Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 35 (1913)
- Issue
- 1. Heft. (1913)
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/6492408-6582240-8773758--4327-4859366- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
ד um dessen Echtheit und Unechtheit sich der Kampf dreht. Diese Epistel, die den Eindruck der Unmittelbarkeit und des Gegenwärtigen hervorruft, in der man das Persönliche in nächster Nähe zu bemerken glaubte, wird schliesslich preisgegeben, und was bei uns Bruno Bauer, Kalthof und nachher Drews betont haben, das ist in Holland schon lange vorher etwas Selbstverständliches gewesen. In Holland hat man gelisten gegen die Synoptiker Pierson, der die Synoptiker quelle ablehnte. In Lomann ist das Menschliche darin dejr Menschen den Gottmenschen ganzen Geistesrichtung nach läge des geistig gewordenen Die Echtheit der Paulii Holland völlig aufgegeben w! dem Zurücktreten des vierten Evaneinzusetzen. Auf Schölten folgte dort wie die Paulusbriefe als Geschichtekam der höhere Gedanke zum Vorschein, Jesus sei die Verkörperung der Gemeinde, van Loon dachte dabei mit an den Einfluss heidnischer Bräuche. Nach Van Manen ist es das Gottn enschentum, das uns die Gestalt der EinzelmenBchen im NT unerkennbar erscheinen lässt. Nach Boiland spätere Einschlag, durch den die eher begreifen sollten; er hat seiner auf den Alexandrinismus als Grundhingewiesen. sbriefe ist von den Entschiedenen in 1 orden. Dass sich ein Mann wie Van Manen trotzdem an die G« schichtlichkeis Jesu klammert, wenn ihm auch der Gedank in das Ursprüngliche schien, kann nicht in Wissenschaft ichen Folgerungen bergründet liegen, 80 sehr das Van Manen selbst angenommen bat. Das ist Sache des Gefühls, des Bedürfnisses. Und da haben wir den klaren Beweis dafür, dass diese Unechterklärungen die Grundlage eines Glaubens, sagen wir ras Wesentliche, sagen wir auch den Bestand der Glaubensgenossenschaft nicht unbedingt vernichten müssen. Wissenschaft und Le benstatsachen sind eben zwei unmesslieh, neben einander sich tewegende Gebiete. Man braucht aus- 8ereiern nur die Geschichte nines Gedankens sich vorzuführen und das ist das Lehrreiche solcher Schriften, wie die vorliegende —, um die Schranke jeder wissenschaftlichen Folgerung zu erkennen. Ist die eine Linie zu ende, d. h. ist Alles unecht geworden und haben die weitesten Kreise das erkannt, so beginnt, oder der menschliche Geist müsste erstarren, das Streben, erst Einzelnes, dann ein Mehreres, endlich das Ganze durch Hervorkehrung der entgegengesetzen Gedankengänge als echt anzuerkennen. Und das ist oft das beste Ergebnis derartiger Forschungen. Echt — unecht — das sind selbst nicht ganz zutreffende Bezeichnungen. Das in der Geschichte Unechte ist in der Entwicklung des Glaubens selbst, in der An wer düng oft gerade das Höchste und Echteste. Es kann etwas wohl unhoseanisch, unjesaianisch sein, aber unecht (in diesem Worte liegt für den Ungeübten eine Wertung) ist es nicht. Die Forscher reihe, welche mit der Marke unecht arbeitet, ergründet das Werden. Die Geister, welchen das Wörtchen echt lieber ist, bemühen sich um das Sein. Beide Richtungen sind einander ui entbehrlich. Bücher, wie das hier besprochene, welche zu solch« n Beobachtungen reizen, sind äusserst dankenswert und sehr zu empfehlen.