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Jüdische Volksstimme · 1904-09-15 · 18 (15.9.1904) · p. Seite 3

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
V (1904)
Issue
18 (15.9.1904)
Date
1904-09-15
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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?fr. IS (in Institut, das an die Gründung von Filialen iiimtct. Betrachten wir einmal die letzte Bilanz ja* Aktienkapital beträgt 247.037 Ps. St. £lc vi.üitnteinnahme» betragen 12.018 Pf. St., also 41,״״ des Aktienkapitals. Bon diesen Brntlolino.1t>»1e» geben 8122 Pf/St., also 07 .״,״<־ für Be1roultungS-2l»sgaben ab. (Den Kursverliist an .«o!1׳ols per 1333 Pf. St. ziehe» wir gar nicht in Betracht.) Es bleiben also von 12.013 Pf. St. Geianlteinnahnien nur 3890 als wirklicher lstewinn ubti t, b. h. das voll cingrzahlte Aktienkapital verzinn sich mit I ö°/0, wollten wir den Kurrverlus» noät in Betracht ziehen, sogar nur mit 08"/״. Tiefe Zahlen geben zu denken. Einerseits sind die Einnahmen zu klein, andererseits die Ausgaben zu Noch. Banken mit annäherungsweise gleich hohem Aklnnkapital verbrauchen von ihren Einnahmen nicht einmal äO»/«. während hier 67"/״ zur Deckung der Ausgaben hcrangezogen werden. Freilich muß man bedenken, daß unsere Bank nicht mit ihrem ganten;kapital arbeitet, aber trotzdem sollte sich das ganze;kapital mindestens zum ,landesüblichen" Zinsjnße verzinsen. Die Bank wird deshalb, wenn sie ihr Geldgeickiäft nicht derartig erweitern will, daß die Berzmsnng des;tapitals eine höhere wird, daran achen -niüssevr auch Warengeschäfte zu betreiben. Ist aber nicht, die Gcschäjtssührung eine unwirtschfftliche, d. h. eine nicht rentable, sondern die Verwaltung zu kostspielig, dann wird' das Tircknirmm Maßnahmen zur Verringerung der Berwalmngskvslcn treffen müssen. Sollte aber eine bessere Verwertung des Aktienkapital« unmöglich |W — weil ja die Bank nicht zur Durchführung von Geldgeschäften in Europa, sondern zu anderen Zwecken gegründet wurd^ — dann wäre cs besser die Tätigkeit der Banl bis zu jenem Zeitpunkte einzusicllen, für den sie 'gegründet wurde und das Aktienkapital in guten Papieren anzulcgcn. Eine lodere Verzinsung als zu 0״/״8׳ würde sich schon h.rausschlagcn lassen. Noch einen Punkt der Bilanz möchte ich erwähnen. Tie Gründungskostc» der Anglo Palesiin- Eotnpany wurden, wie Direktor Wolssiohn sagte, von der ttolonialbank bestritten. Ich glaube, daß es ׳oitst nicht üblich ist/ daß die Gründungskoiten einer Filiale ganz vom Stamminstitut bestritten meiden: meiner Ansicht nach werden diesd;kosten als Akitvum eingesetzt und nach und nach durch den Reingewinn der Filiale gedeckt. In der Generalversammlung der Aktionäre dal sich niemand gefunden, der diese Punkte der Bilanz die doch ausfallcn mußten, besprochen laue. Ich habe als meine Pflicht erachtet, cs hier zu tun. E. 0. Vas Los der Juden?» Bon Jakob Wassermann. Was ist ein Jude? Was ist jüdisch?. Was ist Judentum? Diese Fragen scheinen sür den tieseren 8c:it unserer Zeit sinnlos zu sein. Dennoch der Jude existiert. Es gibt kein jüdisches Volk, vielleicht nickt einmal eine jüdische Rasse, doch alle wiffcn vom Juden, dem Gezeichneten, Auscrwähltcn, mit Erinnerungen beladenen Schicksalsersüllten. Er scheint de: einzige Mensch der Erde zu sein, dem die Vergangcnheit in den Augen der Völker keinen Adelsdri.j ausgestellt hat. Ihr Gewissen ist beunruhigt durch das unerklärliche Nochimmcr-Existiercn des Juden. Sic sind erstaunt, ihn noch immer aus dem Weltiheatcr