Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 35 (1913)
- Issue
- 3. Heft. (1913)
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 120 (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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120 Pflalmendeataogen. Tod Profeaaor Hans Bahr.*) Der 1. Psalm. Die Frommen and die Bösen. 1. Wohl dem, der nicht wandelt nach dem Rat der Gottlosen Noch tritt auf den Weg der Sander, Noch sitzt in der Gesellschaft der Spötter, — Sondern hat Wohlgefallen am Gebote des Herrn Und sinnt aber ssin Gesetz Tag und Nacht nach! 2. Der ist wie ein Baum, Gepflanzt an Wasaerl&ufen, Der seine Frucht bringt za seiner Zeit Und dessen Blitter nicht verwelken. Und alles, was er unternimmt, fahrt er glücklich durch. & Nicht so die Gottlosen! — Sondern wie Spreu sind sie, Die der Wind verweht. Darum werden die Gottlosen nicht im Gericht bestehen, Noch die Sünder in der Gemeinde der Frommen. Denn der Herr erkennt nur den Weg der Frommen an, Aber der Gottlosen Weg führt zur Verdammnis. Auf einen Fromm'en kommen drei Böse: ein Gottloser, ein Sttnder und ein Spötter. ״Gottlose“ nennt der Psalmist die, welche die Gebote Gottes nicht halten, ״Sünder“, welche beständig von Gottes Wegen abweichen, und ״Spötter“, welche sioh Ober die Forderungen des Gesetzes und der Propheten lustig machen. Ob das aber, wie ein moderner Ausleger meint, bei Wein und Becherklang geschehen ist, vermag ich nicht zu entscheiden. Möglich ist es immerhin, denn der Wein löst die Zunge — wohl auch zur Lästerung! Wahrscheinlicher ist mir, dass solcherlei Spott geübt wurde, wenn der Böse den Frommen zum Tempel eilen oder in den heiligen Schriften lesen sah. *) Die warmherzigen Betrachtangen über die Psalmen, diese in ihrem eigensten Geist aafgefasst, ohne gelehrte and trockne Ueberlastang mit dem anrenneidlichen Sehalgeztnke, hatten den Zweck der Einwirkung anf Kanzel, Gemeiade and Haas, damit es ans selbst nicht za gering scheine, dem einfachen 8inn dieser Gedichte nachsngehen. Wir hoffen, dass Vf. sein Vorhaben noch in diesem Geiste aasfahren Wird.