Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- I (1900-1901)
- Issue
- 1 (1.2.1900)
- Date
- 1900-02-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. Indische Seite 3 sür da« aktiv» Element im Zionismus, weil es und volc Besitzlosigkeit einhermarschieren Da« Pro am allerwenigsten entuationalisiert ist und auch lclariat verlangt nach einer Gesellschaftsordnung, einen materiellen Druck unter dem AntijemittSmu« in der der Reichthum, diese« Product der menichempsindet; da« jüdische Proletariat drängt aber lichen Arbeftskrast, den Producenirn voll und sein materielle« L e b e n «,i,n t e r e s s e auf den ganz gehört statt des gegenwärtigen Hungertod»»« Weg he« Zionismus, zumal da auch die sociasisrischen Die Arbeiter, die Schöpfer der Rcichthumcr fordern Ideale de« Proletariat« hier, bei der Schaffung neben ihrem vollen Arbeitserträge eine der Gesund ' einer neuen Gesellschaft ihre schöpferische Bcthätigung heit entsprechende sagen wir achtstündige —- sinden können. Da« Programm einer clasjcnbkwusrtcn Arbeitszeit, um zur Arbeit ängctkiebcn zu werden jüdischen Arbeiterschaft kann der Zionismus nicht voiz ihrer Lust und Liebe und nicht von der Peitsche vermissen. de« Hunger«. Laut schreit das Protctarikit iid ßillc Der Zionismus will aber nicht nur eine Welt hinaus: .Fort mit dem Arbeitslohn, es lebe jüdische Heimat schaffen, rändern auch die jüdische der Arbeitsertrag!" . Ration zur Auferstehung dringen. Auch über diesen! Unter de« zirldervasütea und dem Punkt hat der internationale Socialismu« sein Siege, nun» auch sür unabsehbare Zeit, entgegen letzte» Wort bereit« gesprochen. Internationalismus marschierenden Proletariat nimmt eine in voller bedeutet nicht AntinationaliSmus oder Anatio- Bcrzwefflung für Brot und Menschenrecht kämpfende naliSmu«, und die Entwicklung und Ausledung der Schichte eine Sonderstellung ein. Es ist da« Pro - nationalen Individualität der Böller ist eins lelvriat der Juden, dessen Roth schrecklich und dessen theoretische ebenso wie praktische Forderung de« Elend unbeschreibbar ist. Wiij Juden, die wir in modernen Sociali-mu« Freilich suchen dir »ergar Manchem vorangehcn, wir haben auch in Roth schiedencn gesellschaftlichen Elasten mit dem ^Begriff »nh"Elend die Führerschaft übernommen. Fragen, der Rationalität ihre spezifischen Wünsche und ivii, wa« un« vom nichtjüdischin Proletariat unter- Hoffnungen zu verquicken. In Wirklichkeit gehören scheidet, so liegt die Antwort cksirr aus der Hand: aber nur die höheren und edleren Züge der Volks- Unsere ganze Gefchi'chtc. Ergenthümlich. einzig leben« zum Begriff der Rationalität. Hierin hat dastehend ist die Geschichte der jüdischen Volkes aber der jüdische Rationalismus einen Borsprung unter allen Völkern der Erde, und ebenso eigen Denn der jüdische Rationalismus will n u r thümlich, einzig dastehend ist die Geschichte de« jüdi noch den inneren Veranlagungen scheu Proletariat«V unter den Proletariern der de« Volke« eine' BiIdungrfrcihcit ganzen Welt. schaffen, wobei dann das Gemeinwesen die erste Als Arbeiter hat der Jude da« gleiche konkrete Aeußerung derselben sein soll. Tie inneren Interesse an der Socialisicrung der Arbeitswille! Veranlagungen der jüdischen Volkspiychc sind aber und der Demokratisierung der gesellschaftlichen In .höhere ethische Triebe, in der Sclavcngcsckuchlc der stitutionen, wie die gesummte Arbeiterschaft der