Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 34 (1912)
- Issue
- 3. Heft. (1912)
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 132 (sequence 36)
- Language
- German
- Belongs to
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trackermandel die Mischua nach der Tossefta and iöh die Tossefta Zach der Mischna; aber welch himmelhoher Unterschied ist zwischen unseren* Methoden. Durch mein Transferierangsverfahron gewinnen beide, sowohl die Tossefta als auch die Mischna. An ihrem rechten Orte nntergebracht, erscheinen nicht blos die einzelnen Alineas durch ihren engen Anschluss an die Mischna inniger mit einander verbunden, sondern sie lassen auch den einheitlichen Zusammenhang der Mischnajot plastischer hervortreten. Bei -der Methode Zuckermandels hingegen wird auf der einen Seite nicht viel gewonnen und geht auf der anderen mehr verloren. Durch die Einschiebung der ״unverändert in unsere Mischna aufgenommenen Teile“ werden zwar manche Lücken ausgefüllt, Lücken, von denen wir nicht wissen, wie sie entstanden sind: aber der Wirrwarr besteht unvermindert fort und der nach wie vor fragmentarische und sprunghafte Charakter der Tossil'ta schlicsst ganzlieh die Annahme aus, dass sie dies vielgepriesene Werk R. Jehuda Hanassfs sei.“ Immerhin tadelt hier Schwarz ein Verfahren an Zuckcrmandel, welches mit dem seinigen sehr verwandt ist. Unsere Mischna, die Mischna des Nassihauses, hatte von jeher don Vorteil, als die bevorzugte zu gelten. Ans diesem Grunde wurdo sie an der Hauptstatte der Erörterungen den Lehrübungen zu Grundo gelegt und immer sorgfältiger davor bewahrt, dass fremde Bestandteile in sie hineintreten oder ein Satz von seiner Stello gerückt werde. Ausser ihr gab es eine Fülle mehr oder weniger berühmte, auf gleicher Grundläge und Ordnung sich aufbauende Misrhnas, die neben der anerkannten Ilauptmischna die Bestandteile der Gemaraverhandlungen bildeten. Eine von ihnen (vielleicht unsero Trtossefta) mag ihres Umfanges wegen dabei besonders berücksichtigt wordon sein, es mag sogar soin, dass mit ihr gelegentlich des Amoräerstreits noch andere Baraithas (denn alles Nichtmischnische ist Baraitha) unwillkürlich in Verbindung geraten sind, dass einzelne Sätze die genauore Ordnung unserer Mischna dadurch erhalten haben, dass die Gemara sie neben der verwandten Mischna behandeln musste. (Der Ort der Tosefta in der Gemara ist deshalb kein Beweis für ihren ursprünglichen Ort, eher ein Gegenbeweis. Eine zu genaue, in’s Einzelne gehende Ordnungsgleichheit beider Quellen ist schon die E’olge amorüischer Tätigkeit. Uns ist es genug, wenn Mischna und Tossefta, wie wir ja nachgewiesen, im Grossen und Ganzen der Gegenstände und Abschnitte eines 'jeden Traktats die gleiche Lehrordnong befolgen. Dagegen beweist die Gemara selbst die ursprüngliche Selbständigkeit der Tossefta, indem sie (wie z. B. Endo Sotah) auch d i e Teile derselben bringt, deren die Mischna nicht im Geringsten Erwähnung tut, deren Behandlung also nicht durch die Aufgabe der Mischnaerklärung notwendig gemacht wird.) Trotz dieser Umstände, die geschichtlich zu Ungunsten der Tossefta ausschlagen mussten, hat sich die Mischna, wie wir in unserer Einzelbehandlung von Traktaten genugsam gezeigt, so manchen Wucherangen und unwillkürlichen Bereicherungen auch nicht entziehen können.