zu wissen. Du. den wir vernichtet, verbräunt, verkommen glaubten, wagst es uns gegenüb.r zu treten? Wer bist du? Woher kommst du? lind sic suchen sich zu rächen, weil die Scham sic anei 1 Aus diesem Mißverständnis, mit dem die Br ker sich selbst begegnen sollte das Judentum;t1e.11, Ruhe, Mut saugen. In ihm liegt eine sichere Gewahr sür die Zukunst. Ich erinnere mich an folgenden Vorfall aus Meiner Knabcnzcit. Ich halte in der Schule einen;!umeraden von wunderbarer Schönheit: sein gewackle», schlank, blond, mit energischen und zugleich fl'1!r״ütigen Blauaugen. Es war ein Jude. Eines 4ages wurde er auf der Straße von einer wüsten Horde von Jungen verfolgt, die ihm mit wütenden G-dahren unaufhörlich das Wort ״Jud!" bcschimpsend zuschrien. Was dachten sich nun diese Knaben dabei, als sic׳ das edlere, schönere Exemplar eines Menschen mit dem Schmutz ihres Hasses dcwarscn? und welch eine Art von Haß mochte dies sein? hatten nie Übles von ihm erfahren; heute wie * tlu« ,Teul'che Rundschau" Nr. 8. — Obwebl wir n:u den Änichauungen de« Berfaffer« in allem nicht überciururrmeir, bringen wir auszugsweise den über die 3udenirage dochiniereflanien «eiltet. Jüdische Volksstimme Teile 3 I wnu rvar er schweigend an ihnen vorübergegangen. Was mochte sie veranlassen, ihm Steine nachzuschlendern? Was ließ ihr« Augen funkeln, erregte ihr hämisches Gelächter? E'.n Wort, nichts weiter als cm Wort. Worte nähren Instinkte, Worte wecken Laten. Unüberprüsl wandern sie von Geschlecht zu Geschlecht, und die Zauberkraft ihres Schalles bleibt immer dieselbe, solange das Ding, das sie benennen, nickst vom Erdboden verschwunden ist Im Übrigen enthält diese kleine Geschichte das ly Pischc Erlebnis des Iudenkindcs. Ich' kkinntc auch erwachsene Leute, kenne sie noch, gebildete, wohlwollende, leidenschaftslose Menschen, denen das Wort ,Jude" gleichsam ein säuerliches Zusammenziehen des Gaumens verursacht. _ AG ob wir ihre Unparteilichkeit brauchten! sie glauben, das Beste, was sie tun und fühlen können sei, gerecht zu handeln, gerecht zu fühlen, «o hat man auch die sogenannte Emanzipation mit prahlerischen Lettern auf das Haben der Ge- 'chästsbücher gesetzt. Sic waren wohltätig genug, das heiligste Gebot der Menschheit in den allerküntmerlichsten Grenzen zu crsüllen. Sie entschlossen sich, dem Druck der Zeit gehorchend, Gefängnismauern nicdcrzurcißen, hinter denen zwanzig Generationell von Unschuldigen geschmachtet hatten und bespiegelten sich im Bewußtsein ihrer-Toleranz. Sie wunderten sich, daß die von der Kette noch Halbgelähmten nicht von Dankbarkeit Überflossen. Sic dünkte» sich großmütig, weil sie ihnen Plätze im Lande anwicsen, ohne ihnen den inneren Besitz der Heintat zuzugcstehen. Das Unglück des miitclaltcriichen Judrn>zztgr, daß er kein Talent und keinen Grund zum Prosclytcn hatte. Tie Abtrünnigen unter den Juden wechselten niemals den ,Glauben", sondern sie machten nur Geschäfte, auch in den ersten Jahr- Hunderten der Kirche. Was hätte ihnen das Christentum zu geben vermocht? Um es in der Ver- Wässerung der arischen und römischen Priester und Missionäre auszunehmcn, dazu waren sic zu klug, das war gut genug sür die wilden und feindlichen Völkerschaften zwischen Rhein und Weichsel. Und die reinere, erhabenere Form, die trug ja ihre eigene Religion in sich selbst, aus deren Schoß das neue Heil entstammte. Ihnen dünkte sogar die messianischc Idee größer und geistiger, transseendentaler als die christliche. Ter Erlöser, der einstmal« kommen wird, ist mehr als