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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1913-01-01 · 3. Heft. (1913) · p. Seite 100

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
35 (1913)
Issue
3. Heft. (1913)
Date
1913-01-01
Page
Seite 100 (sequence 6)
Language
German
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100 Judentums vorgebracht worden. Gibt es nicht aber noch andere Erklirungsmöglichkeiten dafür? Hat Vf. tod dem jüdischen Zuge gesprechen, das Geistige, die Gedankenwelt über du Irdische zu setzen — ein Zug, der von dem vielen Arbeiten in Bibel und weiterem Schrifttum dem Judentum immer mehr zu eigen wurde und es die Leiden des Augenblicks vergessen liess? Hat er bei dem Umstände, dass Tausende aus Treue gegen das Höhere, die Religion, aus!Andern wie Spanien zogen, die unentwegte Treue gegen das Ueberlieferte als Ursache angegeben? Hat er die Notwendigkeit betont, zwecks der Religionsübung sich zu Gemeinden zu vereinen? Sind das keine Erklärungsgrundlagen, weil sie unstreitig sind und das jüdische Wesen gerade bei seinen Wanderungen und Leiden sicher kennzeichnen? Und sind es bei den Wanderungen ans dem Osten nach dem Westen in t unserer Zeit freiwillige Bewegungen, welche im Judentum an sich Regen? Würden die Russen nicht ferner ihrem Vaterlande angehören, würden so und so viele Berufsmenschen unserer eigenen Ostprovinzen ihre Wohnsitze verlassen, wenn die wirtschaftlichen Angriffe und Bedrängnisse sie nicht hinaus trieben? Und selbst dabei — ein Verlassen ihres Glaubens würde ihnen alle Möglichkeiten bieten, aber sie verschmähen das Liebste um solchen Preis. Die Nichtbetonung solcher Züge und Gedankengänge ist eine Einseitigkeit, gegen welche sich die W issenschaft erklären muss. Auch dass Vf. einen beitenblick auf d i e Geschichtsbehandlung wirft, welche das Ganze unter den Gesichtswinkel des R e c h t s stellt, ist nicht richtig. Ist denn der Kampf um’s Recht nicht eine starke Seite solcher Erwägungen? Die Behandlung solcher Ausschnitte aus dem Ganzen, wie die vorliegende Schrift sie bietet, kann nur willkommen sein, solange die Forscher fühlen, wo der Mangel da liegen muss, nämlich in der gesonderten Herausstellung einer Einzelerscheinung, ohne den Blick auf die Nebenbedingungen, die es zum Ganzen in Beziehung bringen. Wir sagen Jedem Hank, der eine Seite des Forschens der Einseitigkeit der Denkerstube entzieht, wenn er nicht die andere Einseitigkeit begeht, sich Allem gegenüber, was aus den Denkerstuben kommt, gleichgiltig und ablehnend zu verhalten. Eine Prüfung der geschieht- Rehen Einzelheiten überlassen wir den statistischen Zeitschriften. Wieweit das vom Vf. bemerkte Zurücktreten der Juden <1m Wirtschaftsleben und ihre stärkeren Bemühungen um sich und ihre Gesamtheit auf Tatsachen beruht, kann nur aie Zukunft lehren. In der ,jüdischen (Kolonisation Palästinas" geht Nawratzki im Anfangsabschnitt auf die jüdischen Wanderungen als Voraussetzung der jetzigen Verhältnisse in seiner Darstellung ein, allerdings nicht in dem .Masse, wie es in der vorbesprochenen Schrift geschehen ist; nur was dem Schicksal der aschkenasischen und sefardischen Juden zur Erklärung dienen kann, wird angeführt. Vf. zeigt uns, dass in vielen Ländern wahrecheinbch sich Juden finden, deren Abstammung in ein graues Alter zurückgeht, die sich noch auf die altrömische Zeit berufen können. Maasgebend sind für unsere Frage nur Aschkenasim und

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