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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1913-01-01 · Viertes Heft. (1913) · p. Seite 189

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
35 (1913)
Issue
Viertes Heft. (1913)
Date
1913-01-01
Page
Seite 189 (sequence 45)
Language
German
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18E Kreis. Die Redensart ״Milch und Honig“ findet sich bei den Assyrern, ■wie in der Bibel. Jael gab Sisera Milch zum Trinken — was da wohl für ein Geheimnis sich bewegen mag! Ja, aber das Deboralied 1 Wasser will er, Milch gibt sie ihm! Das geht nicht mit rechten Dingen zu! Nun Honig! Weder Sauerteig, noch Honig darf allerdings beim Feueropfer, dem Opfer des Ernstes, dargebracht werden — bei Ezechiel ist von Erstlingen des Getreides und von Honig die Rede. Weiss denn Vf. nicht, dass die Erstlingsopfer, die Opfer der Fräude, Sauerteig und Honig zur Verwendung haben? Jonatan findet im Walde Honigwaben, geniesst davon, und ״seine Augen werden helle.“ Viel Honig kann er nach der Ansicht des Vf.'s nicht gegessen haben, und doch waren seine Augen helle vom Honigzauber! Und doch soll man nach der Mischna Joma VIII am Versöhnungstage bei Herzensschwäche das Fasten unterbrechen lassen und dem Leidenden zu essen geben ״bis seine Augen leuchten.“ Wenn nun huldvolle Reden mit Honigseim verglichen werden, geraten wird, Honig zu essen, da er gut sei, 80 ist hier von wirklichem Honig die Rede! Das Süsse erschien den Alten (man denke an Nestor, dessen Rede lieblicher als Honig floss) nicht wunderlich, und zu Nehemia’s Zeiten sprach man zum Volke: ״Esst Fettes und trinket Süsses!“ Wir würden das heute kaum verstehen. Wir können uns denken, welche Weite diese Deutungen annehmen, wo es sich um gesetzliche Handlungen, also um Sinnbildliches handelt. Soweit die Tora an Sitten anknüpft, welche in Israel vorhanden waren und auf vorisraelitische Zeiten zurückgehen, mag die Spur des Volksgla ubens gesucht werden, und doch werden wir trotz aller Vergleiche riebt imstande sein, hier Sich »res zu finden. Die Gefahr liegt aber ror, dass jede Bewegung, jede im Zusammenhang noch 80 notwe ndige Handlung, jeder noch so belanglose und noch so unentbehrliche Gegenstand mit einem Nebensinne bedacht wird. Und hat man das an einer Stelle getan, so wird sich eine zweite melden, an welcher z. B. ebenfalls die Milch vorkommt, und findet mt n noch eine dritte Stelle (so begreiflich das Vorkommen der Milt h an tausend Stellen sein kann), dann ist der Glaubensartikel fertig zumal drei Stellen den harmlosesten dabei erwähnten Nebenbc Zeichnungen noch weitere Deutungen verleihen, Verkettungen hervorrufen, die schliesslich ins Unendliche gehen. Mag der Dichter ein Bild aus der Natur nehmen, mag er, wie z. B. im 137 Psalm, uns in eine bestimmte, der schwermütigen Stimmung entsj rechende Gegend versetzen, — sofort ist der Wasserzauber da, die Stimmung aber ist verschwunden. Vor mehreren Jahren hat Stucken sein mehrbändiges Werk ״Moses“ erscheinen lassen. Das «rar nichts weiter als eine Auflösung der gesamten ToraerzählungBn, die nach bekanntem Muster als Abbilder alter Völkersagen duich Vergleichung aufgefasst wurden. Da gab es ein Kastenmoti׳r, und wo die Bibel oder die

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