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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1913-01-01 · 1. Heft. (1913) · p. Seite 4

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
35 (1913)
Issue
1. Heft. (1913)
Date
1913-01-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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■ie ermutigen sie, und eo entwirft sie eine freudige Schilderung des Geliebten und fühlt, dass er ihr sei. Sie trifft mit ihm wieder zusammen und teilt ihm ihre Befflrchtungen mit. Sein Wort beruhigt sie vollends. Wie er als Salomo, spielt sie als Feenkönigin ihre Rolle weiter. Am Abend des zweiten Tages sind sie einig und glQcklich. — Nach einem Jahre suchen die Gatten Sulamiths Heimat auf, denn sie war von Heimweh befallen. Als der Hochzeitstag wiederkehrt, sind sie wieder am Libanon im Hause der Mutter. Töchter Jerusalems kommen zum Glückwunsch; doch sie sollen die Liebenden nicht stören. Während weitere Freunde zum Besuche da sind, sucht man das junge Paar; sie lustwandeln draussen und kommen nun vom Felde herein. Allgemeinmenschliche Verhandlungen und Empfindungen schliessen das Ganze Oie Leser werden in dieser Handlung wohl die Reihenfolge von Eindrücken im Hohenliede erkennen. Aber von vornherein wird es sich als misslich hinstellen lassen, wenn die Fülle der Versuche, das Hohelied einer der herkömmlichen Diohtungsarten anzubequemen, um einen neuen vermehrt wird. Zumal wenn er so bestimmt gefasst ist, wie der vorliegende, so dass man bei den einzelnen Ereignissen, die in die biblische Dichtung hineingetragen werden, glaubt dabei gewesen zu sein. Die Wetzstein’sche ״Dreschtafel“, die Auffassung, wir hätten hier ein Lied für die Hochzeichtstage vor uns, hat Vf. zu so weitgehenden Festlegungen der alten Dichtung veranlasst, deren Reiz in ihrer Unbestimmbarkeit liegt. Wenn Kipp am Schlüsse von einer Reise in die Heimat der Braut spricht, so findet sich hierin eine ungewollte Uebereinstimmung mit mischnischen Bestimmungen aus altjüdischer Zeit. Nach Pesachim 8, war es üblich, dass die Frau im ersten Jahre der Ehe zum Pessachfeste in die Heimat ging, um es mit den Ihrigen zu feiern ואה' כעידו כמוצאת שלום, wie der Beleg aus dem Hohenliede lautet Sie will sich mit Eltern und Geschwistern ihres jungen Eheglückes freuen. Eine merkwürdige Ueberein- Stimmung, die aber nicht auf Entlehnung hindeutet. Wohltuend berührt es uns, dass Vf. bei seiner sonstigen Kühnheit keine Textes- Verbesserungen vorgenommen oder wenigstens nicht schroff die Hand an den Bestand gelegt hat Es ist ihm gelungen, im Grossen und Ganzen mit dem überlieferten Schriftwort durchzukommen Wenn er auch die Urgest&lt des Hohenliedes nicht entdeckt hat, so verdient sein Streben, der alten Dichtung gegenwärtigen Daseinsgehalt zu geben, in jedem Fall Anerkennung und Unter- Stützung. Mancher Einzelzug ist so gut beleuchtet worden.

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