Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Litteratur-Blatt · 1913-01-01 · 3. Heft. (1913) · p. Seite 104

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
35 (1913)
Issue
3. Heft. (1913)
Date
1913-01-01
Page
Seite 104 (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/6492408-6582240-8773760--4426-4859465
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

104 ihrer Bewegungen würde von allen denen beobachtet, welche die Pflicht haben, Zeugen solcher geistigen Zweikämpfe zu sein. Bekanntlich lautet die Losung, für welche Zuckermandel seit Jahrzehnten kämpft: Die Tossefta ist die eigentliche Mischna, wie sie ja auch dem älteren Talmud, dem Jeruschalmi, zu Grunde liegt; die sogenannte Mischna ist nicht im Lehrhause Juda Hanassi’s, sondern in Babylonien als ein Ergebnis der Entwicklung babylonischer Halackhoth und demnach vieler’ Umwandlungen entstanden. Ehe wir hier eine Entscheidung versuchen, wollen wir uns mit den Voraussetzungen beschäftigen, welche Zuckermandel vorausachickt. Vor allem teile ich mit ihm vollkommen die Auffassung über gewisse geschichtliche Angaben bez. des Mischna- Werdens oder der Mischnadeutung, über gewisse daraus gezogene Regeln bei den Amoräern. Sie können nicht von vornherein zu Grundlagen unserer Untersuchungen gemacht werden, sondern bedürfen von Fall zu Fall der Prüfung an den Tatsachen, wie sie sich wirklich im Talmnd finden. Erst wenn sie damit übereinstimmen und so weit sie damit übereinstimmen, verdienen sie anerkannt zu werden. Wer sie unbesehen wörtlich nimmt, wird über den Talmud mühelos wortreiche und wohlklingende Allgemeinheiten anzuführen wissen, aber wahrscheinlich die unendliehe Lebensfülle und Mannigfaltigkeit seines Inhalts nicht kennen. Dabei sind derartige Aeusserungen des Talmuds über sich selbst nicht unecht, nur betreffen sie bloss teilweise die uns vorliegenden Sammlungen und haben oft ganz andere, uns verloren gegangene Fassungen im Auge; oder sie werden dem Ganzen des vor uns liegenden Talmuds nicht gerecht, der weit über jene Zeiten an Umfang und Erörterungsgliedern hinausgegangen ist. Auch dass die tannaitischen oder amoräischen Sammlungen mannigfachen Umwandlungen ausgesetzt gewesen sind, wird jeder Kundige mit Zuckermandel annehmen. Schon indem ein nächstes Geschlecht seine Erörterungen als Gemara an den vorliegenden Stamm anschloss und die darauf Folgenden die Worte der Früheren zum Stamme 6chlugen, entstanden Einschiebsel, die dem Früheren nicht bekannt gewesen sein können. Hörte nun etwa mit dem letzten Federzuge Juda Hannassi’s das Tannaitenzeitalter auf? Das Bewusstsein, dass die Mischnazeit zuende sei, wonach die Jetztlebenden nur als Nachgeborene betrachtet werden können, hat sich erst viel später eingestellt. Ich habe in meinen Einzelbehandlungen von Mischnatraktaten so und so viele Mischnas nachgewiesen, welche den an manchen Gemarastellen redenden Amoräern als Mischnas unmöglich bekannt gewesen sein können, also noch nicht Mischnas gewesen sind. Das machte damals viel Aufsehen und wurde mir bestritten — da Frankel Hebräisch geschrieben hat, waren.seine ähnlichen Aeusserungen in der Hodegetik nicht so bemerkt worden.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.