Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 35 (1913)
- Issue
- 3. Heft. (1913)
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 119 (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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— 1 19 — Volke wurde, war es nur von se an verschiedenen Stellen der Bibel betont. Gerade diese WUlige Gle 6hberechtigung aller Bürger, worunter auch der Fremde inbegriffen ist, weist klar daraufhin, dass diese Verfassung dem jüdischen Volke zu einer Zeit gegeben wurde, wo Verfassung ebenfalls gar keine Unterschiede vorhanden waren, die jüdische Geschichte nur einmafl. Volkes aus seinem Sklavenlande lang geknechtet ward und alle ertragen hatten. Nach seiner Befreiung, wodurch es eigentlich erst tum Verfassung dem jüdischen Volke ater den ״Empfängern* dinser oder doch nur sehr wenige 80z ale Einen solchen Zeitpunkt kennt aber Dies war bei der Befreiung aus Egypten, wo es Jahrhunderte dasselbe Los und dasselbe Joch bst gegeben, dass die Verfassung, zu die den Befreiten zu Teil werde, keinen Unterschied in der Bewertung und Behandlung des Menschen kennen durfte. Gewiss bedingt schon das theokratische Prinzip als solches ein gleiches Recht und eine gle che Behandlung jedes einzelnen Bürgers. Jedoch ist es mehr als zwei feihaft, ob ein derartiger Grundsalz in jenen Zeiten von vorherein auf irgendwelchen praktischen Erfolg rechnen konnte, wenn nicht das erwähnte Moment hierbei mitgewi kt hätte. Anderseits war es nur )ine richtige Folge, wenn nach der ja lrhunderte langen Unterdrückung bei der Befreiung für die verschiedensten Wohlfahrtseinrichtungen Vorsorge getroffen wurde. Kurz gesagt: die sozialen Einrichtungen der Bibel gründen sich auf die Befreiung aus dem Egyptischen Sklavenlaide, wie das in der Bidel bei der Ermahnung, die sozialen Gesetze genau zu beachten, öfters hervorgehoben wird. In der Folgezeit machen; ach in der Tat, wenn auch nur allmählich, soziale Unterschiede bemerk >ar; immermehr suchte eine zum Ansohen gelangte Klasse die Herrsdiaft über das Volk an sich zu reissen. Eine mächtige Reaktion trat di «er Tendenz entgegen. Bereits die ersten Propheten kämpften gegen diese Ungerechtigkeit an. Sie betonen mit allem Nachdruck die Notwen ligkeit der sozialen Einrichtungen. Sie weisen immer wieder darauf Irin, dass ohne strenge Einhaltung der tneokratischen Forderungen auch besaglieh der Wohlfahrtseinrichtungen die genaue Beobachtung der spezifischreligiösen Gesetze wertlos sei. Endlich zeigen sie, mit welchem Emst und mit welcher Gewissenschaftigkeit die sozialen Gesetze durebgeliihrt werden müssen. Durch dieses Auftreten der Propheten wurde dem jüdischen Volke das heisse Bestreben erhalten, überall wo es nur möglich Wohlfahrtsinstitutionen einzurichten, ein Hang, der ihm haute noch eigen ist.