Welt: Juden geschaffen und gebildet. Tenn, wa« andere« Als Jude hingegen hat der Arbeiter ein vom ist da« jüdische Schriittnm, wie Bibsl und Propheten, nick» jüdischen Proletariat ganz^ unabhängiger als litterariichc Denkmäler einer im ulten Judentum Interesse, das ebenso eigenthümlnh und einzig danicht bi« zum Ende ausgesochtenon Elaiienkampses -stehend ist wii seine Geschichte: c« ist das Interesse zwischen Besitzenden und Besitzlosen? Das alte der Befreiung aus der immerwährenden Anieinduitg Judentum ist weiter nicht«, als da« historische und Verfolgung deren 'Wurzel in der Machtlosigkeit Ringen eines Proletariats um svcialistischc Lebensder Minorität des jüdischen Volkes steckt. Sckutucn sormc». Während man nun in den Rationalität« wir un» um. wie die Kinder der jüdischen-Proletarier begriff reaktionäre Volkstümlichkeit, mpstischc Ro in der weiten Ferne zerstreut ein elende« Dasein manlil und gedankliche Verworrenheit hinetnzuthun fristen, wie unsere Brüder, Verwandten und Bekannten versucht, wird da« jüdische Proletariat den subjcctiven in allen vier Enden der Welt brot- und heimatlos Rationalismus im Sinne de« Zionismus nach uitherirrcn und vergebens um Arbeit suchen. Mit seinen soeialcn und ethischen B e jedem- Jahre, ja mit jedem Tage werden wir immer jlrebungcn s ch ö pscrisch gestalten mehr und mehr vjncingczcrrt in die Rejerpearmec. So fasst da« jüdische Proletariat den Zionismus in da« Proletariat der Arbeitslosen. Tank des sehr sorialistijch aus Aus seinen socialen Interessen großen Angebot« der Arbeitskraft werden uns allstrebt r« eine Organisation und Centralisicrung de« inählig alle möglichen Beruslzweig« de« Handel», Auswanderung-Werkes an. während seine socialen der Industrie und der Wissenschaft versperrt, indem Hoffnungen und Wünsche den Zionismus und den man aus uns verzichten kann rmd darum auch vcrjüdischcn Rationalismus socialisiisch vertiefen und sichten muss, weil wir Juden sind: Tic Antisemiten verklären. . sperren »ns au«, weil sic un« hassen : die Liberalen Dar jüdische Proletariat verlandet mit seinem »nd Demokraten, um nicht al« Philosemiten zn Zionismus Licht und Wissen und Sclbstbesrciung gelten und die' Svcialdcniokraten schweigen darüber und socialistisches Hoffen. Im joeialistischen Ziophilosophisch lächelnd, um nicht als vcrjudct zu nismur erkennt sich das jüdisch« Volk historisch erscheinen; ihnen voran marschiert das vcrrätherische wieder. E« erkennt seine große gjcschichtliche'Miision Aisimilantcnlhüui, dessen Vcrralh uns am meisten nach innen sowohl wie nach aüßcn, seine Mission, drück», uns -am meisten wehe lhui. Wir begreifendie ihm durch seine hislorisckie Lage dienert wird auch, dass^wir alle diese Unbilden nur , Er sprengt die Fesseln der historischen Knechtschaft, darum erleiden müssen, weil wir aus der der socialen Unterdrückung, de« religiösen Ghetto gan zcnWelt zcr streut ln einer verschwin . und ringt nach Freiheit, nach geistigem Aasichwung. dendenMiuorität leben und daher macht »ach einer höheren Gestaltung de« Leben«. "und wehrlos sind. Unser einziges Unglück ist Ties zn verkünden soll die Aufgabe der .Jüdischen die Diaspora. Und solange wir nicht unsere eigene Volksstimme" sein!? Heimstätte, unsere eigene Heiiüat haben, in dK wir —>. - > > in einer großen Majorität leben, werden Feinde uns Israel war und ist da» iptsgezeichnctcste Volk >ni»icr verfolgen, und