Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 34 (1912)
- Issue
- 4. Heft. (1912)
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 188 (sequence 44)
- Language
- German
- Belongs to
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m irgend einem anderen Falle sind die absprecbenden Urteile ausgesprochen worden. Das lag einerseits daran, dass der Gegenstand der Schrift dem allgemeinen Verständnis nahelag, also nicht talmudisch oder bibelwissenschaftlich abseits führte. Da war es leicht, ein massgebendes Urteil abzugeben. Und Vf. hat auf diese Urteile geantwortet in seinem ״Zur Abwehr“ (Frankfurt a. M. 1912). ־ Ich bin ein Freund der Erörterung und erwarte ▼on ihr alles Gute. Die Abwehr auch einer Beurteilung erscheint mir um 80 weniger von Uebel, als ich im Kampfe um meine Hauptarbeiten ▼on diesem Hechte Gebrauch machen musste und daraus zur Klärung über meine Ansichten mannigfache Vorteile gezogen habe. Breuer wundert sich über die leidenschaftliche Art, mit welcher die Beurteiler samt und sonders, ohne sich auf seinen Standpunkt zu stellen, gegen ihn sich erklärt haben. So bedauerlieh dies ist, sollte es Breuer es doch nicht unter seiner Würde halten, diesem übereinstimmenden Zuge und den Ursachen desselben ernsthaft nachzuforschen und sich zu fragen, oh jene Aburteilung wirklich grundlos ist, zum mindesten der Ton, in welchem sie sich kundgegeben. Wie Breuer zugibt, war das Schicksal der Schrift ▼oraus- Zusehen, ja, scheint ein solcher Anprall der Beurteilungen ▼on ihm last beabsichtigt zu sein. Als frommer Jude fasst er das Hohelied als Bild der Verbindung zwischen Gott und Israel. Er kennt die tiefen religionsgeschichtlichen Beziehungen zwischen Geschlechtstrieben und der Verbindung zwischen Himmlischem und Irdischem. Er leitet daraus das Bild .her, worauf Schir haschirim beruht. Er gibt aber dem Juden nicht das Recht, in der geschilderten Liebe, wenn man den buchstäbli hen Sinn nimmt, etwas als schön und erhaben Geschildertes zu sehen. Die Weisen haben die bildliche, nicht aber die buchstäbliche Erklärung gegeben, schon weil diese nach Breuer, ernst genommen, auf Abwege führt. Der Wortginn des Hohenliedes darf den Juden nicht zur Anerkennung der dort geschilderten Liebe führen, sondern diese Schilderungen müssen ihn seiner ererbten Denkart nach zur Verurteilung dieser Art ▼on geschlechtlicher Liebesraserei veranlassen. Diese sinngemässe, nicht bildliche Deutung hat Breuer durchgeführt,., musste der höheren Absicht Salomos gemäss zur Darbietung abstossender Bilder kommen, damit Niemand an dieser Art der Liebe teilnehme. Und damit glaubt Breuer auch der Ueberlieferuag zu ihrem Rechte ▼erholfen zu haben. Er hat gezeigt, dass das Hohelied, um Begeisterung zu wecken, nur bildlich gedeutet werden darf, da es sonst unedel wirken würde Also hat er die Wahrheit und Notwendigkeit der bildlichen Deutungen im hohen