Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Litteratur-Blatt · 1913-01-01 · 3. Heft. (1913) · p. Seite 102

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
35 (1913)
Issue
3. Heft. (1913)
Date
1913-01-01
Page
Seite 102 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/6492408-6582240-8773760--4424-4859463
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

102 die Pflicht auf, die Angelegenheiten der Jaden za ordnen. Man entzog sich aber dieser Aufgabe and hielt den Unterschied zwischen einheimischen and fremden Untertanen aufrecht. Nan gibt es in Rumänien 278 000 Fremde, darunter 266 000 Juden, so dass die harten Ausnahmegesetze gegen Fremde zunächst die Jaden treffen. An den Begünstigungen der wichtigsten Gesetze müssen 7ö°/a Rumänen teilnehmen, ehe an die Fremden gedacht werden kann. Die Zunahme der neuzeitlichen Bildung ist bei dem jüngeren Geschlecht« sehr schwach im Verhältnis zu den Rumänen selbst. Dem Bändel gehören 21, höchstens 22 % Juden an, der Gross-, wie der Mittelindustrie je 19 °/0, während der Anteil der Juden am Handwerk viermal grösser ist, als ihr Bevölkerangsanteil ln Jassy sind 76 % aller Handwerker Juden. Nur in der Oberschicht finden sich Bankiers und Grosspächter, die aber dem Judentum keinen Nutzen bringen. Diesem Notstände entspricht nun die Auswanderung. Von 1881—1908 sind aus diesen drei Mittelpunkten des Judentums zwei Millionen Juden aasgewandert. Die Meisten haben sich der Union zngewandt, etwa 40 000 dem übrigen Amerika, 190 000 sind nach England, 30 OCO nach Deutschland, 50 000 nach Frankreich, 80 000 nach afrikanischen and asiatischen Zufluchtsstätten, also auch besonders nach Palästina gewandert. Ein so grosser Zufluss fremder Ansiedler hat in den davon betroffenen Staaten natürlich Gegenmassregeln hervorgerufen Man hat die Einwanderung an erschwerendere Bedingungen bezüglich der Geldmittel, der Bildung des körperlichen Zustandes geknüpft; in England mit dem Erfolge, dass vor 1906 jährlich 12 000, nachher nur deren 3000 die Auswanderung vornehmen konnten. Trotzdem stellt es sich heraus, dass der Zustand der Zurückbleibenden sich nicht durch die Auswanderung so vieler gebessert hat. Aach ihre Anzahl hat sich nicht vermindert. Wir haben es vorgezogen, aus dem reichen Inhalte dieser Schrift die Eingangskapitel za kennzeichnen. Unsere Leser werden daraus ersehen, dass die Einzelangahen hier nicht eine trostlose Zahlenwüste, darstellen, wodurch derartige Darstellungen oft so angeniessbar werden, sondern dass die zahlenmässigen Angaben so in die Darstellung verwoben sind, dass man sie als einen unerlässlichen Teil des Ganzen erkennt und selbst seine Folgerungen daraus ziehen kann. Wir sind kaum im Stande, auch nur der Inhaltsangabe des Weiteren gerecht zu werden, müssen den Leser vielmehr unbedingt auf das Buch verweisen Er wird nicht nur eineu wahren Genuss an der Darstellung haben, sondern den Gegenstand genau kennen lernen und dazu selbständig Stellung zu nehmen im Stande sein. Ausstattung und Druck machen es schon äusserlich zu einer vornehmen Veröffentlichung.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.