Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 35 (1913)
- Issue
- 1. Heft. (1913)
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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2 wir nun einen Augenblick diesen Standpnnkt in seiner kirchliehen Begrenzung ein, 80 gilt die Frage: Ist ihm ▼on hier aus der Anschluss an das Allgemeinmenschliche in den Psalmen gelungen? Diese Frage müssen wir unbedingt bejahen. Wenn die Wörtlichkeit aus obigen Gründen geopfert worden ist, so hat sich .der Uebersetzer trotzdem gehütet, einen einzigen wesentlichen Zug der Psalmen unbenutzt zu lassen. Er hat weder die Vulgata, noch den Urtext zur unbedingten Grundlage genommen, sich auch ▼or Nachahmung der neuesten Um- Stellungen gehütet. Er wollte sich vom Vulgatatext nicht zu weit entfernen, ist damit aber auch der Einfachheit der Psalmen und der Herzlichkeit ihres Tones nahe geblieben, die durch überkünstliehe Umstellung von Sätzen gefährdet werden können. Der Uebersetzer hat sich von Allem sorgfältig ferngehalten, was einer solchen Arbeit den Stempel der Stumpfheit aufdrücken könnte. Wir haben Psalmen in Terzinen, Sonnetten, ja in den Veranlassen der Alten gesehen. Lanner hat auf den Ruhm verzichtet, ein derartiger Verakünstler und Verkrüppeler einfacher herzlicher Empfindungen zu sein. Wir haben dann oft den entgegengesetzten Fehler beobachtet, die sogenannten freien Rhythmen, in denen man wohl alle möglichen sprachlichen Verrenkungen, die verwegensten unverständlichsten Satzumkehrungen, aber doch keine Spur dichterischer Eigenart findet. Lanner hat sich an den Jambus als an das Grundveramass dramatischer und vielfach lyrisch wirksamer Verse gehalten. Aber es sind nicht'mit Hartnäckigkeit die Zehn- oder Elfsilber festgehalten worden, — das würde eine Masse Füllsel uud Flickwörter erfordert haben. Nach Bedürfnis und Empfindung hat der Uebersetzer den Jambus um einige Silben verkürzt oder verlängert, und dadurch eine merkwürdige Wirkung erzielt: Durch das gleiche Grundmass stellt sich beim Leser eine getragene Stimmung heraus, die dem Gebet eignet. Durch den freien Wechsel der Verslänge, kommt die Abwechslung hinein, welche den sich ablösenden Empfindungen eignet. HOren wir Psalm 3: O, Herr, die Zahl der Feinde nimmt noch immer zu. Sie haben sich erhoben gegen mich und rufen: ' Nun hat auch Gott ihn schon verlassen. Doch du, o Herr du bist mein Schild, Und deine Ehre ist mein Ruhm, Weil du die hohe Würde mir verliehen. Drum rufe ich, o Herr, dich an Und du erwiderst meinen Ruf vom Heiligtume aus. Nun überlass’ ich ruhig mich dem Schlummer, Um dann gekräftigt wieder aufzustehn, Weil mich der Herr gestärkt. Ich fürchte mich nicht mehr