Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 34 (1912)
- Issue
- 4. Heft. (1912)
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 187 (sequence 43)
- Language
- German
- Belongs to
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I — 187 — wird in der Kunst der liebenden Rede und redenden Liebe immerdar eine elende Stümperin bleiben." Solche ]Bemerkungen begegnen uns Schritt für Schritt. Welches Recht hat Vf. nun, dem Vers 4, 12 nicht zu glauben? Ist dieser Satz nicht der beste Beweis, dass es sich hier um ein Suchen und Finden, und um nichts Weiteres handelt? Warum glaubt Breuer nicht, dass Sulamit eine reine Taube ist (5, 2)? Weshalb nimmt er an, dass sie ״die Rolle der Naiven, der Spröden nicht übel spielt?" Und wenn die Liebenden V. 6 mit einem Mal getrennt sind, wenn 5, 7 nach Breuer an den bauenden Wächtern ״ein Polizeipräsident unserer Tage seine helle Freude gehabt hätte", so verkennt Vf in böser Art die einfachen Sitten der Vorzeit und misst sie mit fremdem Ma88stabe, wodurch die Bibel an sich, die durch solche Schilde-• rungen angeblich bessern will, herabgewürdigt wird. Wenn 5,9 nicht frei von Ironie klingt" (während diese Worte die nächste Schilderung einleite ב wollen}, 80 hat Breuer selbt das Zeug zu einem Polizeimann, der überall Böses wittert. Welcher harmlose Leser, dessen Einbildungskraft nicht vergiftet ist, würde auf solche Gedanken kommen! Wird 5, 14 der Leib auch ״keiner Brillantringe bedürfen?" Wenn 6, 1 die Mädchen den Schmerz Sulamiths begreifen, wa 3 soll denn oben die Ironie, die bemerkt wird? Und was Breuer den Jungfrauen Jerusalems für wohlmeinende Absichten unterlegt Und in 6, 2 wird Eifersucht hineingeheimnisst, trotzdem der nächste Satz heisst אני לדודי ודודי לי und sogar mit einem Male der Geliebte vor ihr dasteht! Und es wechselt plötzlich seine Bewertung von 6,8, 9, die sich über 11 in 12 nach dem Mendelssohn'sc 1en Biur z. St. zur sittlichen Erhebung emporrafft. Aber nur, we nn man die sinnbildliche Erklärung im Auge hat. Nach Mnds. dom ein Teil dieser Deutung entstammt, spricht nicht er, sondern s i e das אל ננת אגוז. — Woher die nachdenkliehe Stimmung Sclamit’8, welche Breuer 7,1 sucht? Weshalb die Freundinnen als Verführerinnen? Weshalb dies תחזו nc etwas Anders, als das אל תראוג בר im ersten Abschnitt? Die folgende Schilderung, zu welcher diese Anfangsworte die Gelegenheit geben, entwertet Vf. durch seine Ueberdeutlichkeit, und das Loblieb der Nase ist einfach geschmacklos. Hier mit einem Mal erhält das אני לדודי die rechte Deutung. 7,13 geht eine Wendung vor sich, die man überhaupt nicht versteht, und 8,1—3 macht aus einem harmlosen Ausdrucke der Sehnsucht unlustige Lästerungen, die sich bis zur Vorstellung der Blutschande steigern sollen! Und das ,השבעתי נו beweint wiederum dass Beide vereinigt sind, nicht nach Vereinigung jetzt streben. 8, 5 redet der Dichter! Und 8, 6, 7 ist nach Breuer ein so grosser Fehler omo sie nun ihrem Schicksal überlässt und Lehre an das weibliche Geschlecht ausspricht. In den Beurteilungen dieser Breuer’schen Schrift hat sich vielfach ein grossen Staunen kundgegeben, und kräftiger, als in die berühmte Stelle Sulamith’s, dass Sa! im Schlussliede die