Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- IV (1903)
- Issue
- 13 (1.8.1903)
- Date
- 1903-08-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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!3 rtiiPiirfif Bolksstimmc Seite 3 >!1V!י,, U'.lu:-v dur H»P \b: :!;ין ,am׳>, zu ,»,otuneren. 4er nach!e.ner Rückkehr; man wird einjeheü nu.n'e.־. baß Die .Stolomuition .:e 4)fr1djt wurde ,elbstver1tandl,chgeh.-.m ge-leine Sache ist. Die nur lmigsam vor sich geht. die und ent eiueunMitaidelter Der Petersburger viel Feit, t^clö und Geduld fordert »nd die vielleicht ..1:d" gelang es, ihn für d!e ^efsentllchkcrt zu c^e-j erst in;weiter Generalion zu pvntivcn Nejuitaten Tieür!m ״freundabgrdruckle Bericht j führt. »enselds ist nun äußerst interessant, erzeigt;?״> Stflentinien sind iämliiche Kolonisation;, me die Venen von der!ranzöstich jiwischen ׳ bestredunqen mißlungen, die mit materieller Unter :■mn 1111b, wenn man 10 saßen Dan, lieber-! stützung resp. unter Protektorat, qeqrundet wurdet man. minier nicht von ihrer 41100 abkommen j Die Kolonien in Jeruah »ngMisiiones weiche von ch umeren Piinzipie» nähern; doch wir wollen der Regierung ünierstützt werben baden mehr a » oorliich wiedergeben, um unsere Leser mit den j Die Haine ihrer Kolonisten .verloren obzwar die enthaltenen Talen genau vertraut zu machen.; 3ießien111g ihnen mehrere Mai einen Teil ihrer!.Allgemeine Bemerkungen. j Schulden gestrichen Hai. . . . . .1 4 a« t!t auch nicht zu verwundern; denn der sebn Jahre!!nd verstrichen!eit die ,ela mit j grösste Reichtun! eines Kolonisten, resp. eine« Emi itoloiiisationS-TStigkeit in Argentinien begonnen j gramen ist seine eigene Energie, sein eigener Ulster-, nehmungsgeist. dagegen geht ihm seine Tatkraft verloren. wenn er weiß, daß er stets auf materielle Unterstützung rechnen kann. '!• . ,;! ferner ist es unnatürlich einen Plan aus» Ter Beginn der Kqlonisation ist daraus zurück-! zustellen, demgemäß die ganze Kolonisation auf einmal 11. daß die russijchenJuden gezroungenwurden,vor sich gehen soll, Gewöhnlich ist die Sache In, August 1390 fand die erste Konferenz der .׳er der Gesellschaft statt und im Juni 1691 a schon die ersten Kolonisten nach Argentinien :osten Mengen ihre Heimat zu verlassen. In •tinit» selbst waren noch gar keine Vorkerei- 1, für die Ausnahme der Kolonisten gelrvisen. einmal eine Huse Land war erworben, als 2—3 Tausend russische Juden ihrem Schicksal das! sich zuerst einige Familien in einer wenig be völkerlen Gegend ansiedeln und ein wenn eS ihnen gut geht, nach und nach, neue Familien hinzu kommen: aus diese Weise entsteht mit der Feit'eine größere .Ansiedlung. Terart sind die schweizerischen Kolonien .olonistim entgegensahen. Tazn waren die meisten > »Esperanza" und .Naphaella"!in der Provinzr,inten Städtler, schwache Leute und für de»' Sama-Feu! enlstanden, die sich jetzt in einer sehr au überhaupt nicht geeignet. -günstigen Lage befinden: auch die meisten Kolonien Diesen unglüeklichen Anfang der argentinischen in den übrigen Ländern sind auf diese Weise emnisalion darf man ja nicht vergessen, wenn man ■ standen. Eine Ausnahme bilden nur die deutsch- :e zu sprechen kommt. Eine Arbeit, welche viele! russischen Kolonien in »Entre Rias!" und im Süden schwerer Mühe und viele Millionen Geldes ׳von der Provinz »Buenös-Aieros". Torthin