Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 35 (1913)
- Issue
- 1. Heft. (1913)
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Heinrich Löwe: »Die Jaden in der katholischen Legende* 96 S. 3 Tafeln mit Abbildungen. Preis M. 2. Jüdischer Verlag, ]Berlin 1912. Den Verfasser hat bei seiner Arbeit die Ueberzeugung beseelt, dass die Geschichte nicht allein ▼on politischen und wirtschaftlichen Kräften bestimmt wird. In diesem Buch speciell wollte er einen Legendenstoff zeigen, »welche Regungen der Volksseele unbewusst an der Gestaltung der Judengeschichte im Mittelalter mitgewirkt haben“ und es gelingt ihm in der Tat zu veranschaulichen, wie die uralten Volksvorstellungen, dass die fremden Religionsgemeinschaften im geheimen allerhand Greuel gegen Glauben und Leben der herrschenden Majorität verüben, von grösstem Einfluss auf die Schicksale der Juden waren. Diese Wirkung erstreckte sich nicht nur auf die wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse, auf die Siedlungsgeschichte, sondern auch auf die Literatur und Kunst sowohl der Juden wie Nichtjuden. In den mittelalterlichen Illustrationen (Holzschnitten), wimmelte es von Darstellungen jüdischer Ritualmorde und Hostienschändungen. In der Literatur hat sich Manches erhalten, was auf die mittelalterlichen Legenden zurückgeht. Wir brauchen nur an die Liebesgeschichte eines Klerikers mit einer Judenmagd in Wassermanns: ,Die Juden von Zirndorf“, welche schon im 12. Jahrhundert erzählt wurde, zu erinnern. Löwe’s Buch vereinigt in glücklicher Weise die Aufgabe einer wissenschaftlichen und einer verständlichen Darstellung. Der gelehrte Apparat befindet sich in den Anmerkungen am Schluss des Buches, wo eine reiche Literatur verzeichnet ist. Die sieben Abbildungen sind nach alten Originalen reproduziert. Wenn man das Büchlein liest, erkennt man darin jene Eigenschaften des Verfassers, die seinen gleichfalls im Jüdischen Verlag erschienenen ,Sprachen der Juden“ den verdienten Erfolg gesichert haben: Anschaulichkeit, geschickte Gruppierung eines historisch und literarisch interessanten Materials, Hervorhebung des Wichtigen und wissenschaftliche Zuverlässigkeit. Hebräische Balladen, von Else Lasker-Schüler. A. R. Meyer Verlag 1913. Berlin-Wilmersdorf. 8 S. 50 Pf. Ich bin vielleicht zu dumm zum Verständnis dieser Art von Dichtung, dieser »hebräischen Balladen“, die ebensogut »japanische“ oder »malayische Balladen“ heissen könnten. Hin und wieder eine Zeile, ein Wort, das mau zu verstehen glaubt, dann aber wieder Worte, nur Worte. »Abraham und Isaac* ist vielleicht noch das einzige Lied, das ich gelten lasse, wenn auch hier von Rhyhtmus keine Idee. Die Ueberschriften versprechen immer etwas Gutes, liest man weiter, 80 versteht man oft garnicht, wie diese Ueberschrift zu diesen Worten kommt. Alles in allem unerfreulich. Max Rosenthal.