Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 35 (1913)
- Issue
- 2. Heft. (1913)
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 56 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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56 drücken ond Stimmungen bringen in Kohelet die angeblichen Widerspräche herror, die gar keiner Ausgleichung bedürfen. Die Weltverdrossenheit war zuerst wirklich bei ihm; sie mildert sich, sie verschwindet mehr und mehr — allerdings ist das ein Gegensatz zum früheren Zustande, aber ein guter. Zapletal nimmt an, dass beim mischnischen Streite über Kohelet das Buch dem Kanon schon angehörte. Das ist ihm um so leichter zu sagen, als in katholischen Kreisen ja die Apokryphen selbst der Bibel unbedingt angehören. Aber auch ohne dies teilen wir seine Ansicht, da Kohelet weit vor der Zeit Akiba’s erwähnt und benutzt wird und in der ältesten Mischna, die selbst den Hilleliten und Schammaiten bekannt war, schon vorkommt. Es ist ein anregungsreiches und zugleich von frommem Sinn eingegebenes Buch, welches wir hier besprechen, und wir hollen, dass es bei Bibelfreunden (und bei Freunden wahrhaft guter Bücher) Eingang finden und auf sie die rechte Wirkung ausüben werde. Die Kanlen'sche Einleituug ist ein altbekanntes Werk, welches in der Hoberg’schen Bearbeitung vieles gewonnen hat. Die vorsichtige Wahrung des gläubigen Standpunktes hat dieses Werk auch in der vorliegenden Gestalt vor den zu weit gehenden Zweifeln der Neuesten bewahrt; andererseits haben die von Leo XIII. gegebenen Anregungen sich auch unter seinem Nachfolger trotz mannigfacher Gegensätze nicht beseitigen lassen. Sie sind auf fruchtbaren Boden gefallen und haben den katholischen Bibelforschern eine weitgreifendere Wirkungsmöglichkeit gegeben, als dies früher der Fall gewesen. Und das Streben, allen Teilen der Bibel (wozu hier die Apokryphen als zum Kanon gehörig kommen) zu ihrem Bechte zu verhelfen, bat in diesem Werke zur Widerlegung vieler weitgehenden und wenig begründeten Vermutungen, wie zur Beleuchtung vieler Erscheinungen geführt, welche im Kampfe der Einzelne leicht unterschätzt und übersieht. Wichtig ist z. B. der Nachweis, dass in der Tora Egypten als ein den Juden bekanntes und Kanaan als ein unbekanntes Land behandelt wird. Anerkennenswert ist derFleiss, mit welchem die Nachweise zusammengetragen worden sind, die an eine Bekanntschaft der biblischen Zeit mit den geschichtlichen Tatsachen und Satzungen der Thora erinnern — sie sind durchaus nicht so geringfügig und unbedeutend, wie man sich immerhin sonst zu betonen bemüht. Ausserdem ist es in unserer Zeit lehrreich, einmal die zahlreichen Aeusserungen der biblischen und hellenistischen Zeitalter über Moses als Verfasser der Tora zu lesen. Die Benutzung älterer Quellen wird zugegeben, ebenso die Möglichkeit von Zusätzen aus nachmosaischer Zeit. Auch einzelne Aenderungen und Berichtigungen schliesst Vf. nicht aus. Wir können die Betrachtung der Gründe, welche gegen die Umkehrung alles Schriftbestandes gerichtet sind (S. 22), nur der genauesten Betrachtung empfehlen. Bemerkenswert ist es, dass sich Vf. S. 23 auch gegen katholische Vertreter biblischer Quellenscheidung erklären muss.