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Jüdische Volksstimme · 1903-02-15 · 2 (15.2.1903) · p. Seite 3

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
IV (1903)
Issue
2 (15.2.1903)
Date
1903-02-15
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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I Nr. 2 Jüdische Bolksftimmc Seite 5 gerne aujgesangen wie gestoßen. Man trieb mit uns das böse «pick umso lieber, je nachgiebiger und elastischer unser nationales Selbstbewußtscin sich in den Händen der Spieler erwies. Wie konnte unter solchen NmstLndcn von einer nationalen Selbstbestimmung, von einer freien aktiven Entivicklung unserer nationalen straft oder von urwüchsiger Genialität die Rede sein?! Unsere Feinde staben nicht ermangelt aus diesem Eharakterzugc Münze zu schlagen, um unsere Inferiorität zu bcweisen. Man sollte meinen, daß in ihren Reihen die genialen Männer wie Brombeeren an der Hecke wachsen. Die Armseligen! Dem Adler, der einst zum Himmel emporstieg und die Gottheit erkannte, machen sie den Vorwurf, daß er nicht hoch genug in den Lüsten schwebt, wenn, ihm die Flügel ahgeschnitten sind. Doch auch mit abgeschiüttentM Flügeln sind wir ptf der Höhe der großen .«ultittWfrr geblieben. Gönnet uns einmal das Glück einer Selbständigkeit, lasses -uns über uns» Schicksal allein versügen, «bet uns ein Stückchen Land, wie de» Serben und Rumäncn, gönnet uns erst den Borteil einer fressen nationalen Ernsten.;!.- dann waget! ein absprechendes Urteil über uns z» fällen, uns den Mangel an genialen Männern vorzuwcrsen! Für jetzt leben wir noch unter den! Drucke der Uebel, die ihr uns zufügt! Wenn wir mißhandelt, beraubt, geplündert, geschändet werden, dann wagen «vif cs nicht, »ns zu verteidigen und, was noch schlimmer ist, wir linden es so in Ordnung Schlpat man uns ins Gesicht, so kühlen wir die brennende Wange mit kaltem Wasser und,hat man uns eine blutige Wunde bcigedracht jo legen mir einen Verband an. Werden wir hinausgeworsen aus dem Hause, das wir uns iclbsr gebaut, so stehen wir demütig um Gnade, und gelingt cs uns nicht, das Herz unjeres Drängers zu erweichen, jo ziehen lvir weiter und suchen —;in anderes Erst. Hören mir aus dem Wege einen müßigen Zuschauer uns zurusen: ״Arme Teufel von Juden. ihr seid doch recht zu bedauern", so sind wir auss tiefste gerübrt, und sagt man von einem Beuden, er mache seinem Volke Ehre, so ist dieses Volk töricht genug, darauf stolz zu! sein. So weit und wir gesunken, daß wir fast übermütig werden vor Freude, wenn, wie im Lkzident, ein geringer Bruchteil unseres Volkes mit den Richtjuden gleich, gestellt worden."!! I» diesen ehrlich-harten SESortei spricht Pinrker zu »ns als Erzieher seines Volkes.! Nietzsche sagt im dritten Stück seiner ״unzeitgemäßen Betrachlungen". ״Deine wahren Erzieher und Dildner verraten dir, was der wahre Ursinu und Grundstoff deines Wesens ist, etwas durchaus Uncrzikhbarcs und Unbildbares, aber jedenfalls schwer Zugängliches, Gebundenes. Gelähmtes: Deine Erzieher ver mögen nichts zu sein als deine B es r ei er. lind das ist das Geheimnis aller!Bildung. Befreiung ist sic, WegrSumung alles Unkrauts, Schutt- 1 Werks, Gewürms, da« die zarten Kcsmc der Pflanzen aniaslen will, Ausströmung von Licht und Wärme, liebevolles Nicdcrrauschen nächtlichen Regens, sie ist Nachahmung und Anbetung der Natur, wo diese mütterlich und barmherzig gesinnt ist. sie ist Volkendung dei^ Natur, wenn sie ihren