Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 34 (1912)
- Issue
- 4. Heft. (1912)
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 182 (sequence 38)
- Language
- German
- Belongs to
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182 Schwarz erkennt in Tosaefta nur einen Trümmerhaufen; in der Mischna gagegen einen glatten Bau ohne alle Risse und Unebenheiten. Wir haben 1 gerade am Traktat Kidduschin, den Schwarz im Kampfe gegen Zuckermandel hervorkehren musste, den Nachweis geführt, dass die Tossefta eine ältere, eigenartige, aber in ihrem eigenen Geiste genau geordnete Sammlung ist. Demnach darf die Schwarz’sche Auffassung des Verhältnisses zwischen Mischna und Tossefta wohl eine erneute Prüfung erhoffen, welche zu anderen Ergebnissen führen wird Aber alle allgemeinen Sätze bedürfen der Erprobung im Einzelnen. Ich habe die Schwarz’sche Behandlung der Tossefta besonders bez. ihrer Satzumstellungen in Baba kamma geprüft, und es konnte nicht anders sein, als dass jedes Heraustreten aus dem ursprünglichen Plan ein Fehlgriff auch dann sein musste, wenn wir wirklich Verderbnisse der verschiedensten Art in T. annehmen. Denn in solchen Fällen kann ja auch die bescheidenste Verschiebung nur ein Versuch, eine Vermutung sein Wie kann man aber diese massigen Baraithaversetzungen, die, wie wir gezeigt haben, die berechtigtsten Satzreihen betroffen haben, mit dem unfehlbaren Sicherheitsgefühl und der unbedingten-Erwartung auf Zustimmung vornehmen, die wir hier bemerkt haben! Und endlich: Das eigentlich sachliche Ergebnis, die Beleuchtung der Tatsachen, konnte unter diesen Voraussetzungen auch nicht die Bedeutung gewinnen, welche der Anwendung derartiger Mittel entspricht. Sage man nun nicht tant de bruit etc. Ein Werk von Schwarz kann, von solch einer Bezeichnung nicht betroffen werden. Ich habe gegen das Werk und gegen den darin sich kundgebenden Geist gekämpft — aber ich glaube mit dieser eingehenden Beurteilung dem Buche grössere Ehre angetan zu haben, als mit einer unbewiesenen und darum kränkenden kurzen lobenden Bemerkung. Wer mit solchen Erörterungen eine Schrift bekämpfen muss, der nimmt sie ernst und hält sie nicht für eine unbedeutende Hervorbringung. Es ist keine leichte Mühe, mit Schwarz, diesem Gedankenkünstler, zu ringen und das Gewebe seiner Voraussetzungen, seiner Heischesätze und seiner Folgerungen zu zerrei88en. Die Auflösung kann da nur behutsam mit steter Beachtung seiner Bedeutung vorgenommen werden. Es ist nämlich eine Persönlichkeit, mit der man hier zu ringen hat. Wir sehen einen Mann vor uns, der sich dessen bewusst ist, in einer Zeit des Niedergangs die Fahne alttalmudisehen Scharfsinns emporzuhalten; einen Mann, der an sich glaubt und der alle Tatsachen, also auch alte Texte gern seinem Scharfsinn zur Umwandlung überlässt. Nur wer an sich glaubt und wenn der Zweifel an eigenen Ergebnissen noch nicht gekommen ist, kann mit so festem Schritte die gefährlichen Bahnen wandein, auf die ich hingewiesen.