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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1912-01-01 · 3. Heft. (1912) · p. Seite 104

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
34 (1912)
Issue
3. Heft. (1912)
Date
1912-01-01
Page
Seite 104 (sequence 8)
Language
German
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101 Entwickelung der Dinge in den sechs Schöpfungstagen angedeutet sah; er scheint dort auf dem Boden einer in der Vorrede des Sohar gebrachten Stelle zu stehen. > Bei Gelegenheit des nächtlichen Kampfes, den Jakob mit dem Unbekannten zu bestehen hat, wobei er verletzt, aber nicht besiegt wird, stellt Nachmani sich auf den Boden des Midrasch. Er sieht darin die späteren dunkeln Jahrhunderte, in denen es der Aussenwelt wohl auch gelungen ist, Israel äusserlich zu verletzen, ihm die stolze und gerade Haltung zu rauben, aber der Mut dem gebeugten ׳־ Stamme nicht genommen ist — so wie der Morgen "1 naht, flieht der Feind. Um ein anderes Beispiel zu bringen, Aaron sieht wie alle Stammesfürsten bei Einweihung des Altars ihre Gaben Tag um Tag darbringen, er fühlt seinen Stamm dabei zurückgesetzt; da entschädigt ihn Gott, indem Aaron nun die Lichter der heiligen Lampe za entzünden hat, was noch weit mehr bedeutet, als die Gaben der Fürsten. Nachmani sieht in diesem Midrasch einen Hinweis auf die Makkabäerkämpfe, in welchen die Priestor für die Erhaltung des ewigen Lichtes sich geopfert; was ihre Begeisterung gewirkt, das ist geblieben, denn noch w i r zünden die Chanukalichter an, wogegen alles Andere, was die Stammesfürsten, was später Samuel, was dann Esra und nachmals Herodes gegründet und geweiht, vernichtet ist. Und diese Deutungen entsprechen unserem neuzeitlichen Empfinden so vollkommen, dass wir hier fast unsere heutigen Kanzelreder zu hören glauben. Wer das bemängeln will, der breche über alle Maggidim, vom Bache Akeda bis zu den Neuesten, den Stab. Wahrlich, ein wissenschaftlich scheinender, sehr billiger Standpunkt. In der Synagoge sich an den sinnigen Deutungen des Redners zu erbauen und nachher, wenn man zur Feder greift, vornehm von oben herab aber alles Erbauliche abzuurteilen, das ist eino Verkennung einer sehr wesentlichen Seite des Judentums. Auch fehlen bei Nachmani kabbalistische Andeutungen nicht, die von der tiefen Verbindung unseres Gelehrten mit den Verkündern der Geheimlehre Zeugnis ablegen. Wohl würdon wir dem blossen Maggid diese hohe Stellung nicht anweisen. Wenn aber der Erklärer des Wortsinns, der strenge Darleger des Zusammenbangs, der Entdecker sprachlicher Eigentümlichkeiten nach der anderen Seite hingreift, wenn er uns die tiefe Berechtigung der Agada zeigt, wenn er uns lehrt, wie wir das aufzufassen haben, was derselben geschichtlich zu Grunde liegt, wenn er uns dann sein Inneres öffnet, uns seine Auffassung des Schriftverses zeigt und wunderbare Fernen er8chliesst, wenn er selbst die Rätsel der Geheiralehro kaum merklich berührt, so hat er ein grosses und wunderbares Kunstwerk geschaffen,

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