramm Fett. 500 Gramm gäbe. Es pochle mit eisernen Händen, — krachte in Kohlenliydralc noiwendig sind, so kommen wir zum ־ttllen Fugen. Er er'choll der;ll»s: alles jür und : Resultate, daß die Juden zu wenig Eiweiß. Kohlenalles durch das Volk. Tie letztes! Wahlen, die int Hydrate gnd insbesondere Fell zu sich nehmen.! Zeichen des jüdischen Volkswisllcns^ iiattsandcn. Aus Grund der Untersuchungen des ProsessorS! brachten Leben in »nscre KulsuSgcmcinde. Ein aybulrki und der Tokloren EhelkowSki und Ster-!Wahlkampf lobte; von, den Mach hadern wurde die ing über die Ernäyrung der anderen Bevölkerungs-; Parole ausgegebcn: Kamps gegen das sclbftbewußre chichte» kommen wir zur folgenden Tabelle:! Judentum. Wir umcrlagen. M»t allen erlaubten «»ח!: und unerlaubten Mitteln wurde! gekämpft. Wenn wir auch nicht imstande 'waren,, Männer unserer , Vertrauens in die Gcmeindesluvc zu bringen, so : konnten wir doch uns unserer Niederlage freuen. : Besiegt und doch gesiegt! Wir hüben die Bevölke! rung aus ihrem Lchlase gerüttelt;. der ״lüde! . . 95-Ä8 18«9«־•1*4׳j־i über 800 Juden, die sonst lim jüdische Sachen Tie Ernährung der Juden ist also ungenügend.! sich nicht kümmerten, gingen zuij Urne. Wahrlich Lcr ärmere Jude kommt aus dem Zustande des.CIn': herrliche Temonstraiion. —; Wir haben, trotz-!Halbbunqers gar nicht heraus, sein Magen bleibt!dem wir direkt sim Vorstände keine Lerne,er halten, j inmer leer, da er z>k wenig Kartossel und Hülsenj den^ Vorstand gezwungen, etwas ClWkU Voblf*! i der Bank׳׳ . . . ',!»9 *6 7»»; Lr. EhelkowSki drr dttr'L. ׳^׳ertr'kmLr Uii ÖÖ ׳ der - > Äab-r . - 3-Vj 10 i 1645!Tr. -Lttlkinq: ker poln K7dkN<r in Lod; H״> Ai 511! Pre^nor 'v5nbu1*fi: der Lrrostmg . . 87 it 15 מ: Mit diesem Volke wurde ich ganz zufällig belannl Einst stand ich unter ihrem Fenster und hörte ihre,,, Spiele zu; da erblickte mich Pini der Flötist - cints der älteren Kinder — ein fünfzehnjähriger bloßiüßiger Junge. Er kam heraus und stagtc mich ob mir ihr Spiel gefalle. ״Äch wäre zusrieden," antwortete!ich, ״wenn ich nach zehn Jahren so spielen könnte.^ 4״)as kannst du erreichen," sagte er und gab °»r ZU verstehen, daß inich sein Vater jür zwei Rubel,monatlich unterrichten würde, wenn ich es haben!wollte, so wäre er selbst bereit mich zu unlerrichten. ״Aus welchem Instrument," fragte er ״möchtest da am, liebsten spielen?.— Aus der Fiedel?" — -Aus der Fiedel." ״Wen» du dritthalb Rubel monatlich zahlen kannstZo wirst du solch' ei» Künstler, wie ich er bin." ״Sicherlich," antwortete ich ״nur etwas »erlange ich, es darf weder mein Bater, noch meine Mutter oder der Rebbe davon crsahrcn." ״Gott behüte, wer wird denn das auStrommcln? Hast du bei dir Zigarettentabak oder eine Zi- Meile? — Nicht? — Tu rauchst nicht? — Borge m,r. e4 Fünfer!, ich werde mir allein Zigaretten lausen;! du brauchst aber niemandem davon zu jagen. Ter Vater darf nicht wissen, daß ich rauche und wenn die Mutter erfährt, daß ich Geld habe, nimmt >1e es mir weg und kauft dasür Brezeln. Komm nm in hie Stube, weshalb sollen wir draußen stehen. .. fcortfrfcsitfl folgt züchte verzehrt. Tic Kategorie der Makler, kleiner! auch nur ein klein wenig, in ui iscrc Genie,»de zu tränier und allerhand Luslinenjchcn, die den ganzen '^ringen. Aber, welche Ueberraschung! Ter Vor- Lrdnüng. wenn Tat durchführen. I Tag hindurch die Stadt durchstreifen,' um irgend i Öand sollte nach 40 Jahren eine!inen zusälligen Verdienst zu erhaschen. lebt am ^nd schon stand der Apparat st Ile. schon konnten j! irqften, ja sogar äußerst elend. Es fehlen ihnen.