sind;0. gieng vollständig verloren, weil dreiviertel des; aus einmal große Gruppen von Auswanderern gechenmateriale«, mit dem man die Arbeit bekommen und haben bald große Kolonien gegründet. stian waren das aber ausgezeichnete Ackerbauer, Bauern seit vielen Generationen, die.von stiiemandem Unterstützung verlangten und von Anfang an eine ge-: für diese unbrauchbar waren. Nicht weniger 000 dieser für die Kolonisation unbrauchbaren waren während der Jahre 1691 —1692 nach!entiniil» gekommen. — Aber nicht bloß die onisien waren untauglich: auch die Lrdner und er, die dqs Ganze zu arangieren hatten, eigneten sich U für diese verantwortlichen Stellen. Sie hatten rer die notige Vorbildung, noch die notige Errnng. Allerdings existierten schon vorher jüdische Uimen in Palästina. Tort betrieb man aber auch 1z andere Arten von Landarbeit. Außerdem , e 11 e Dort das historisch-religiöse Gel! l eine sehrwichtigeRolse. Tiefes Gesühl : eS eben, das! die Kolonisten an das heilge nd stsselte, während sie in Argentinien nach jeder isternte auszumandern pflegten. Unsere Tätigkeit!an» unter besonders schlechte» Bedingungen: nür s; man wissen, daß auch andere Kolonisatst-nSternehmungeu. welche mit keinen solchen Schwierig- :e» verbunden waren, sich doch langsam und mit!!:ein Geldverbrauche entwickelten und daß auch 1 die meisten Kolonisten ihre Kolonien verlassen .n. Man möge nur die Berichte über die Koloa lesen, die von den französischen, deutschen und fischen Legierungen gegründet wurden, in denen Kolonisten unter dem Schutze ihrer Negierungen »den: man möge nur die Fahl der Eingewanreu mit der der Zurückgebliebenen vergleichen und gewöhnen, immer nur ans die Unterstützungen der Jka zu rechnen und ihnen klarzulegen, das! sie ihre Schulden im Lause der Feit werden bezahlen müssen. Litchintio. £a$<־bud)btau<r r׳o 1 G: nti Heilt״, on lieber Kochinei»! brütet die Junisonne Eine ausgedehnte Stadl, deren Areal nach unseren Begriffenm gar keinem Verhältnis mehr zu der Einwohnerzahl steht. Niedrige Häuser. Grosze freie Plätze mit den grünen Kuppeln russischer Kirchen Aut den schlecht gepslasierten Sträßendämmen sieht man braunborstige Schweine führerlos umherschnüsselii. chniutzige Gestalten vor den Haustüren, stehend, liegend. Aber man steht auch elegante graue Schuhe aus zierlichen Tamenjüßchen Ein paar- Ssiiziere fahren über das.holprige Pflaster aus Nädern mit Freilaus. In einigen Läden modernes .Kunstgewerbe. Jugendstil. Matte in (Jermany. Freilich immer nurdie unverstandene Moderne! In allen besseren Geschätten-und in vielen Privatwohnungen Telephon. Ich sitze in dem Speiseiaale meines Hotels Mir gegenüber an einem kleinen Tisch ein Ehepaar, der Mann alt und gelähmt, die Frau jung und lebenslustig. Und als dritter Partner ein junger Pole mit genialen Allüren, eine jener Künnlertizuren. die man sieht, um allsobald zu fürchten: Er spielt Violine. Und die Augen der!ungen Frau ruhen in denen der jungen Polen. Mein Gon! wie lyp-.ick! ist doch alles in der West. An einem anderen Tische ein Herr, ossenbar den beste» Standen angehörig. - Er liest den »Bessarabetz". Ich beobachte ihn.