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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1913-01-01 · 3. Heft. (1913) · p. Seite 99

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
35 (1913)
Issue
3. Heft. (1913)
Date
1913-01-01
Page
Seite 99 (sequence 5)
Language
German
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99 verbundenen Pflichten nicht ausgeübt hat. Später wurde der Rechtskampf des Judentums an die Spitze der Darstellungen gebracht. ln neuester Zeit wird di<3 wirtschaftliche Seite die hauptsächliche. Die jüdischen W; Inderbewegungen sollen aus dem Zusammenst08s der bezüglichen beiden Entwicklungsschichten, der ursprünglich vorhandenen, wie der oinwandernden erklärt werden. Vf. nimmt drei grosse Zeitalter für die jüdischen Wanderuigen an: Vom ersten Ursprung des Volkes bis 1492; von da bis 1871; von da bis zur Gegenwart. So wenig Vf. aus der Zeit dei Stammväter und aus der ägyptischen Zeit folgern will, nimmt er doch an, dass die Juden damals im a ten Aegypten eine niedere Sonderstell mg gehabt hätten. An der Auswanderung nach Babylonien waren die Kriege N< buchadnezars, und an diesen wieder der Handelsgegensatz zwischen Babylon und Aegypten schuld. Das Zwischenland Palästina muiste' einen Zankapfel zwischen ihnon b Iden. So war diese Wanderung ein Ergebnis des Gegensatzes zweier Aussenvölker, nicht der inneren Entwicklung. I ln Babylon bildeten die Juden nicht eine einheitliche, sondern־ eine nach Ständen sehr verschieden gegliederte Masse. Auf Cyus’ Veranlassung wanderte ein Teil nach dem Heimatlands zurück — es waren die Aenneren. Palästina War für Cyrus noch ein wichtiges Durchgangsland nach Egypten. Während dieser Zeit entstanden als geschichtlicher Niederscllag des Vorhergegangenen die biblischen Bücher, welche, wie Vf. annimmt, erst jetzt dem Juden das Geltihl der ״Ueberhebung über andere Völker, über die ganze Menschheit“ einprägten. Durch die Sone er• Stellung der Juden wird dies Gefühl genährt. Dazu kommt die ras diesen Büchern sich borschreibepde Hoffnung auf Rückkehr nich Palästina; endlich musste der Gott, der sie überallhin begleitete, ron ihnen als der Weltengott begriffen und aufgefasst werden. Diese Auffassungen begünstigten die Sonderstellung der Juden und verhinderten ihr Aufgehen inj die Wirtsvölker, ihr Verschwinden in .der Geschichte. Sie haben siet durch das lebendige Gefühl dieser Zukunftsbilder leichter mit Not und Mangel abgefunden, da, was die Gegenwart nicht bot, die Zukunft vielfach gutmachen sollte. Auf derartige Voraussetzungei 1 gründet sich das vorliegende We rk, und ihnen entspricht auch die Ausführung, welche besonders für die Neuzeit eine Fülle von Einzeihe ten enthält, nach eigenen Gesich tspunkten geordnet. Von der früher üblich gewesunen Art diese Dinge zu behandeln, hat Vf. sich gründlich losgesagt. Damit kommt er der allgemeiien Neigung entgegen, sich statt desVorvaltens reingeistiger Voraussetzung en auf den Folgerungen aus der Fülle von Tatsachen za stützen. Damit verbindet sich aber doch unwillkürlich der Trieb, niedere Beweggrüi de eher anzunehmen, edlere dagegen nicht zu erwähnen. Der vom V 9rfasser erwähnte Hochmut Israels in folge seiner Erwähltheit als Ursa!!he der Festigkeit des jüdischen Stamaes ist vielfach von Gegnern les

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