Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 35 (1913)
- Issue
- 2. Heft. (1913)
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 55 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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55 seiner Besorgnisse, darf nicht fehlen. So gut Vf. einmal 2, 26 נתן ohne Hebang vor dem Streichen be wahrt, ebensogut hätte das öfter bei lästig scheinenden Worten geschehen können. Beide Arbeiten leiden trotz 1er guten Absicht, vom Texte so viel als möglich zu wahren, an der Vorherrschaft der Metrik. Darf diese, vorausgesetzt, dass sich darüber eine Einigung wird erzielen lassen, dass nicht jeder hebräische Satz metrisch klingt, in solcher Strenge vorausgesetzt werden, als Tenn wir hier Rabener oder Rückert und Platen vor uns hätten? Wie viele Dichtungen unserer Klassiker müssten ihre schönsten Verse verlieren, wenn wir mit diesem Massstabe herangingen? גם זה דבל macht sich z. ß. ohne entsprechende Gegenreihe viel erschütternder, wie etwa das Scblussglied einer Kinahstrophe. Wenn dazu noch wichtige Worte und Begriffe beseitigt werden, wie הנמה im ersten Abschnitt etc., dann kommen wir uns wie unter Boileau’scber Herrschaft vor, wo Metrik und Begrenzung jedes kräftige und deutliche Aussprechen von Empfindungen gehindert hat. :Sicher werden biblische Stolle ן metrisch gedacht und empfunden sein. Denken wir uns die rhytmischen Auftritte im Egmont — wer wollte da mit der Schere heran? Wieviel Herrliches müsste fallen, wenn Gleichheit der Versreihen d) 3 höchste Ziel wäre? Sehen wir uns Mahomets Gesang von Goethe )der Aehnliches an — da gibt es regelmässig klingende Zeilen uud selbst Strophen; aber wir dürfen deren Gebiet nicht über Gebühr 1 usdehnen und müssen sofort dem Dichter und dem Denker die Freiheit lassen, noch ein Wort, noch eine Wendnng auszusprechen oder ortzulassen, ohne eine barbarische Regelmässigkeit erzwingen zu wollen. Die Erklärungen, welche Za] )letal dem Kobeletbuche widmet, stimmen in merkwürdiger Weise mit vielen Anschauungen überein, welche ich selbst Jahrelang der Ve ׳kennung des Koheletbuchea gegenüber bekundet habe. Ich erinneie an meinen Vortrag ״Die drei Rätselbücher der Menschheit, Kohelet, Hamlet, Faust*. Nach Zapletal ist das ״Alles ist eitel" der Ausgangspunkt, nicht das Ziel. Was an einer Stelle als Schattenseite letrachtet wird, dessen Lichtseiten finden wir auf einem anderen Koheletblatte. Der angeblichen Willensbindung des Menschen durch ein Schicksal stellt Zapletal mit Recht die Ratschläge Kohelets entgegen, die doch an sich die Möglichkeit der Besserung bieten So verteidigt Vf. Kohelet in manchen Punkten Renan gegenüber. Nicht Genusssucht, sondern ernste Ansebauungen findet Z. in Kohelet. Was ich vermisse, ist die Lehre der Tat, welche Kohelet als das höchste hinstellt und den II imlet’schen und Faust'schen Stirnmungen, wie ja Hamlet und Faust es selbst tun, empfiehlt. Es ist in den drei Werken derselbe gesunde Standpunkt des Tatenmutes, der die blosse Grübelei überwindet. Es ist das zu Grunde liegende demutsvolle Vertrauen zu einer Weltleitung, die uns zwar unbegreiflieh ist, der wir uns aber getrost an vertrauen können, ja, anvertrauen müssen, das schliesslich Kohelet zur Zufriedenheit mit der Welt bringt. Die Erfahrungen vieler Jahre mit ihren wechselnden Ein-