Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 35 (1913)
- Issue
- Viertes Heft. (1913)
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 166 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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166 Knoblauch, das im Havelland« liegt, gestiegen, hat das Ziborium oder Sakramentshäuschen1) erbrochen, daraus eine kupferne, vergoldete Monstranz*) und zwei konsekrierte Hostien’) in einem Mes8ingbüchslein gestohlen und weggebracht. Solche unchristliche, schreckliche Tat ist am 13. Tag des Februar an den Kurfürsten von vielen glaubwürdigen Leuten gelangt, welcher dann dieselbe als ein löblicher, hochberühmter Verehrer Gottes des Allmächtigen und seiner heiligen Sakramente sich merklich zu Herzen genommen hat und darauf an alle Länder und Städte Seiner Kurfürstlichen Gnaden den ernsten Befehl hat ergehen lassen, beides, auf Christen und Juden acht zu haben, ob sich diese gestohlene Monstranz und besonders die Hostie bei jemand finden würden, was man alsdann von Stund an seiner Kurfürstlichen Gnaden melden solle. Darauf sind im Stadtgraben zu Bernau am lf>. Tage des gemeldeten Monats bei dem Scheunentor einige Stücke von der oben berührten gestohlenen Monstranz gefunden worden; die anderen Stücke aber waren verstreut, einige weit von der Stadt, auch einige innerhalb der Mauern, die dann der Bürgermeister daselbst zu Bernau und einige Ratsverwandte aufgehoben und verwahrt haben. Dieweil aber einer, mit Namen Paul Frohm, ein Kesselflicker zu Bernau, in einem Gässlein, Hagen genannt, nahe bei der Mauer, hinter der die grossen Stücke der Monstranz im Graben gefunden worden, wohnte, sobald der Diebstahl und Kirchenraub bekannt geworden, entwich, und weil er auch sonst eines verdächtigen, leichtfertigen Lebens gewesen und man auch das Kreuz, das auf der Monstranz gestanden, sonst bei ihm und in seiner Hand gesehen (weil er es einem Torwächter und Wagner4) daselbst gezeigt und Leipzig. Erster Band 1 Mk., 2. Band 1,20 Mk. — Verf. lässt den jedesmaligen Quellen eine allgemeine geschichtliche Bemerkung vorausgehen, welche den Leser in das Notwendigste zum Verständnis der geschichtlichen Lage einführt. Die Darstellung ist fasslich und spannend, so dass diese Bücher jedem Freunde der Geschichtskenntnis warm empfohlen werden können. (Red.) M Das Ziborium ist im katholischen Kultus 1. ein baldachinartiger Ueberbau des Altars, 2. so viel wie Tabernakel oder Sakramentshäuschen und 3. das Gefäss, das in einer Pyxis (einem kelchartigen Gefäss) die geweihte Hostie enthält י) Die Monstranz ist im katholischen Kultus ein aus Gold oder Silber verfertigtes, oft mit Edelsteinen verziertes Gefäss, in dem sich die geweihte Hostie befindet *j Geweihtes Abendmahlsbrot, das nach katholischer Auffassung von dem Segen des Priesters an bis zu seiner Zersetzung, auch in den kleinsten Partikeln (Teilen), der Leib Christi ist. *) Wagenbauer.