- Man sieht es ihm an kein ,',weiset steigt in ihm aus. Tar alles ist wahr, weil es gedruckt nt. Und ihn beängstigt ossenbar die schmerzliche Wahrheit der »Christenvernossensch-islliche Wirtschaft cinsührten. Glücklicherwei'el solgung durch die Juden". I» vielen dieser russischen! storbene» Trauernder ::eit. und war in Gedanken WaS fehlt dir. Vater? —stürzten sich auf s beide Söhne, im Glauben, daß ec ohnmächtig sei. — Mir ist nichts, nichts! amvortete er sich!richtend. Er schritt ruhig -auf den Bücherschrank und holte aus demselben die für den »neunten -!" bestimmten »Kinoth" hervor. , — Gib mir eine Nadel und Faden, sagte 1f utr Frau. Unverzüglich reichte sie ihm das Ge; :stochte. Reb Schlome nähte die einzelnen Bogen : Brieses zu einem Hefte zusammen »nd beschnitt - Ränder des Hefter, damit sie zu eine!» Kinothich passen. Er hob dann - beide in die Höhe und ׳ mit weinender, tief bewegter Stimme: »Herr der Welt! Vielleicht hat dein Volk noch wer nicht genug cm Kinoth, seitdem du eS zum lk׳ dir erwähltest. So sei denn hinzugefügt ein -ues Blatt. . . . eine neue .Klage über eine ganze iidengemeinde, die majsakriert und geplündert wurde dir vergangenen Woche! Eine Klage deiner ganzen .׳lkes, das nicht aufhören kann zu weinen und zu ugen über sein bittere« Geschick unter den Völkern, -uiichen die du es zerstreut hast. Nimm, o Gott im >»»1el, diese» neue Blatt auf und mache' es zum uten traurigen Blatte in den jüdischen Kinoth. " cnug, genug, Ribono schel olam! . . ." Und Neb Schlome nähte mit seiner alten tternden Hand den Brief seines Sohne« aus Kischenew >» die Kinoth ein. traten sie zu einer Feit ein, in der uiete gute Ernten auf einander folgten, daher auch die Preise auf dem Getreidemarkte hoch standen und so ist cs ihnen bald gelungen, einige Ersparnisse zu machen. Infolge der Mißerntein den legten Jahren sind jetzt auch diese Kolonien in eine kritische Lage geratest. Tagegen hatten die Ersten unserer Kolonisten keine Idee von Ackerba», sie besaßen auch die dazu! nötigen Kräfte nicht. Sie pflegten nun ihre Blicke nur aus die Kassa der Jea zu richten und bei-diesen Erkundigungen einziehen, ob e« überhaupt ratsam sei, die Äccker zu bestellen. Sie arbeiteten mehr mit dem Kopf als »!,t den Händen; sie waren undiszipliniert und konnten sich schwer an Tirziplin geivöhnen. Tenn sie wurden au« Nußland in eine freie Republik gebracht und glaubten nun. die Freiheit besiehe darin, daß es überhauptkeine Gesitze gebe und Jedermann alle« tun oder lassen könne. Al« Städter wollten sie jeden Tag oder zumindest jede Woche die 'Resultate ihrer Arbeit sehen und'konnten kaum das Reifwerden ihres Getreide« erwarten. » All dies verursachte solche Schwierigkeiten, daß Baron Hirsch in den ersten Jahren oftmals, daran gedacht hat, der ganze» argentinischen Kolonisation ei» Ende zu machen. Vom Jahre 1693 an hat man angefangen mit größerer Vorsichtigkeit Kolo! nisten z» werben und es - wurden nunmehr nur passende Familien ausgenommen. Äugen schläft die Melancholie der Tummheit. Dar ist der Eindruck, der sich immer wieder holt, in gesteigertem Maße bei bei,, unteren Volksschichten natürlich: hinter diesen Stirnen wohnt die Gedankenträgheit, die Apathie, der Mangel jcdweden Urteils. Tiefe Menschen haben alle etwas Bewegungsloses. Hat -sich aber einmal eine lleberzeuqnng hinter den dicken Stirnen cingenistet, dann wehe! Tiefe Leute waren überzeugt, daß es nötig sei. die Juden z» toten, sie werden, wenn Gon sie am Leben lässt, in sünszig Jahren d1eselbe..Ueberzeugung