grausamen und unbarmherzigen Anfällen vorbeugt und sie zum Guten wendet, wenn sic über die Aeußerungen ihrer stiefmütterlichen Gesinnung und ihres traurigen Un- Verstandes einen Schleier deckt." In diesem Sinne wollest wir^Lco Pinsker einen Erzieher seines Volkes nennen. I!. /.. Sic?rrmdrnkragr in Rumänien. Die ״Frankfurter Zeitung" von 22. Jänner l. I. veröffentlicht unter obigem Titel einen beachtenswerten Artikel, in welchem die gegenwärtigen trostlosen Verhältnisse in Rumänien 'zur Besprechung gelangen. Wir geben die interessanten Ausführungen im Wortlaute wieder: ״Im Lause der Winters sind in Rumänien mancherlei Kundgebungen veranstältet worden, die der Welt beweisen solltest, daß dsts Königreich an der unteren Donau mehr als je zuvor im Orient ein Element der Ordnung und für die Aufrechtcrhaltung des Friedens von größter Bedeutung ist. Die Zusammenkunft des Königs Carol mit dem Fürsten von Bulgarien, die Zierlichkeiten zur Erinncrung an die Heldentaten der rumänischen Armee vor Plewna und die Anerkennung,!welche Rumänien von allen Seiten zuteil geworden ist, haben die Rumänen mit berechtigtem Stolzö und berechtigter Genugtuung erfüllt. Trotzdem scheinen die führenden Männer des Volkes sich bedrückt zu fühlen,!weil im Inneren wie im Verkehr mit dem Auslände immer wieder eine Frage äuftaucht, die zu losen Niemand den Mut hat. Wir meinen die Frage wegen der Nicht-Ausführung des Artikel 44 des Berliner Vertrages, besten Ausführung doch die Voraus niens nicht. ^u erwarten, zumal wenn, sic, wie cs auch die jetzige liberale Regierung tut, au den Unsinn einer auswärtigen Verschwörung zur Schädisetzung zur Anerkennung der Selbständigkeit Ru- > gung des rumäniichen Kredit« glaubt und deshalb mänienS war. Es nutzt den Rumäne» nicht«, wenn den Versuch macht, die heimischen Israeliten zu sie noch so oft erklären, daß die Frage wegen der Gleichstellung der rumänischen Juden mit den übrigen Rumänen eine rein innere Angelegenheit Rumäniens sei, cs wird ihnen immer wieder von unparteiischer und selbst-nahe befreundeter Seite vorgehalrcn, daß sic nicht früher zur Ruhe kommen werden, als dis sic ihren vok 2:! Jahren übernommenen vertrag« mäßigen Pflichten nachgckömmcn sind. Mannigfache Anzeichen deuten darauf hin. daß die Vorstellungen der amerikanischen Regierung und des Londoner Kabinets aus Anlaß des sremdcnfeindliehen Handwerkcrgcsctzes selbst auf diejenigen rumanischen Politiker, die bisher mit Entrüstung jede Einmischung von Außen zurückwicsen, Eindruck gemacht haben. Wenn auch die NalionaKstcn io tun, als ob sie sich um die Meinung der zivilisierten Welt nicht -zu kümniern brauchen, so haben doch alle verständigen Rumänen erkannt, daß sie in der einseitigen srcmdenfcindlichcn Gesetzgebung nicht weiter gehen können, ohne dem Lande selbst ernsten Schaden zu verursachen. Es ist den höchsten rumänischen Regierungrpcrsonen von fremder amtlicher Seite aus Kundgebungen gegen eine, gerechte und darum der Regierung unangenehme Kritik seiten« der auswärtigen Presse zu veranlassen «Man wird doch'in ,Bukarest nicht leugnen können, daß wie günstig auch die budgetäre Lage durchs die letzte gute Ernte und Pie Ersparnisse des Ministeriums Sturdza geworden - ist, doch die ökonomische Lage keine Zeichen der Besserung aufwcist, Kein neues Ilntcruchmen in entstanden, das zur Belebung des Handels und der. Industrie beitragen könnte und, auch die Krise im Baugewerbe ist noch nicht vorüber: