Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 34 (1912)
- Issue
- 4. Heft. (1912)
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 189 (sequence 45)
- Language
- German
- Belongs to
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18y Liede gezeigt, weil es nur in ihnen nach der Absicht des Dichters wirken kann. Diese Entgegnung hat etwas an sich, was in den Hervorbringungen der glaubenstreuen Seite des Judentums als etwas Neues augeseheu werden kann: Breuer bat in dem Bestreben, sein Vorgehen auf möglichst breiter Grundlage zu begründen, der Religionswissenschaft manche Wahrnehmungen entlehnt, manche ihrer Folgerungen benutzt, damit Alles wie von selbst hervorgekommen so wenig wie möglich seltsam erscheine. Ich meine seine Auseinandersetzungen Ober die Sehnsucht nach dem höheren und nach der Befriedigung des Ge6chlechtstriebes und Aehnliches. Man muss zugeben, (lass Breuer ein tiefes Wissen auf allen mögliehen Gebieten bat, dass er aus dem Vollen schöpfen darf. Derartige Geister bleiben nicht gern beim Gegebenen stehen, sie fassen den Gemeinplatz und suchen das Besondere, das Be-- zeichnende. Man kann Vf. diesen Trieb nicht übelnehmen, er ist die Quelle aller eigenartigen Geisteswerke. Breuer ist, 80 *ehr er den wissenschaftlichen Trieb in sich fühlt, doch streng auf dem Boden der Ueberlieferung stehen geblieben. Das Hobel iud wird auf Salomo zurückgeführt, eine andere Auflassung wird auch nicht einmal als vorhanden erwfthnt. Das ist Brei ers gutes Recht, und es ist ihm als Denker zu Gute zu halten, dass er diesen Standpunkt folgerichtig festh<. Nun wäre es auf dem weiteren Wege ein Glück gewesen, wenn Breuer zur Verherrlichung dieses Standpunktes sich eine Auflassung der Bibel errungen hätte, die möglichst stark mit der Auflassung Aller übereinstimmte. Selbst die Andersdenkenden würden das ihnen Fremdartige übersehen und <|ie ihnen zusagende Deutung sich aneigne 3. Aber Bieuer iru.cht es seinen Lesern so schwer, wie möglieh. Was sollen sic nicht Alles in den Kauf nehmen! Fabel und Deutung sollen hier auch nach Raschi aus einer Wurzel kommen und einander t ragen, so dass, wer die Fabel kennt, auch die Deutung sich muss denken können. Breuer reisst Beides ausein־ I igiöse Seite über das Begeisterung hervorim einfachen Wortsinn Abscheu einflössen misslich. Man muss fragen, welchen Wert hat eine Deutung, die aus einem als unheilig empfundenen Bilde emporwachsen 8011? Da sagt man doch lieber das zu Deutende einfach heraus, als dass es durch Bilder erkauft werden müsste, die uns Ekel einjagen. ' Nun ist aber das allgemeine Gefühl ganz anders. Trotz die man gerade der sittlichen Unmittelbarkeit und Harmlosigkeit des Altertums zuschrAibt, hat man immer am Hohenliede sich künstlerisch erbaut. Das darf, wie Breuer ander, so dass die rel rufen soll, was uns Dass ist sehr muss.