Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 35 (1913)
- Issue
- 1. Heft. (1913)
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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di« Freudigkeit, die Beziehung aufs Gegen wä r t i g e. Also weis■ Staerk immer einen Vorzug in der neuen Lehre zu entdecken, wodurch die alte mit ihren Bekennern zurQcktritt. Diese Auffassungen rühren von jener ״Last des Gesetzes“ her, von der das Judentum und sein Schrifttum Nichts weiss. Man hat manches im jüdischen Midrasch untersucht — wer hat sich aber die Mühe genommen, die Innigkeit und Freudigkeit des altjüdischen Glaubens und dessen Spuren zu verfolgen? Das sind noch Reste von Vorurteilen, welohe ebenso ■ich schliesslich verlieren werden, wie die herkömmliche Herabsetzug der Pharisäer z. T. durch wissenschaftliche Beleuchtung von jüdisoher Seite ■ich in maasvollere Beurteilung, ja, selbst in Hochachtung verwandelt hat. Wir konnten diese wichtigen Punkte bei einem Manne wie Staerk nm so weniger unerwähnt lassen, als wir gerade ihn als einen Forscher stets erkannt haben, der Wahrheit redlich sucht und gerecht sein will. Auch in diesem Werke ist das geaammte Geschichtsbild ein anheimelndes und fesselndes, und besonders der jüdische Leser wird über die Kenntnis des jüdisehen Lebens oft freudig erstaunt sein. £8 ist zweifellos, dass trotz der oben angegebenen Züge solche Arbeiten zu einer ruhigen Würdigung der GiaubenögenoasenschafteD führen. Bei seiner Benutzung des neuen Testamentes, dem seine Belege zum grössten Teil entstammen, hat sich Staerk von bibelwissenschaftlichen Ergebnissen ferngehalten; er hat nämlich die Stellen in der Auffassung angefuhrt, welche sie in der Kirche von jeher gehabt haben. Steht seine Arbeit einmal als eine wissenschaftliche vor dem Beurteiler da, so wird wahrscheinlich eine Prüfung gerade dieser Seite von Wichtigkeit sein, zumal die Beurteilung grosser geschiehtlieber Verhältnisse davon abhängt. Wir dürfen aber auch nicht verkennen, dass im engen Rahmen eines Göschenschen Bändchens ein unendlich reiches Geschichtsbild hier vor uns aufgerollt ist, »obei es nicht möglich ist, jede Einzelheit wissenschaftlich herauszuarbeiten. Es wird jedoch Jeder aus diesem Buche reiche Belehrung schöpfen.1) Die zweite Schrift ist Eysinga's Feder entsprossen und bietet die Holländische Behandlung des neuen Testaments. Vorzugsweise von Seiten der Freisinnigen. Das ist eia für uns ganz neuer, Überraschender Gegenstand. Der Weg, welcher bei uns von der Tübinger Schule über Strauss und Bruno Bauer zu Kalthoff, zu Drews und den Neuesten geführt hat, scheint uns schwer und schon nicht leicht zu überblicken. Wie aber, wenn wir in einem scheinbar engeren Kreise, wie Holland, einer grossen Reihe von einander in der Behandlung derselben Stoffes scharf sich abzeichnender Forscher begegnen, von denen Jeder eine selbständige Behandlung erfordert? Und was sagen wir zu der Kunst des Darstellers, der uns alle diese Verschiedenheiten in angenehmer, fesselnder Form bietet, 80 dass deren manigfaltige Fülle nicht ermfldet? Eine herrschende Rolle spielt darin der Galaterbrief, ') Wir machen auf die Literaturnachweise and die kalendarischen Angaben am Schlosse des Bandes besonder» aufmerksam.