dar fremde Kovital zeigt sich nach wie vor mißtrauisch, eben weil noch keine Aenöeruug in der frepiSenkinüIichen <׳׳, ietzgebung cingctretcn ist. Aus sich,heraus aber kann der Rumäne, ohne Hilfe von Außen die reichen Hilssquellcn des Lander nicht eniwickeln, wie o: guldig und opferbereit er auch sonst sein mag. Eine Besserung der Verhältnisse ist alio nur. von cineiu - Preisgcben der bisherigen׳ sremdenfeindlichen Po!:t:k zu erwarte». Das erkennen auch, wie wir gesehen haben, die maßgebenden Personen an, allein ׳,e haben noch nicht ׳Len.Mut, osten für'eine Aeude * den Kopf gesagt worden, daß das Handwcrkcrgcjctz' rung einzuirelen, da sie surchten, dadurch unpovule.r ein barbarisches Gesetz sei und von allen zivilisierten j zu, werden Sie suchen deshalb durch mehr 07! Nalioneü verurteilt iverde, daß man in keinem Lande! weniger vage -leriprechungen ail die fremden :1 der Westens den Handwerkern die Ausübung ihres Gewerbes untersagen oder einer arbeitsamen und intelligenten Bevölkerung, wie cs die rumänischen Israeliten seien, Beschränkungen auscrlcgcn - werde. Verschiedene Führer der rumänische» Parteien haben gezeigt, daß sic eine Fortsetzung der bisherigen, gegen die ,rumänischen Juden gerichteten einschränkenden Gesetzgebung für unklug, nze/n nicht für unmöglich halten, aber sic scheuen fickt noch immer, die einzig wirksame Maßregel, nämlich die allgemeine und völlige Gleichstellung der rumänischen Juden mit den übrigen Rumänen entsprechend der Bcstimmungen des Berliner Vertrage« zu empfehlen und für die Annahme dieser Maßregel offen cinzutrcten. . Den größten Widerstand leisten natürlich die Konservativen, aber auch unter ihnen finden sich bereits Leute, die an der Richtigkeit der bisher besölgten Politik zu zweifeln beginnen. Dabei kommen sie freilich, um Abhilfe zu schassen, auf die seltsamstcn Pläne. So hat .jüngst die ״Epoca", das Blatt des Herrn Niku Filipcsco, erklärt, daß die jüdische Frage ihre Schärfe verlieren würde, wenn dik Zahl der Juden in Rumänien durch Auswanderung, die staatlich zu unterstützen wäre, um die Hälfte'vermindert würde, worauf durch eine weitgehende Gesctzgebung die übrigen im Lande gebliebenen Juden befriedigt werden könnten. EinVabsurder Gedanke, die Gewährung von Recht und Gerechtigkeit von einer destiiitiuten Zahl der Bevölkerung abhängig zu machen, denn cs ist doch klar, daß 250.000 Juden — so groß ist etwa die Zahl der bei einer allgcnieincn Naturalisation in Betracht kommenden Juden — unter einer Bevölkerung von 0 Millionen nicht-so viel gefährlicher sein könstnen als 125.000. Jedenfalls hängen der Mangel an Stabilität und die Korruption des rumänischen Beamtentum«, unter der die Bevölkerung, in erster Reihe eben die rechtlosen Juden zu leiden haben, nicht von der Zahl der im Lande lebenden Juden ab. Tic Mißbräuche in der Verwaltung und die Fehler der Gcsetzgebubg, insbesondere in Betreff der Schulen und der Land- Wirtschaft, werden selbst von aufgeklärten Konscrvativen zugegeben. Der einzige, der wenigstens in der Theorie offen für Recht und Gerechtigkeit auch gegenüber den rumänischen Juden eintrilt, ist Herr Earp, -weil er unbefangen genug ist, die Fehler zu erkennen, die alle rumänischen Regierungen seit 20 Jahren gemacht haben. Auch er hat im Lause dieser Zeit an der Spitze einer Regierung gestanden, allein dennoch keinen ernstlichen Versuch gcmacht, die antisemitische Gesetzgebung des Landes zu ändern, wenn er auch während seiner Regierung die Tendenzen, gieningen.