Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 35 (1913)
- Issue
- 2. Heft. (1913)
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 62 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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62 das Kennzeichen ein auf der Höhe der Zeit stehenden Gesetzgebung in der Tora geltend machen muss. Aber scheinbare Wider- Sprüche enthält diese sowohl in gesetzlichen als auch in erzählenden Teilen, und es gilt, sie eben nur als scheinbar nachzuweisen. Entweder gelten zwei Bestimmungen zwei verschiedenen Gegenständen gegenüber, oder sie drücken als Ausnahme einen und denselben vorkommenden Fall aus, oder zwei sich ergänzende Worte werden herausgehoben; der vorliegende Ausdruck ב׳ כתובים gibt den Widerspruch an. Gerade in diesen zwei Worten soll zugleich die Anleitung zur Auflösung liegen. Wenn der Totschläger an einer Stelle von der Todesstrafe frei ist und an anderer Stelle derselben unterliegt, 80 würde nur, wer die Verschiedenheit beider Personen bezüglich der Handlung nicht kennt, hier einen Widerspruch suchen; nicht, wer weiss, dass in einem Falle die Absicht vorliegt, im anderen Falle nicht. Also hat zum Zwecke der Lösung der als Einheit gefasste Satz sich in zwei der Begriffsbestimmung nach verschiedenen Sätze zu verwandeln. In dem Ausdruck שני כתובים soll nun die Forderung einer Unterscheidung nur zwischen den Satzdingen, nicht zwischen den Aussagen liegen. Nur soll bei Hillel eine Anleitung zum freien Denken, bei R. Ismael durch die Forderung, sich nach einem ausgleichenden Bibelsatze zu richten, eine Verarmung vor sich gegangen sein, indem dieser ״dritte Satz“ der selbständigen Geistesarbeit ein Hemmnis entgegensetzt. Was soll nun der dritte Satz? Soll er etwa durch Ausgleichung den beiden Bibelsätzen eine neue Deutung geben? Nein, er soll nach einer der beiden Sätze hin die Entscheidung bringen. Erst die Späteren haben die Umbildung der הביעה zum Ausgleich zwischen den zwei Bibelsätzen angenommen. Auch in den 32 Regeln der HagadadeutuDg (Elieser ben Jose Hagelili) findet sich der 13. Ismaelsatz. Und daraus herkommend halakhische Auflösungen durch Verstandesschluss ohne dritten Satz. Und gerade die Aga d a hätte eine grössere Freiheit erfordert, wogegen man die H a 1 a k h a hätte durch die Forderung des כי השלישי hinden müssen, wenn man wie Ismael dachte. Allerdings a g a - d i s c h e Beispiele finden sich dort mit dem dritten Satze, wogegen Mekhiltha agadische Sätze mit einfachen vernunftgemässen Auflösungen kennt. Die Saadja’sche Erklärung der 32 Middoth hält Schwarz z. T. für unecht, weil dort nur der dritte Satz vorkommt, wogegen in Emunoth we Deoth diese Forderung durch eigene Unterscheidungen ausser Acht gelassen wird. Menachem ben Salomo im Eben Boch&n (1143) kennt Lösungen durch den dritten Satz und auch andere midraschische Deutungen, und zwar letztere in grösserer Anzahl. Den Widerspruch, den Schwarz zwischen Hillel und R. Ismael findet, hat jedoch Menachem nicht gekannt. Der Rabed aus Posquieres (nicht der Geschichtsschreiber, sondern der Gegner Maimuni’s, der Erklärer des Sifra) hat die Auflösung durch den dritten Satz nur als Vorbild auch von Verstandesauflösungen angesehen, er hat also beide Arten als gleich betrachtet. Er hat