Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 35 (1913)
- Issue
- 2. Heft. (1913)
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 60 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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60 ans nicht in innere Glaubensfragen; es scheint ans aber, als wenn Offenheit in allen Glaabensbestrebangen unerlässlich wäre, am eine Vermischang des Unvereinbaren za verhindern. Dass eine Zersetzung der Bibel, zunächst der Tora anter solchen Umständen möglich sei, hat Vf. selbst durch seine klare Umreissung der wissenschaftlichen Bibelauffassungen gezeigt. Diese folgen zumeist auseinander, und aus den bescheidensten Anfängen entwickeln sich die entschiedensten Ablehnungen des Ganzen (s übrigens S. WO, Absatz 2, Ende). Allerdings mag der Umstand, dass die Zastimmang der Kirchenbehörden für die Gesammtheit der Kirche zur Billigung jeder neuen Ansicht nötg ist, diese Wirkungen unmöglich machen. Dadurch aber wird wiederum die entschiedene Freiheit der Forschung unterbanden und ihr eine Grenze gesetzt, die das Aussprechen des letzten Wortes unmöglich macht. Durch die Notwendigkeit, gefährliche Ansichten in ihrem Lauf zu hemmen, entstehen dann die Kämpfe zwischen dem Herkommen uod dem Fortschritt, deren Wirkungen der Wahrheit wenig erspriessbeh sind. Entschieden wahrt den strengen Standpunkt der Alten die Ent- Scheidung der Bibelkomraission vom 29. .1 uni 1908. Ein l’rophet erkennt die Zukunft nicht infolge seiner Weisheit, sondern durch Offenbarung; er sagt auch auf viele Jahrhunderte Dinge voraus; deshalb gehört Jesaia 40 etc demselben Jesaia an wie 1-40; keine Sprachwissenschaft, keine Gewandtheit in Texteserkenntnis darf einen Forscher dazu bringen, zwei oder drei Jesaias anzunehmen. Diese Grundsätze sind notwendig, das Gebäude der Kirche, der Bibelgläubigkeit und der Möglichkeit stärkerer Bibeleinwirkung zu erhalten. Ist ihnen gegenüber aber der Forscher berechtigt, seinen Wahrnehmungen nach/.ugehen. zumal wenn er Ergebnisse voraussieht, welche diesen Grundsätzen widersprechen? Oder soll in diesem Fall die Forschung weichen? Dann •ist es einfacher und ehrl’cher, man stellt sie g!nz uit» gar ein und nimmt nicht die Gefahr der Zweideutigkeit auf sich. Will man aber Beides wahren, Wissenschaft and Kechtgläubigkeit, so trenne man die ausgeübte Gottesgelehrtheit von der Forschung, lasse beide das Gebiet in aller Freiheit sich erobern und gebe die Formel aus: Forschung und Ausübung sc en zwei von einander verschiedene Gebiete Dann weiss der untersuchende Gelehrte, dass er keine Erscheinung zugunsten irgend welcher bestehenden S itzungen zu übersehen oder zu deuten hat; er kann die Bibel nur verstehen, wenn er sie wie menschliche Geisteswerke zu erkunden bemüht ist, er liefert damit dom frommen Leser erst die Nachweise, wie vielgestaltig das heilige Buch ist. Für die Ausübung dagegen, und zwar vom Standpunkte der äussersten Strenge (die anderen Standpunkte werden sich auch aas der Aus- Übung und dem Kampfe um sie nicht verdrängen lassen), kann es keine Quellen verschiedener Art, keine Mehrheit von Verfassern geben. Für den strengen Glauben sind sie nämlich nicht die Verfasser, sondern nur die Vermittler. Der göttliche Geist kann sich an