-welche Vorstellungen erhob« haben u:D «n die Banken, die bas notweiMgc Geld beickiais.u sollen, Zeil zu gewinnen, allein es wäre die groß:. Torheit, wenn niair fd) daran! cinlstße. Im Gegen teil'sollten die Mittel, die man bisher benutzt ha:, um-die Rumänen zur Erkenntnis ihres Unrecht,« und zur Erfüllung ihrer-Pflicht _j» bringen, in v.r stärkte!» Maße angewendei werden, bis die'Ueb,: zeugung von der Unhaltbarke,l der bisherigen Hemden feindlichen Gesetzgebung vollständig zum Durchbruch gelangt. Wenn die Führer dez?pol11i׳'chen Partei,» nicht den Mul haben, offen für -ine Aenda ung d,1 gegenwärtigen unhaltba«» VerhLIinisss 'einzmret,:. könnte vielleicht König Earol, dererst jüngst e,7 äußert hat, ״daß etwas geichehe» muss,", detzf An ' stoß zu einem Spstemwcchscl geben, den h,re>:s ' viele Rumänen für notwendig halten . Und der it,t : im eigenen Interesse Rumäniens läge." Vielleicht, viellcicht'-auch nicht! Ter König von Rumänien hat bishetzstu io optimistischer Aunast'un.j keinen Anlaß gegeben. Wir glauben nicht, daß ein. Besserung der Verhältnisie von dieser Seite erwarten ist Viel bessere Früchte als des Königs^ Machtwort wird der Druck und WrdeMand d.'. - ausländischen Geldgeber!ragen... , Hat dir VrSnnrr U«ltusgr1nri»i>r rillt Geschäftsordnung!' Entgegen alle» bisherigen geheimen oder osten: lichen Zusammcnkünslcn der Brünner Kultnsodern. stand die am S. d. M stattgciundcnc Vorstandssitzung unter dem seltsamen Zeichen einer Geichästsordnung. Ins möglich? Die Fülle roher Gewal: — Politik, die gelegentlich derletzten Wahlvörgänge -bei einigen Vorstandsmitgliedern in elementarst.!- Weise zu Tage »rat, io» de» ersten Äußerungen eines Gefühls für Recht und Oiduung Platz gemach: haben? Wer die unwandelbaren Edaraklereigenichasi,» des Brunner Kulruspaicha kennt, wer beobachte! -ha: '■. wie dieser behäbige Aistmilalionsioldat unter An , Wendung verwerflichster Mittel vergeblich an der Nie- : derringung des südischen Natioualgebankens arl׳!!!!:. wird diese Frage verneinen müssen Nein! Die Art,;!, . welcher sich der läppische Cäsarenwahn dieses Mannes. I bis nmi in allen Vertrelunqsaklioncn der Brunn,r. > Kultusgcuieindc dokumenlicrte, zeugt von einer hedau -* rrnswenen Ursprünglichkeit. Jene Hand, welche :v» einer Kultuswählcr Versammlung den Opposition« tedner von derDribünc herabzustvßcn versuchte, wird nie und inminer eine annehmbare Geichästsvrdnung >1:7׳ welche von allen anderen Ministerien gepflegt worden . dem Beramngstsiche des Kultusvorflandes deponier,׳::, sind, zu mildern versucht hat. Er hat dabei freilich!Es sei denn - um durch Anwendung eines Advo. keine Unterstützung sei seinen eigenen Parteigenossen' kätcnkdstis einen neuen Gewaltakt zu oollüihrcn gesunden, Herr Carp bedauert die Auswanderung der Juden, da sie das Land eines nützlichen El,' Tic Tatsachen der letzten Borständssitzung verleiben, dieser Annahme eine nur zu berechtigte Grundlage bcigeführt werden könnte. j ,־;iiisa movt»1s dieses Antrages bildere der chdifche Unter solcheü Umständen ist ein entschiedener' Tempel, jener Schnierzcnslicdling. welcher nebst Schritt zur Aenderung der dirhcrigcn verfehlten , Friedhossgedonken beinahe das gesamte Beratung«- Politik von den alten historischen Parteien Rumävermögen unserer Gemeinderepräsentanren absorbiert. Gesinnungsgenossen! Gedenket des Pressfondes!

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