der, der schon dagcwcscn ist. Erst die unerhörte Häufung der Drangsale, der unerträgliche Druck der Zeit konnte die Juden um die Mitte des siebzehnten Jahr- Hunderts vermögen, an die Leiblichkeit des Messias zu glauben: cs war keine srcudige Erfüllung, sondern die letzte Ekstase des bösen Traumes, als welcher ihnen das Leben erschien. Roch in seinen alten Formen legt der Messianismus und die Vision des Mesiias-Heilands Zeugnis ab. nicht bloß von erlittenem Unglück schlechthin; nur das äußerste Maß des Elends kann dem Volksgeist ein solches Gebflde von umjaffcndcr Trostkrast entpreisen. Was sollen da die Juden des Römerreich« mit der neuen Heilsbotschaft beginnen? Oder erst die späteren, als Las Wort der Liebe aus der Zunge rasender Mönche zur fadenscheinigen Phrase und frechen Lüge geworden war? Hinter dem Juden lag eine Vergangenheit tiefster religiöser Erschütterungen, charakteristischer sozialer Kämpfe. Er stand mit seinem Gott aus anderem. Fuß, als der in mystischer Andacht zitternde Occidcntale. Ein Band der Familiarität umschloß sür ihn Himmel und Erde. Daß es geheiligt bleibe, darüber wachte der alte Patriarchcngot«, der im Zorn wie in der Liebe immer etwas vom tyrannischen Haus- Vater behielt. Ohne dies schöne Verhältnis wären die göttlichen Schriften der Juden nicht in so hohem Grade und sür alle Zeiten Menichenbüchcr geworden. Die Kirche und manche Heiligen des früheren Mittelalters wirken noch in dieser erfreu lichcn und gesunden Tradition. Ich kann mir nicht helfen, aber eine. Gestalt wie Maitin von Tours ist wie aus dcni Prophetenkreis des alten TestamentS herausgejchnitten. Erst mit der brutalen Verwelllichung des Klerus beginnt die krankhafte Bergcistigung des Mönchtums. Zu allernächst durch eine lcichtbegrcisliche Tcilnahmslosigkctt in ihren inneren Äämpjen wurde der Jude das Opfer beider Mächte. Im Hintergrund stand dann ' immer als verläßlicher Henke'rmeister das mit billigen Mitteln rasend zu machende Volk. <5 ci Und if ielt für ihn längst vorüber. Sein sür die innere Welt.' Der Tyv existierte in Spanien noch als Ehristenwelt längst vernicht?! ha hat Europa zu .büßen. T.r jüüi׳ ein Fegefeuer von mehr als tat reitet.. Wie sie daraus hcrvorqez! sich zeigen Es sind ui den letzten Jahre! getreten, Entschuldigcr. des Berbrech der Zustände' Sic haben Here u- Juden sei manches ,gewährt" wo:I dumpfem Trotz nicht zu würdiget mehr als einmal habe dieser oder dieser oder jener Gelehrte seine S hoben, und cs habe Fürsten gegei Juden aufs wärmste angenomm wucherische Treiben sic längst der Volkes ausgelies rt hätte. Arguin sind weder teuer noch selten. 2ü darüber hinweg, daß z. B. der jü eine Waffe war, deren sic sich in t Notwehr bedienten, und die dann tigen bei jeder Gelegenheit gegen Am Juden entdeckten sie plötzlich Menschlichkeit in einer Zeit, in ci^i Blut und Greueln troff und losigkcit selbstverständlich war. schütz! Es war einmal ein Mat Esel die Augen, den Schwanz un > gerissen hatte und sich nun etwas tat, daß er ihm doch die vi>1 Be׳ der Jude ins Abendland kam, st dieses Esels. Sein Jammergeschrei und Venvundcrung. Was will di ja seine vier Beine. Ich sühre Dich in ein klcht Städtchen. Man schreibt etwa hqt gestohlen und ist zum Galgen soll er vorher um jeden Preis erhalten. Er weigert sich dessen, wilden Flcischcrhund und häng! Juden mit den Füßen , am Galgci! das Tier die Glieder des armen predigt unten der Pfarrer im Sch! gesichtes die erhabene Lehre Chris Aber Tatsachen lügen. Es die Drangsale großen Stils zu