Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 35 (1913)
- Issue
- Viertes Heft. (1913)
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 184 (sequence 40)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/6492408-6582240-8773761--4507-4859545- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
184 Eine dritte Arbeit »Grundlagen der Mischna“ von M. Lemer, beschäftigt sich nicbt allein mit der Gestalt und dem Inhalt der Miscbna, sondern auch mit der Begründung der Thora schebaal Peb, der mündlicheu Lehre. Da das höhere Alter der Mischna ja in etwas auch ein Zeugnis der mündlichen Lehre ist und ihre Auerkennung als der Schrift gleichwertig anbahnen hilft, 80 bemüht sich Lerner um den Nachweis des höheren Alters für die Mischna. Er sagt (S. 351): »Zu den Axiomen der modernen Forschung gehört die Annahme, dass die Mischna, welche R. Jehuda Hanassi redigierte, auf den Vorarbeiten R. Melrs und R. Akibas basiert.“ Er bemüht sich nun, aus dem Seder Tannalm etc. das höhere Alter der Mischna zu beweisen. Nur hat sich Lemer sein Geschäft nicht erleichtert, als er den obigen Satz als ein »Axiom der modernen Forschung“ ansab. Ob noch heute diese Sätze so scharf betont werden? Mich selbst scheint Lemer aus der modernen Forschung auszuschalten. Immerhin lebe ich doch in unserem Zeitalter. Es ist nun merkwürdig, dass ein grosser Teil meines miscbniscben Lebenswerkes sich von vornherein mit der Widerlegung dieses und ähnlicher Sätze befasst*). Wer vom hellenistischen Schrifttum herkommt, kann von vornherein an solche Sätze nicht glauben. Mir waren zuerst die geschiehtliehen Nachrichten unserer Alten nicht gegenwärtig, wohl aber die Mischna selbst. Und diese musste mich ohne alles Weitere am besten lehren, dass ungeheuer viele Hände und Zeitalter an ihr gearbeitet haben. Es bandelt sich nur darum, ob man das vor Akiba Vorhandene überhaupt Mischna nennen darf? War das gestattet, so musste man viel weiter zeitlich zurückgehen und konnte selbst bei Hillel und Scbammai nicht stehen bleiben. Die von Lemer gebrachte Stelle aus Kerithuth stammt aus Seder Tannaim und wird von mir in obigem Werke 2. Teil S. 15 angeführt. Nicht auf Grund dieser Stellen, sondern meiner textliehen Wahrnehmungen gehe ich weit vor Hillel zurück und bleibe mit den alten Nachrichten doch im Einklang. Auch die 600 Ordnungen, welche Hillel und Schammai in 6 verwandeln, finden bei mir ihre Deutung. Bis zum Auftreten Hillels war der Seder Mikra massgebend und da mochten den 613 in der Tora zerstreut gegebenen Pflichten etwa 600 Ordnungen entsprechen. Jede Mizwa hatte ihre Ordnung gemäss der Schrift. (S. meinen Nachweis Uber den weiten Umfang des Seder Mikra in der alten Mischna.) Mit den beiden Schulen tritt statt dessen die sachliche Ordnung ein (8. das. Teil 2, S. 16 ff.) und stellt sich die eigentliche Ordnung unserer Mischna ein. Bez. Schewiit erinnere ich an meine Behandlung von Schewiit in »Die Miscbna; Aufbau und Quellenscheidung‘, zu der doch Stellung genommen werden konnte. Dass durch Prosbul nur eine rabbinische Pflicht getroffen wird, sage auch ich S. 146. Das *) Ich gehe bis auf die sadduzäischen Bewegungen der Zeit Alexander Jannai's zurück.