Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 35 (1913)
- Issue
- Viertes Heft. (1913)
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 168 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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168 Dies Erbieten des Rates zu Bernau hat Heinrich von Bettschitz, des Stifts zn Brandenburg Hauptmann, mit Dank angenommen, und er ist alsbald hernach, den 9. Juni, gekommen und bat auf alle vorher gemeldeten und anderen Indizien, Bekenntnisse und dergleichen hin von Paul Frohm wissen wollen, wo er die Hostien gelassen, sintemalen ihm nicht zu glauben sei, dass er die heiligen Hostien zu seinem sündhaften Genüsse gestohlen habe. Als man ihn nun darauf mit dem Scharfrichter bedroht, hat Paul Frohm von Stund an mit klaren vernehmlichen Worten ausgesagt und nicht allein in der Pein, sondern auch vielmals hernach frei und ledig in Gegenwart des Hauptmanns, Bürgermeisters und der Ratmannen von Bernau bekannt, wie er in die Kirche zu Knoblauch gestiegen, die Hostien und Monstranz daraus gestohlen und die eine Hostie zu sich in den Mund genommen und genossen, die andere aber habe er bald den folgenden Donnerstag dem Juden Salomon zu Spandau für 9 märkische Groschen verkauft, die ihm Salomon mit eitel neuen Berlinischen Pfennigen bezahlt habe, welche er von ihm empfangen und zu seinem Gefallen wiederum ausgegeben habe. Er hat auch insbesondere bekannt, sobald er die eine Hostie in den Mund genommen und genossen habe (was im Felde bei dem Dorfe Staaken, eine halbe Meile Wegs von Spandau, geschehen), da sei es alles um ihn her ganz dunkel und finster geworden, also dass er bei einer Stunde nicht habe von der Stelle kommen können. Diese erwähnte begangene Tat, die Indizien und Bekenntnisse und insbesondere, wie der Jude Salomon die eine Hostie für neun märkische Groschen an 8ich gekauft, ist durch ein offenbares Gerücht und durch andere glaubwürdige Leute abermals an den Kurfürsten von Brandenburg gelangt, worauf dann Ihre Kurfürstliche Gnaden aus besonderer Liebe, die Ihre Kurfürstliche Gnaden zu Gott und dem hochwürdigen heiligen Sakrament gehabt, den erwähnten Juden Salomon nach Berlin fortbringen und ihn und Paul Frohm gegeneinander hat verhören lassen*). Da haben sie alle ihre begangenen Uebelt&ten bekannt, insbesondere der Jude Salomon, dass er die eine Hostie am Donnerstag nach Mariä Lichtmess gekauft und ihm dafür 9 Groschen in Berlinischen Pfennigen bezahlt habe und dass Paul Frohm die kon6ekrierte Hostie in einer kleinen Messingbüchse zu ihm gebracht und ihm die Hostie aus dem Büchslein überantwortet habe, aber das Büchslein bei sich behalten habe Es bat auch der Jude Salomon weiter bekannt, wie er die Hostie *) Wahrscheinlich in der ״Pein“ (Folter). (Red.)