Verfolgungen unter den Kapeiin Massakrcs am Rhein, überflüssig, schuldig vergisscncn Blutes zu l drückungcn der Junker und Herren der Städte, die schandvolle Kenn;! Mauerung die Unsicherheit alles ächtlichmachung des ausgedrungcncii und selbst in günstigsten Umständen Parasitcndascin. All das ist Historie zu entnehmen. Dreierlei erstaunlich und gibt zu denken: sehe Kraft passiven Widerstand! s Natur; zweitens die Selbstverstärd auch die erleuchteten Geister der Anblick eines solchen Schicksals und drittens, daß die Phantasie dadurch in sichtbarer W.iie beu! dunkelt wurde. In keinem Märcher in keinem Lied ein Bekenntnis, it ein Bild. In irgend ein Herz «! ein Funke gefallen sein und noch wegt haben als des gleichmütigen Nur um die Gestalt des Aharsiet anderem Boden erwuchs, schiene.ן zweideutiges Schuldgestehen. Aber was soll die Beichte der Mord geschehen ist. Das von der KarolingerM bis zur st lution bietet das beispiellose und g spiel einer langsamen Hinrichtung des Herzens. Der Frevel hatte seine Gesetzmäßigkeit. . Ter römt dieser stille und überlegene Zuichcht! ihren wilden Kämpfen gegen Löst, Ruf und Ehre waren bald bei schwand auch die Sicherheit der Er! hatte nicht mehr über seine srcnn fügen, die Erhaltung des Lebens s Fähigkeit ganz in Anspruch. Lei!! kcltcn sich, die Seele verdorrte, ncrne Mauer des Hasses um sich bauen. Die cinsachc Überlegung niedrigtcn, zertretenen, geichundctn ist Halle Muße is dieses Juden ihn die übrige te. Ten Mord ichen Seele ward send Jahren beangen ist, wird Apologeten aus-!cns, Beschönige! «gefunden, den den, was sie in gewußt hätten: jener Kirchen Herr, imme für sie ercn, die sich der n, obwohl dar Beachtung des ende dieser Art gehen vornehm!fische Wucherzinr -r verzweifeltesten von den Machie gekehrt wurde den Mangel der er Welt, die von der die Treuder Judennn, der seinem die Ohre» ausdaraus zugute gelassen. Sen ci die Rolle erregte Spott -r Esel? er hat ines schwäbisches 3111. lim Jude verurteilt. Doch ie heilige Taufe Man holt einen , ihn samt den aus. Während ^kanneS zerrleiichr,!weiße seines Ani.!st überflüssig an erinnern, an die!ein bis zu den die Ströme un-' s wähnenz^derB?'- dic>G!1valtt<1tcn iichnung unl^Etnöesiye«, derber- Erwerbszweches das erniedrigende jeder beliebt«» ist immer wieder cns die dämontder jüdischin lichkeit, mit der Christenheit d^i genommen haben. Volkes niemals 1 rühigt oder verein Trauerklang, keiner Dichtung ußte doch einmal etwas anderes bc-- Chronisten Feder, r, die aus ganz sich ein scheucs.und au 1 er t!! Hinz! 1 de! de! Es ist nicht zu vcrqeffen, daß d-.r Jude von damals noch durchaus Orientale war. Er wart stets au,s nutzer,tc beunruhigten stolzer abgeschlossener, ruhiger, gejammellcr. Er!sie nur ausatmcn durste, Gen,cp war noch i», Besitz seiner Vergangenheit und stand! dimit krankem Leib den Weg daher bewußter und selbstverständlicher im Leben. 'neuer Zeiten-suchten, zeigt, wie vi Die Kämpfe deren Zuschauer er sein mußte, waren flössen sein muß, wie viel Feuer Mörders, wenn j hicksal der Juden srinzösischen Revo-!aucnhasie Schaudes Geistes und ine Methode und chen Kirche war 1er unbeaui»! bei fer und Fülsteu. stzdclt, damit ver- :istenz. Der Jude n Kräfte zu verselbst nahm seine e Sinne ümdunmußte eine stci- und die seinen ß aus dieser er-!en, gepeinigten, Menschheit, sobald e:wachsen konnten, zur Morgenröte tl gutes Blut geersKckt, wie viel Verlanget in tiast- und Kaffeehäusern ‘die ״Jüdische Volksstimme“.

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