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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1912-01-01 · 3. Heft. (1912) · p. Seite 102

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
34 (1912)
Issue
3. Heft. (1912)
Date
1912-01-01
Page
Seite 102 (sequence 6)
Language
German
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drangen sich die Gedanken, die staanenerregendsten Aeassernngen aas ihm herver, dabei weiss er in der Hitze des Gesprächs ganz genaa, wie weit er den gefährlichsten Gedanken nachgehea, von wo aas er den harmlosesten Auffassungen aas dem Wege za gehen hat, am nicht verstrickt za werden. Er glich darin dem gewiegten Schach- Spieler, der 1m scheinbar harmlosesten Zage das Gefährliche and im gefährlichsten Gange wieder das Günstige voraassieht; wie dieser alle Eigentümlichkeiten des Schachbrettes, so scheint Nachmani alle Klippen aaf dem Gebiete des Behaaptens and Folgerns za kennen, und eben darin kennzeichnet sich der tiefe Denker. Man hielt ihm verfangliche Agadot vor, and er, sonst der ängstliche Bewahrer des gesammten jüdischen Gedankenand Empfindungsschatzes, erklärt, dass er diese Talmadstellen nicht unbedingt za vertreten brauche. Darob stellt sich sein Gegner entsetzt — diese Ketzerei gegen das Jadentam scheint ihn, den Abgefallenen and Bekehrer, zu verletzen, er will, dass Nachmani diese Aassprüche za Gegenständen des Gesprächs mache. Aber der Vertreter des Judentums erwidert ihm, dass nar der gesetzliche Teil des Talmads and zwar in den unumstösslich angenommenen Sätzen unbedingte Gültigkeit habe, dagegen der agadische der Predigt entspräche and selbst Predigtstoff biete, weshalb es Jedem überlassen sei, das ihm Zusagende anzunehmen. Als die Rede anf den Messias kam, lenkte er dadurch von der ganzen Behandlang ab, dass er denselben nicht als Gott, sondern als König von Fleisch and Blat binstellt — damit nahm er der Frage, ob der Erloser gekommen sei oder nicht, jede tiefgreifende Bedeutung für die Bekehrungsfrage. Wenn die Messiaszeit schon da sei, müsste der König mit seinen Rittern das Kriegshandwerk aafgeben, was ihnen doch schwer fallen dürfte. So sprach er zam König selbst. Die Entschiedenheit seines Auftretens erregte bei seinen Glaubensgenossen die berechtigte Furcht, man würde sein• Freimütigkeit an der Judenschaft rächen. Darum baten ihn die Vertreter der Barcelonaer Gemeinde, mit der Verhandlung za enden; auch von christlicher Seite gingen ihm gleiche Mahnungen zu. Endlich befürchtete die Bürgerschaft der Stadt selbst einen Volksauflaaf. Nachmani, der Mittelpunkt aller dieser Besorgnisse, zeigte aach nicht die geringste Lust, den Streit, der für ihn so ehrenvoll war, fortzasetzen, der König aber entliess ihn nicht, bis endlich Christiani wohl oder übel der Besiegte blieb. Nachmani weilte aaf Wunsch der Gemeinde noch einige Tage in Barcelona, am am nächsten Sabbat bei einem etwaigen Besuche d«s Königs and des Dominikaner-Generals in der Synagoge zu-

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