kein SoeialiSmus und kein der Erde; in seinem Ursprung und Fortlcbcn bi« -Herrgott in der Welt wird im Stande sein, uns aus den heutigen'Tag, in seinem Gluck und Unglück, zu Helsen. Darum ist unser k'ämpi vor allem »> Fehlern und Vorzügen, in seiner Ricdriqkesi unhsgegcn die Diaspora, für von Zionismus,- -Hohcit so einzig, so sonderbar, das« ich die Geschichte, für eine hcißcrjchnlc Heimat, die Art, die Existenz diese« Volkes süt den aus- Die Laien materiatiftc» der österreichischen gemachtesten Beweis der Wunder ml» Schriften Pjcudosocialbcmokratic verweisen uns immer, um halte, die wir von ihm haben und wnststz So etwa« den Zionismus »>I ulw»r<I>im z» führen, aus die lässt sich nicht erdichten, solche Geschichte, mit Allem historisch-matcrialistische Weltanschauung und diese wa» daran hängt und davon abhängt, kurz ein gerade spricht am meisten für den Zionismus. Dass solche« Volk lässt sich nicht erlüge». Seine noch der Stärkere den Schwächeren «njerdrückt und ve» unvollendetc -Führung ist Sa« größte Poem der folgt, da« ist keine ideologische, sondern eine historisch Zcjten und geht wahrscheinlich noch bis zur Entmaterialistische Thalsache.- Wir sind überroll, in Wicklung de« letzten, noch unberührten knoten« aller einer verschwindenden Minorität. Tic kleine Mino- Erdnatioüen hindurch. , //or-ckoe rilät ist immer schwächer, al« dir große Majorität .. > ' - - Und endlich, was ist eine Heimat?— Eine Wohi^ stätte, die dem Bewohner gehört und worin derscll» nicht behelligt wird. Das« eine kleine Minoiität eines Stammes von der großen Majorität eines andern Stammes au« ökvnonnschen Motiven auf verschiedene Art und Weise heimatlos gemacht wird, llnter der schweren Last der ArbeitSüberbürdung ist auch keine ideologische, sondern eine historisch' seufzt zur gesummten Menschheit 'das nach Freiheit materialistische Thatjache. Jede« Blatt der Geschichte Vas jkd. Proletariat und dir hiöorisch- Uatkrialikischc Weltanschauung. ringende Proletariat; e« erhebt Protest gegen eine , beweist diese traurige Wahrheit. Ich wiederhole, er Gesellschaftsordnung, welche e« duldet, oass in ist eine Thatsache. dass wenn Völker unter Völkern deren Mitte neben den angehäuften Rcichthümern in einer sich bcmcrkbarmachcndcn Minorität leben, mit ihren glanzvollen Attributen die krasseste Armut dieselben unter allerhand Vorwänden verfolgt, von .allen ErwerbSzweiqen verdrängt und somit heimatlo« gemacht werden. So gebt c« buch uns Jude». Tag täglich wandern Hunderttaniende von jüdischen Proletariern, welche vergebens nach Arbeit und Beschäftigung suchen, von. Land z» Land, weil der antisemitische Vookolt sie aus unzähligen Erwerb«-. zweigen verdrängt und sie heimatlos macht. Für die Verfolgten und heimatlos Umherirrenden eine Hesinstäikc zu schaffen durch planmäßige Ansiedlung der selben unter Voraussetzung öffentlich rechtlicher Garantien ist nne epen solche historisch-, ' materialistische Rotdwcndigkeit, mie-die Soeialisiernng* der Arbeitsmittel, am den Hutiqer aus der Bebt zu schaffen. Die historisch-materialistische Weltan schaumig' spricht nicht gegen den Zionismus, weil er selbst ei» ökonomische» Product, eine hiftorischmaierialistischc 'Rothwcndigkeit verbreitet die ,Milcht volksSimme'. Aus dem Leben jüdischer Proletarier. Gin» jüdisch» Arbciterltakl im Süd»« Uakianb». Inmitten der großen, unwirtlichen Roknltosümpse. die im Westen Rußlands