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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1913-01-01 · Viertes Heft. (1913) · p. Seite 190

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
35 (1913)
Issue
Viertes Heft. (1913)
Date
1913-01-01
Page
Seite 190 (sequence 46)
Language
German
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190 ausseijüdische Sagenwelt irgend einen Kasten in Bereitschaft hielt, wurde er herbeigezerrt. Oder man sah in den biblischen Erzählungen Sinnbilder von Naturvorgängen vor sich. War in der Bibel jemand irgendwo durchgegangen, durchgefahren, durchgezogen (und so was kommt auf Erden in Vergangenheit und Gegenwart, auf Meeren, Ländern, in Städten, Strassen, Häusern, selbst Zimmern vor), so konnte sich’s ereignen, dass er irgend einen Durchgang von Gestirnen, das Fliehen einer Jahreszeit und Aehnliches darstellen sollte. Um gegen solche Deutungen gesichert zu sein, durfte der Mensch oder das Tier erstens nicht da sein, zweitens im gefahrvollen Falle der Anwesenheit keine Bewegungen machen, denn alles war verdächtig. Als Dichter bat sich Stucken nachher ausgezeichnet bewährt — ein Beweis, dass er schon vorher nur als Dichter in die alten Dinge alles Mögliche hineingeheimnist hatte. Fern sei es von mir, dem Forschertriebe und dem Fleisse des Verfassers die Anerkennung zu versagen. Aber diese Eigenschäften verpuffen, wenn sie von vom herein im Dienste eines Vor- Urteils in Anwendung kommen. Da ist ein einfaches Prüfen unmöglieh, und mit der gefärbten Brille sieht man alles genau 80, wie man es sehen will. Auch was an solchen Auseinandersetzungen etwa brauchbar gewesen wäre, verschwindet dann unter dem Wüste unzähliger. Einzelheiten, die alle, gleichviel aus welchen Zeiten und aus!reichen Quellen, in der gleichen sonderbaren Weise betrachtet werden. ‘ So!Jachten es die Alexandriner mit ihrer ewigen Sinnbilderei; so machten es die Gnostiker und die Scholastiker beim Einblick in alte Quellen; so machten es die Kabbalisten, die alles in der Schrift in geheimnisvolle Beziehungen auflOsten. Gewöhnen wir uns daran, wie es schon Herder verlangt hat, ein Glas Milch nur für ein Glas Milcb, das Salz beim Essen nur für Salz und eine Mandel nur .für eine Mandel anzusehen: Unser Entdeckerrubm mag darunter leiden, aber Wahrheit und Einfachheit werden dadurch in den Vordergrund treten, und der Forschertrieb wird sich nur d a bemerkbar machen, wo er segensreich wirken kann. P. Ceslaus Dier, 0. P., Magister der Theologie: Genesis, übersetzt und erklärt. 368 S. Paderborn, Schoningh. 5,60 Mk. Die Arbeit stellt sich, wie das Vorwort, S. 33 (Sinn des Berichts) usw. zeigen, auf den Standpunkt der kirchlichen Entscheidüngen und gestattet sich nur im Rahmen derselben selbständige Bewegungen. Die Bibelforschungen unserer Zeit werden vorne in weitesten Umrissen erwähnt, aber nicht als gesichert; doch folgt ihnen die Quellenscheidung (Vorwort und Einl. S. 2, 3) und nach wichtigen Abschnitten gibt Vf. vor den Schlussdeutungen die An-

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