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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1913-01-01 · 1. Heft. (1913) · p. Seite 22

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
35 (1913)
Issue
1. Heft. (1913)
Date
1913-01-01
Page
Seite 22 (sequence 22)
Language
German
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22 immer seltener wird, andererseits aber die Judenfeinde immer wieder mit dem Vorwurf kommen, die Juden seien nur als Händler und Schacherer tauglich, von Interesse. Aber auch für die Bibel- und Religionswissenschaft ergeben sich ans einer derartigen Untersuchung ganz j'neue Momente. Denn die Falaschas, soviel steht felsenfest, weisen in ihren Sitten und Bräuchen nur solche auf, die sich in der Bibel nachweisen lassen, nicht aber rabbinische oder solche, die die Weisen des Talmuds auf eine mosaische Ueberlieferung zurückführen. Dieser Umstand veranlasste bereits manchen Gelehrten, das Alter der jüdischen Tradition in Zweifel zu ziehen, sie als Produkt der Talmudisten zu bezeichnen und somit ihren göttlichen Ursprung zu bestreiten. Tatsache ist nun, dass durch diese neueste Veröffentlichung die Frage über das Alter der jüdischen Tradition wieder zur Diskussion gestellt worden ist Eine interessante Abhandlung über dieses Thema hat bereits J. Gugenheimer im Jahre 1865 (in Hirsch’ ״Jeschurun“ XI. Jg.s 8. 205f£) veröffentlicht. Gugenheimer geht in seiner Untereuchnng besonders auf drei Punkte die Zugehörigkeit der Falaschas zu der jüdischen Gemeinschaft ein. Im Fall des Nachweises der jüdischen Abstammung, die genaue Feststellung ihrer Aus- Wanderung aus dem jüdischen Lande und schliesslich ihre Stellung zur jüdisohen Lehre und Ueberlieferung. Im Folgenden wollen wir nun, was die Problemstellung als solche betrifft, Gug. mit seinen dreifachen Fragen folgen; glauben aber seine Resultate, dank dem Faitlovitsch’schen Reiseberichte vielfach ergänzen und teilweise korrigieren zu müssen. Gug. beweist die jüdische Herkunft der Falaschas aus dem bereits erwähnten Gutachten des Radbas (Nr. 219 Näheres vgl. ibid.). Die Aussagen der gefangenen Falascha werden nun durch die Reiseberichte von F. nicht nur bestätigt sondern vielfach ergänzt. Wir hören, dasa die Fal. den Sabbat beobachten (S■ 26). Am selben keine Last tragen, nicht ausserhalb des Techum (2000 Ellen) gehen. Sie verheiraten sich nur unter ihren Glaubensgenossen (ibid.). Sie halten sich von ihren Frauen während ihrer Menstruation fern (S. 27). Sie geniessen das Fleisch, das von Andersgläubigen geschlachtet worden st, nicht (ibid ). Sie begehen jeden Anfang des Monats festlich (S. 69 Anm. 1). Sie ehren ihre Kohanim, (S. 46) halten den Versöhnungstag, (S. 96) und feiern das Mazzothfest in ähnlicher Weise wie die andren

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