hegen - sie werden am. jüngsten Tage fröhlich »nd wohigemut damit vor ihren Schöpfer treten.' - Man mag sich gegen Leidenschaft -zur Wehr setzen und gegen Laster. Aber 'st!dl es eine» .Kamps gegen die Tummheit ־! Ich sitze im jüdischen Gemeindehauie am Komiteetisch und sehe zu, wie die Gelder verteilt werden. Kaum möglich zu atmen, so dränge» die Elenden und die Tarbenden aui uns ein. Und hoch darf hier das Mitleid keine Stimme linden.! nur ans Grund sorgfältiger Untiriuchung wird gegeben, und in Anbc-tracht der solchen -Verlusten gegenüber arg beschränkten Mittel Groteske Figuren, aber auch Kestalien von patriarchalischer Größe. Bärtige Greise, in deren- Gesicht der Kummer um die erschlagenen Anoer- Tar hat die Verbesserung der Kolonisation zur wandten mit eiseriiim Grisiel tiefe Füge gegraben Folge gehabt, denn die neuen Kolonisten, von denen ei» Teil schon in Rußland in Kolonien gelebt hatte»; brachten Lust zur Arbeit mit. Zn dieser Zeit waren aber auch die Kosten schon enorm hoch gestiegen. Man hatte fürchterliche Summen auf die Administration und für die Unterstützung der Kolonisten verwendet, was die große Verschuldung der Kolonisten zur Folge hatte. Im Herbste 1693, als die Kolonisten die Verträge mit der Jea zu unterzeichne» hatten, war die Lage der Kolonien überhaupt, besonders aber der in der Provinz »Entre Rio«" eine kritische geivorden. Baron Hirsch entsendete damals de» H. D. syeinberg und den Verfasser diese« Berichtes nach Argentinien, um die Lage der Kolonien zu erforschen und ihm ein Projekt der nötigen Äenderung vorzulegen. Beide Abgesandten weilten in Argentinien von Jänner bis Juni 1690. Während dieser Feit ist Baron Hirsch am 21. April 1690 plötzlich geden Kolonien verbreitete sich ein storben und in .... .... Gerücht, er habe sein ganze« Vermögen den Kolo nisten vermacht. Tie alten Kolonisten glauben noch -:tadt der ,yliegen. Eene bis auf den heutigen Tag asi dieses Märchen. Es de-!zu scheuchenden;)-liefen. durfte Jahre schwerer Mühe, um den Kolonisten! Weiterhin ein Raum mu großen K!!ten bestellt 4. 1 _ v -21 «ויו• Olim In jedem Leid ist Hoheit. Und e» nt Hoheit in einzelnen dieser Gestalten.- man denkt an Äbrahsi». da er auszvg seinen Sohn zu opseön, an Hiob, den der Herr geschlagen. ׳ r Elender, verkommener die Welcher. Toch habe ich auch Ruth gesehen. Nickst jene Ruth, die aus den Feldern des Boas Aehren sammelt, sondern eine andere moderne Ruth, .in Lumpe» gehüllt,' dem mageren Arm verichämt nach einer Gabe ap-genrcckt. Und eine Tür ist zu offne», und man blickt 1 in die Volksküche hinein. Ta brodeln die großen Kessel, deutscher Nase verfängliche Täste zusührend, ' e« kocht darin das Freitagsgericht des polnischin Juden. Tiefe kleine Küche aber hat mich i» jenen ersten Tagen der großen Not berührt, da es Tansende zu speisen galt. Und auch heute drängt die lange Reihe der Wartenden vor dem Schiebefenster» viel Halberwachsene darunter: in der Hand . die Schüssel, in den Augen da« Tarben. Auf dcm Hof liegt ein alter Mpnn »nd ichläit. Er ist-dicht mit Fliegen bedeckt. Kochinew-ist die großen schwarzen, nicht zu »Aveijen, daß dieses Gerücht ersundeM sei: auch war es äußerst schwer, den Kolonisten abzu Tarnt alte Kleiderstücke, zum Teil ganz unbrauchbare Lumpen, von allen möglichen jüdische»; öie- Gedenket der Walsen von Kischinew! ♦