einen Länderstrich von dcr^Größe de« Königreiches' Sachsen bedecken, liegt wie eine Laie die Stad! Pinsk mit einer Einwohnerzahl von 30.0i>y Seelen, darunter Lvt»»» Juden, Bis vor ungefähr zwei Jahrzehnten fand sich in dieser ^Gegend keine Spu, irgend tiher Industrie. letzt nuden wir dort, dank der Unlernekmunas »nü Ärdeiislust der jüdischen Bevölkerung, einen ichonen Anfang einer große::. Industrie, die aller Voraussicht nach einer no.g wetteren Entwicklung cnzgegengehl. Hier iehcn ipir, so schreibt die .Tuna Zeilung". bei den verschiedensten Abstillungen der Belricbcs »on der großen, mir allen ieckiniichen. Hilfsmitteln de« Rcuzeii veriehenc!>, mehrere hundert Arbeiter beichäistigenden Fabrik dis herab zum kleinen Hausbelriebe die mannigfaltigsten - Erzeugnisse entstehen An der Sette des jüdistb,- Fadrikantcn sinden wir'dier itichl allein ein jüdische: rommeizielle« und lechnnchetz Per'onal, sondern auch den jüdischen BIerkjnhrcr. den lüdischcn Maschinisten. ' den südlichen Hetzer und ansnahnistos indische Arbeiter. Berücksichtigt man. dass alle diese Ela bliffemcnis und Werkstätten nicht etwa von Philan thropen gegründete ArbtitShäuier sind, um arme Juden zu beschäftigen, sondern aus Gewinn angelegte Unternehmungen, die den Eoneurrcnzkainps mit in- und ausländischer Industrie zu dencben haben, so ist es sclbstvcrsrändlicki, dais eine ilrtngc Lrgäniiation und eine tüchtigeg. 'leiisige und ipohlhiseiplinierle Arbkilerichaar in ihnen vorhanden fti» ,uu>« Äeni, um »i Uhr morgens die Dampspsciien an allen Enden der Siadi crionen. "dann siebt man d-,e jüdiich« Ardeiixrichaar sich in Slrvmcn dit>^ die Gaffen ergießen »ud ckn tPsNiEdeil eile» D ii-esden Tanipspsciscn geben >u<^sreitag nachnnilog das Signal zur Einste/kluh der Atzbeis, IVenn strenge Sabbatruhe wird! «gehauen in dieser Arbetterstadi, und eilenden Schrittes kehrt ,eder zuruck nicht etwa, um in die Schanke zn geh, i -ssondern, beiq in den Schooß sein.-r Familie. In den Fabriken, die auch Rachldelrieb hadqi. wird die. Arbeit am Sonnabend abend wieder ',iuig'cnonziucn. Arbeiter und Arbeiterinnen ver'aminelit sich in her Fabrik, die Feiertagskleider werden in eigens hieiur de stimmten Räumen gr g> d:e LSerktagskleider verlaüsit,:. der Werkmeister iprick,: den Segen, die Dampfmaschine wird in Bewegung g ieztt «nd die 'Wochcimrdeit beginnt. Da hier alle mdsichen Feiertage beiiickiichtig: iverden. io zählt .man n» Jahre gewöhnlich L-F' Aröcitriagc. und bei iinunterbrochencin Betriebe wcckicln die-Tag- und Rachffchichlcn, die Rachlarbeil wöck^ntticki atr,- wesdald aus jeden Arbeiter; jährlich 140 Aideiiriage und I40 Arde»snachie zu II Stunden enl'allcii . -I.t'lir Oi«r Fabrik der Arbeiter sil. wie uns milgetheilt wird.' in Lodz -Ruistandi gegründet worden- Insotge der Errichtung mrhrcrer Fabrikcn sind jüdische H>i»d Haus ivcder zu großer Zahl brotlos geworden. Iudiichc Privatwohsthäligkeit wollte er Rorh abbelscn. Indessen' haben Lodkee Zionisten ein eadicalercs Miiret gesunden. Sie gaben .'>>><> Aittheilicheme Rudel aus. wodurch.dre Griindung einer Fabrik ermöglicht wurde. Es iiV ein aus qcnosicutchaillicher Basis begründete« Unter nehmen, dessen Ertrag den Arbeitern zusallt. die durch allmähliche Rückzahlungen aus die uusgegedenen Antvcilicheine zu Eigentümern der Fabrik werden. Etwa l 00 Arbeiter sind an diesem genoffenichastlickren Unternehmen bcthciligt.