Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 34 (1912)
- Issue
- 4. Heft. (1912)
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 190 (sequence 48)
- Language
- German
- Belongs to
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- Rashi 2× ep/1002670
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190 zeigt, mir dei־ Nichtjiide; der fromme Jude soll sich au diesen Bildern nicht berauschen. Aber der unwillkürliche Eindruck, den diese Bilder auf Raschi gemacht haben, war ein erhebender; denn unter dem Ein״ drucke des Wortsinnes und der Fabel bietet er die bildliche höhere Deutung. Wem wäre früher als einem Kaschi die abstossende Seite dieser Darstellungen erschienen, ihiu, der mit dem sicheren Gefühl des Tatsachenbeobachters bei dem geringsten ihm auffälligen Eindruck seine Verwunderung kundgibt? Das hat er hier so wenig getan, dass er vielmehr gegen seine sonstige Gewohnheit in gehobener, feierlicher Sprache sich an die Wendungen des Hohenliedes anschliesst. Nun braucht man selbst vor einem Raschi die Segel nicht zu streichen; aber behaupten, dass ein Mann mit dem Blicke eines Raschi nicht gemerkt haben soll, die gesamte Voraussetzung des Hohenliedes sei, wörtlich genommen, eine unbedingt anjüdische und verwerfliche und könnte nur gegen den eigenen Sinn genommen werden — das kann und darf man nicht. Und dass alle früheren Erklärer eine 80 erstaunliche Tatsache sollten als selbstverständlich mit Schweigen bedeckt haben, ist gewiss nicht zutreffend. Auch hätte ein Buch, das so irreführend wirken kann und dem es Niemand ansieht, dass das begeistert darin Gepriesene von dem Liede selbst für verwerflich gehalten wird, — ein solches Buch hätte nicht קרש קדשים genannt werden können Sich hier also auf den Standpunkt Breuer’s zu versetzen, wird kaum sonst Jemanden ausser ihm möglich sein, zumal alle äussern Tatsachen dagegen sprechen. Das geschriebene Wort braucht sieb ja mit der Deutung nicht zu decken, denn dann wäre die Deutung überflüssig; aber das Widerspiel dieser Deutung 8011 der Wortsinn ja nicht sein, wenigstens nicht ganze Bücher und Geschichten hindurch. Breuer hat in seiner Entgegnung den Gegensatz zwischen jüdischer nnd nichtjüdischer Beurteilung des Hohenliedes dahin festgestellt, dass, was dem Nichtjuden, wie etwa einem Göthe, daran anziehend ist, den Juden geradezu fortstösst Breuer verkennt nicht, dass in äusserster Folgerichtigkeit schliesslich man jede K u n 8 t als verwerflich ansehen müsste. Schon das allein hätte Breuer bedenklich sein müssen. Er selbst ist doch ein grosser Kenner der Kunst, überhaupt der Weltliteratur. Soll er sich nur damit beschäftigt haben, um diesen Geist zu bekämpfen? Das mag ich ihm nicht glauben. Er wird in jedem Falle Augenblicke der Freude, der Begeisterung, der Mitempfindung dabei gehabt haben, und er hätte in solchen Augenblicken sein jüdisches Gefühl zu Hilfe rufen müssen, um sich diese Freudevertreiben zu helfen. Ist nämlich Gedanke und Tat dem Folgerichtigen eins und das eine ohne das andere Nichts, und sagt der Gedanke: Die Kunst ist.ver*