Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 35 (1913)
- Issue
- 3. Heft. (1913)
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 124 (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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124 so viel wie Gefahr, Verfall, Erniedrigung oder, mindestens wie Erholung, Blindheit, zeitweiliges Selbstvergessen bedeuten würde: das Ideal eines menschlich-übermenschlichen Wohlseins und Wohlwollene, das oft genug unmenschlich erscheinen wird, z. B., wenn es sich neben den ganzen bisherigen Erden-Ernst, neben alle bisherige Feierlichkeit in Wort, Klang, Blick, Moral und Aufgabe, wie deren leibhafteste, unfrei willige Parodie hinstellt. Von diesem Wirrsal menschlicher Ueberhebung und Ueber- Wertung menschlichen Könnens und Strebens befreit uns unser Dichter, indem er mit seiner klaren, scharfumgrenzten Bestimmung des göttlichen und menschlichen Wesens die Schranken menschliehen Daseins und menschlicher Macht aufzeigt, besonders durch die Gegenüberstellung der erhabenen Majestät und Herrlichkeit Gottes und der kläglichen Ohnmacht des Menschen. Unserem Dichter erscheint es bei diesem Vorhaben vermessen oder gar überflüssig, von Gott selbst auszugehen, denn er steht noch ganz im Bann seiner Versenkung in Gottes Majestät und Herrlichkeit, die er hymnenartig in der ersten Strophe seines Psalms preist: Alle Bande, die Menschen aneinander fesseln: — die Liebe, und die Menschen voneinander reissen: — der Hass, zerfallen wie Zunder vor dieser Anbetung Gottes. Die Feinde des Volkes Gottes hören sie aus dem Mund von Kindern und Säuglingen uud — schweigen, und die Bachgier und Wut wider das Volk des heiligen Gottes schnauben, sie vernehmen sie und — verstummen. Solch Lobpreis erweist, dass Gott zu erhaben dasteht, als dass unser Dichter von ihm aus der Menschheit ihre Stellung Gott gegenüber bestimmen könnte. Darum beschränkt er sich auf die Werke Gottes in der richtigen Ueberzeugung, dass schon sie genügen, den Menschen in seinem wahren Wesen erkennen zu lassen. Doch was ist der Mensch im Vergleich nur zum Himmel mit seinem unermesslichen Sternenheere? — und zur Erde? Elin Nichts ist erl Er ist so klein und winzig, dass der Schöpfer des Himmels und der Erde gar nicht einmal nach ihm blicken mag, viel weniger noch auf ihn Rücksicht nehmen. Nur Menschen, die den Pfad verloren, können im Angesicht der Schöpfungstaten Gottes auf ihre Macht verweisen. — Also ist der titanische Uebermut, der zu Zeiten die Menschen und Menschheit ergreift: Nil mortalibus arduum est! — ein Wahnsinn 1