־&■' Mitglieder uniercr 'Kuliusgcllseindc diese Frage äqlich48 Gramm. 37jltamm Fett und'125 Gramm *'4« l°)cn- Tieics Gartenhaus! ging im .ersten lohlendndraie und das wird nur aus Kosten der, Sturm >n Trümmer. — Ter Präsiden, demiisiofcrüttung des ganzen QrganiSmuS ersetzt. Nalüruiertc. Mitglieder der Vorstandes legten ihre Manich kann dann von einer Fähigkeit zu physischer däte nieder. Wir haben jetzt ein Rumpspatla׳ Arbeit keine Rede sein ment. Tie Neu- resp. Ersatzwähleü;ind bereit« aus- Relativ besicr leben schon die Handwerker geschrieben — Unserer Meinuig nach wärt es. j,nd Arbeiter Genügend ernähren sich nur die, uachdem der Vorstand nicht arbci ssahlg 1st.־.P,licht Wohlhabenden, disich in Ruhe befinden und-nicht! und Schuldigkeit der rcnlichen S orständsmitglieder G ׳ gewesen, ihre Mandate nicdcrzulcgcn. Ader die Herren scheinen um ihre Mandatbesorgt zu sein, die klammern sich daran, wie eiü Ertrinkender an einen Strohhalm. ' Wir fordern die Mitglieder des Vorstandes, sowohl des ״engeren" als auch de« ״tzerstärklen",!. .־.״,״״״״יeinzig und allein vom moralischen Standpunkte aus, eimcn finden sich darin und doch wird dieses ' aus. auch ihre Mandate in die Häntze der Wähler zu Wasser als ein besseres bclntchtet. legen, damit man endlich daran schreiten könne den hrbeiten.! Auch Wasser benötigt der Jude weniger als >cr Bauer: im Winter l‘/־ und im sommu 2־/י >j,er läglich, der Bauer hingegen 4 Liter. TieVülden;ölen'cs vom Teich oder vom Brunen. Tie Brunnen, pnieisl am Marktplatz gelegen, sind immcr vcrun- ■einigt. Welch ungeheure Kolonien von Krankheils Alles in Allem: Der Jude ißt zu wenig, er innkt verunreinigtes Wasser und' verbringt den Größten Teil seines Lebens in der fatalsten Atmo- Phäre. __ . vor dru ^ultllsgemrindrllialilcn. Abermals Kultuswahlen! Unsere Brunner Juden werden wieder Gelegenheit haben, ihrer Ge- ]Innung Ausdruck zu verleihen. Tie jüdische Be- > ölkerung Brünns, sagen wir lieber die Steuerzahlcr der israelitischen Kultusgemeinde, nachdem M doch Winjere Gemeinde noch immer nicht das Wählern Gelegenheit zu geben, »ur Männer ihrer Vertrauens in die Gemeindestubc |ju bringen. Mit den Ersatzwahlen ist das Übel, an dem unsere Gemeindevertretung krankt! nicht zu heilen. Durch Ersatzwahlen ist wieder »ur ein Flickwerk geschaffen und der Apparat wird! wieder nicht mt». siandc sein zu funktionieren. Tie Männer, die in die KultuSgemeinde kommen wollcp, müssen vor den Wählern ihr Programm cntwickesln. ES wird sich dann ziigcn, ob befähigte Männer oder Nullen das Vertrauen der Wähler besitzen. Die Mitglieder unsercs KultusvorstandcS werden sich schon diesmal bequemen müssen, ihren Wählern Verlanget in Gastaml Kaffeehäusern die ״Jüdische Volksstimme". einen anständigen